Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Umweltrisiken erkennen und bekämpfen - Tagung Umweltchemie in Gießen und Homberg

26.08.2014

Die Jahrestagung der Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) findet vom 7. bis 10. September zusammen mit der Society of Environmental Toxicology and Chemistry – German Language Branch (SETAC GLB) an der Justus-Liebig-Universität Gießen und am Forschungszentrum Neu-Ulrichstein, Homberg (Ohm) statt.

Themen sind sowohl das Aufspüren als auch die Akkumulation und die Bekämpfung von Schadstoffen. Außerdem spielen Risikobewertung und Regulatorik sowie das Umweltmonitoring wichtige Rollen. Der Paul-Crutzen-Preis für die beste Publikation auf dem Gebiet der Umweltchemie wird an Dr. Thorsten Hüffer, Universität Wien, verliehen.

Perfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS), eine Klasse weit verbreiteter Industriechemikalien, sind heute überall in der Umwelt zu finden. PFAS sind chemisch sehr stabil und biologisch kaum abbaubar. Dr. Thorsten Stahl, Hessisches Landeslabor Wiesbaden, gibt einen Überblick über die Schadstoffklasse, ihre Eintragspfade in den Boden, Aufnahme in die Nahrungsketten und die Belastung von pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln.

Erstmals konnte experimentell belegt werden, dass kurzkettige und wasserlösliche PFAS in das Grundwasser gelangen und somit über viele Wege menschliche Nahrungsmittel erreichen. Langkettige PFAS werden von Pflanzenwurzeln aufgenommen und gespeichert und gelangen über die Ernte der Pflanzen oder die Aufnahme durch Mastvieh in unser Essen.

Der überwiegende Teil der deutschen Bevölkerung geht heute davon aus, dass Risiken durch belastete Nahrungsmittel und Naturkatastrophen wie Hochwasser zukünftig zunehmen werden. Dementsprechend groß ist die Bedeutung der Bodenwissenschaften in der Umweltforschung. Der Präsident der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft Professor Dr. Thomas Scholten, Universität Tübingen, stellt in seinem Vortrag den Boden als hochkomplexes und hochdynamisches System vor und spricht ökotoxikologische Fragestellungen an.

Der Bereichsleiter der Angewandten Ökologie des Fraunhofer IME in Schmallenberg, Professor Dr. Christoph Schäfers, beleuchtet in seinem Vortrag die Notwendigkeit der Einbeziehung verschiedener Wissensbereiche. Schäfers reißt aktuell offene Fragen der Stoffregulation an und gibt einen Überblick über die Verfahren zur Datengewinnung für die ausführliche Risikobewertung von Stoffen.

Ziel der Datengewinnung ist es, Schwellenkonzentrationen risikobehafteter Stoffe unter realistischen worst case-Bedingungen festzustellen, die sich negativ auf Lebensformen auswirken. Gleichzeitig sollen die erhobenen Daten die Unsicherheit bezüglich empfindlicher Arten, Lebensstadien und besonders wirkungsrelevanter Umweltsituationen reduzieren.

Umweltproben beinhalten meist ein breites Spektrum an Inhaltsstoffen. Um diese genau zu analysieren und zu quantifizieren, gibt es eine Bandbreite an verschiedenen Methoden mit unterschiedlichen Ansätzen. Professor Dr. Janusz Pawliszyn, University of Waterloo, Kanada, präsentiert eine lösungsmittelfreie Technik zur Differenzierung von freischwebenden und partikelgebundenen Verbindungen in einem Aerosol, einer mit Feststoffen und flüssigen Tröpfchen gemischten gasförmigen Probe.

Dies ist eine besondere Herausforderung, da freischwebende Teilchen dazu tendieren, sich in Aerosolen zu verbinden. Pawliszyn verwendet ein kombiniertes Verfahren aus Festphasenmikroextraktion (SPME), das er 1990 selbst entwickelte, und dem „Needle Trap“-Verfahren (NTD), mit dem geringe Luftbestandteile zur besseren Detektion angereichert werden können. Die Kombination der Verfahren bietet eine detaillierte Charakterisierung eines Aerosols – sowohl im Labor als auch für Freilandversuche.

Um das Besprochene in Natura zu erfahren, finden einige Freilandsessions statt. Eine breite Palette an Feldversuchen und Methoden wird live präsentiert und am Objekt diskutiert. Am Montagabend rundet eine Fledermaus-Exkursion das Tagesprogramm ab. Parallel zum Vortragsprogramm finden außerdem zahlreiche Innovationsforen statt, in denen diskutiert und mitgestaltet werden kann.

Im Rahmen der Tagung wird der Paul-Crutzen-Preis an Dr. Thorsten Hüffer von der Universität Wien für die beste Publikation auf dem Gebiet der Umweltchemie verliehen. Hüffer untersuchte die Effekte von oxidativer und lichtinduzierter Transformation von C60-Fullerenen auf die Sorptionsstärke von Polyzyklischen Aromaten (PAKs). Er fand heraus, dass PAKs an C60-Fullerenen nach Alterung durch Umweltexposition weniger stark sorbieren.

Die Funktion von Fullerenen als kolloidaler Schadstoffträger nimmt also mit der Zeit ab. Von nationalen und internationalen Gremien wird die weitere Forschung zur Untersuchung von Wechselwirkungen weiterer Nanomaterialien mit Chemikalien gefordert. Hüffers von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Arbeit legt hierfür den Grundstein.

Weitere Informationen zur Tagung sind im Internet unter www.setac-glb.de  zu finden.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie mit rund 850 Mitgliedern.

Weitere Informationen:

http://www.gdch.de

Dr. Renate Hoer | GDCh

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal
18.08.2017 | Bergische Universität Wuppertal

nachricht Einblicke ins menschliche Denken
17.08.2017 | Universität Potsdam

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie