Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Unsichtbarer Schutzschirm für den Menschen

15.06.2010
International Conference on Networked Sensing Systems (INSS) in Kassel

In wenigen Jahrzehnten wird die Technik in der Lage sein, einen unsichtbaren Schutzschirm um den Menschen zu legen, der ihn vor gesundheitlichen Gefahren bewahrt, seine Mobilität verbessert und den persönlichen Energieverbrauch senkt. Als Schlüssel gelten vernetzte Sensorsysteme aus winzigen elektronischen Bauteilen. Mit der Entwicklung und dem Einsatz dieser Systeme befasst sich die International Conference on Networked Sensing Systems (INSS) 2010, die am Dienstag in Kassel begann.

Das Massachusetts Institute of Technology (MIT) reiht vernetzte Sensorsysteme unter die zehn wichtigsten Zukunftstechnologien weltweit ein: Sensornetze könnten in wenigen Jahren den Alltag der Menschen so tief greifend verändern wie Automobile oder Computer. Rund 160 Wissenschaftler aus den Disziplinen Sensor- und Computertechnologie werden sich noch bis 18. Juni über aktuelle Probleme und Trends des jungen Forschungszweigs austauschen. Gastgeber der diesjährigen INSS ist Prof. Dr. Hartmut Hillmer, vom Institut für Nanostrukturtechnologie und Analytik an der Universität Kassel

"Ziel der Forschung ist es, vernetzte Sensorsysteme ganz in den Dienst und das Wohlbefinden des Menschen, der Gesellschaft und der Umwelt zu stellen", sagte Kongresspräsident Hillmer. Schwerpunkte der Konferenz sind so genannte Smart Microchips, Intelligente Persönliche Umgebungen (Smart Personal Environments) sowie das Thema Sicherheit und extreme Miniaturisierung. Sensornetze bestehen aus einer Vielzahl mikroskopisch kleiner Einheiten, die Informationen sammeln und diese zum Beispiel per Funk untereinander austauschen.

Kernelement der Sensornetze sind extrem kleine Mikroprozessoren mit äußerst geringem Leistungsverbrauch. Diese Smart Microchips werden zukünftig auch ohne Batterie und Steckdose auskommen. Die Chips werden die benötigte Energie zum Beispiel aus elektromagnetischen Feldern in ihrer Umgebung gewinnen. Sie sind damit autonom und können jahrelang arbeiten, auch an schwer zugänglichen Stellen - etwa im menschlichen Körper. Smart Microchips können beispielsweise beim Monitoring von neuronalen Aktivitäten oder für eine intelligente Medikamentendosierung eingesetzt werden, wie auf der Tagung gezeigt wird.

„Heute haben Sensoren oft nur eine einzelne spezifische Funktion", erklärt Hillmer. Künftig entstehe durch eine Vernetzung der Sensoren ein enormer Mehrwert. „Sensoren werden künftig nicht mehr einzelne isolierte Aufgaben wahrnehmen, wie z.B. nur eine Druckmessung, sondern mit anderen Einheiten in ihrer Umgebung kommunizieren", sagt der Kongresspräsident: Das Ensemble aus vielen Sensoren werde die Realisierung neuartiger Energiemanagementkonzepte ermöglichen, neuartige Gesundheitsversorgungs- oder Sicherheitskonzepte. Generell dominiere die drahtlose Datenübertragung dabei immer mehr.

„Der Mensch wird in naher Zukunft unterstützt von einer Vielzahl sehr stark miniaturisierter Sensoren", sagt Hillmer. Das Sensornetz erlaubt dabei zum Beispiel eine permanente Überwachung des Gesundheitszustands, auch wenn der Patient unterwegs ist. Die gesammelten Daten werden an einen Server oder eine ärztliche Zentrale übermittelt und dort in Echtzeit ausgewertet. „Dies ist besonders interessant zur Erhaltung der Mobilität älterer Menschen", betont der Kongresspräsident. Das Besondere ist dabei die starke Tendenz zu unblutigen oder minimal invasiven Messungen. Gleichzeitig sind die Sensoren, die sich etwa in der Armbanduhr oder im Handy des Patienten befinden können, in der Lage, gesundheitsgefährliche Stoffe in der Luft zu detektieren. Der Mensch würde daraufhin gewarnt und umgeleitet.

Einen wirksamen Schutz können Sensornetze auch in allen Arten von Notfällen bieten. So vermag das intelligente Netz im Brandfall Menschen aus einem brennenden Gebäude zu führen und dabei örtlich Gefahrenstellen vermeiden. Darüber hinaus denken Forscher bereits über Systeme nach, die sich permanent selbst optimieren und so zunehmend energiesparender, sicherer und umweltfreundlicher werden. Das ist insbesondere eine große Herausforderung an die Software.

Die Konferenz führt Experten aus Forschung und Industrie zusammen und bietet damit ein Forum für den Austausch und die Präsentation neuester Entwicklungen und bedeutender Innovationen auf den Gebieten der vernetzten Sensorsysteme. Eine nachhaltige Zusammenarbeit zwischen Industrie und Hochschulen wird dadurch initiiert sowie effizient und erfolgreich gestaltet.

Zur INSS 2010, die im Kongress Palais Kassel stattfindet, werden Wissenschaftler aus der ganzen Welt erwartet. Diese Konferenz findet jeweils abwechselnd in Asien, USA und Europa statt. 2008 war sie zu Gast in Kanazawa/Japan und 2009 in Pittsburgh/USA.

Info
Prof. Dr. rer. nat. Hartmut Hillmer
tel (0561) 804 4485
e-mail hillmer@uni-kassel.de
Universität Kassel
Fachbereich Elektrotechnik/Informatik
Dr. Guido Rijkhoek
tel (0561) 804 2217
e-mail rijkhoek@uni-kassel.de
Universität Kassel
Kommunikation, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Christine Mandel | idw
Weitere Informationen:
http://www.inss-conf.org/2010
http://www.uni-kassel.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle
28.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS

nachricht Wie Menschen wachsen
27.03.2017 | Universität Trier

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Demenz: Forscher testen Wirkstoffe im Hochdurchsatz

28.03.2017 | Medizin Gesundheit

Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

28.03.2017 | Medizintechnik

Elektrische Spannung: Kaiserslauterer Ingenieure erforschen Versagen bei Kugellagern

28.03.2017 | Maschinenbau