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Tierische Ansteckungsgefahr – Zoonosen auf dem Vormarsch

09.03.2009
Internationale Expertengruppe trifft sich am UKM - Hygieneinstitut Münster.

Bundesweit sind im Jahr 2008 mehr als 100 000, im Regierungsbezirk Münster über 5000 Fälle von Durchfallerkrankungen an die Gesundheitsämter gemeldet worden, die durch Zoonoseerreger verursacht wurden. Hierbei handelt es sich um Keime, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden.

„Ich vermute eine hohe Dunkelziffer, die weit über der Anzahl der gemeldeten Fälle liegt. Die Erklärung dafür ist, dass viele Erkrankungen unerkannt bleiben, weil sehr häufig kein Arzt aufgesucht wird“, sagt Prof. Helge Karch, einer der führenden Zoonose - Experten weltweit und Direktor des Instituts für Hygiene am Universitätsklinikum Münster (UKM). „Sehr häufig wird zudem keine mikrobiologische Diagnostik durchgeführt, so dass die Erreger unerkannt bleiben“, betont Karch.

Wichtig : Gründliches Händewaschen Zoonoseerreger kommen in der Regel im Darm von Nutztieren vor, wie z. B. in Rindern, Schweinen oder Hühnern, ohne dass die Tiere daran erkranken. Auch Haustiere ( Katzen, Hunde ) können Träger dieser Keime sein. Eine Möglichkeit der Übertragung auf den Menschen be- UKM : AöR, Jörg Robbers ( Aufsichtsratsvorsitzender ), Prof. Dr. med. Norbert Roeder ( Vorstandsvorsitzender, Ärztlicher Direktor ), Dr. rer. pol. Christoph Hoppenheit ( Kaufmännischer Vorstand ), Prof. Dr. med. Wilhelm Schmitz ( Dekan ), Michael Rentmeister ( Pflegedirektor ), Univ.- Prof. Dr. med. Hermann - Joseph Pavenstädt ( stellv. Ärztlicher Direktor ) steht darin, wenn nach direktem Kontakt mit einem Tier ( z. B. Streicheln ) die Finger in den Mund gesteckt werden. Deshalb sollten Eltern auf ihre Kleinkinder besonders gut aufpassen. „Die Gefahr durch Haustiere ist im Allgemeinen gering, solange einfache Hygienemaßnahmen eingehalten werden“, sagt Karch. Gründliches Händewaschen mit warmen Wasser und Seife nach jedem Tierkontakt ist sehr einfach und kann von jedem durchgeführt werden. Das gilt auch nach dem Besuch eines Bauernhofes oder Streichelzoos. Neben dem Tierkontakt besteht eine weitere Infektionsgefahr, wenn Zoonoseerreger den „Umweg“ über Lebensmittel nehmen, in denen sie sich hervorragend vermehren. „Geschmacklich lässt sich mit Zoonoseerregern verunreinigte Nahrung nicht von einwandfreien Lebensmitteln unterscheiden“, so Karch. Der Verzehr von rohem oder unzureichend gegartem Fleisch sowie das Trinken von Rohmilch stellen ein hohes Risiko dar, an einer Zoonose zu erkranken. Auch hier kann einfach Abhilfe geschaffen werden: Die Lebensmittel müssen vor dem Verzehr erhitzt werden. 1,3 Millionen Euro für Zoonoseforschung in Münster Die Problematik von Zoonosen wird wissenschaftlich in dem seit 1.1.2008 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ( BMBF ) geförderten Forschungsnetzwerk FBI - Zoo ( Food - Borne Infections Zoonotic ) bearbeitet. In diesem Netzwerk arbeiten fachübergreifend Human- und Veterinärmediziner sowie Lebensmittelmikrobiologen zusammen. Alle 16 Projektpartner dieses Netzwerkes, darunter Experten des Robert Koch - Institutes und des Bundesinstituts für Risikobewertung, treffen sich am 9. und 10. März zusammen mit einer Repräsentantin der WHO am Institut für Hygiene des Universitätsklinikums Münster. Bei diesem Treffen werden die neuesten Forschungsergebnisse diskutiert, um aus den Ergebnissen der bisherigen Arbeiten neue Strategien zur Bekämpfung von Zoonosen zu entwickeln. Vier Zoonose-Projekte werden am Institut für Hygiene und an der Poliklinik für Parodontologie des Universitätsklinikums Münster bearbeitet und vom BMBF für drei Jahre mit 1,3 Mio Euro gefördert. Die Wissenschaftler setzen sich unter anderem mit folgenden Fragestellungen auseinander:

– Welche Zoonoseerreger lassen sich in den Stuhlproben von Patienten mit Durchfallerkrankungen nachweisen, die in schweren Fällen bis zum Nierenversagen oder dem Guillain - Barre - Syndrom führen können ?

– Welche Eigenschaften ermöglichen es den Keimen, den Menschen zu besiedeln und in der „neuen Umgebung“ Erkrankungen zu verursachen ?

– Wie haben sich die Erreger an den Menschen angepasst und wie sind die genauen Übertragungswege ?

– Welche Umweltfaktoren spielen im Darmmilieu des Menschen eine Rolle ?

Im „Jahr von Darwin“ interessiert die Forscher auch, in welchen Zeiträumen die Evolution der Zoonoseerreger abläuft. Karch geht nach seinen neuesten Ergebnissen davon aus, dass es „Selektionssiebe“ geben muss, die nur ganz bestimmte Erreger - Varianten aus der Vielfalt der im Tier vorkommenden Typen „durchlassen“.

Evolutive Veränderungen nach wenigen Tagen

Welche Strategien haben diese Bakterien entwickelt, um das „Neuland Mensch“ zu besiedeln ? „Wir haben beobachtet, dass Erreger, die eigentlich nur im Schwein oder nur im Rind vorkommen, ihre Wirtsspezifität aufgegeben haben“, erklärt Karch. Die Evolution verläuft bei den Zoonoserregern wesentlich schneller als bei höheren Organismen, wie z. B. Säugetieren. Evolutive Veränderungen lassen sich bereits in Zeiträumen von wenigen Tagen nachweisen.

Schließlich sollen alle erhobenen Daten des gesamten Netzwerkes zur Erstellung eines Frühwarnsystems für Zoonoseerkrankungen gebündelt werden. Die technischen Voraussetzungen hierzu werden in Münster gelegt. Außerdem werden hier neue diagnostische Verfahren entwickelt auf Basis des DNA - Fingerabdruckes, mit denen die Erreger genauer als bisher untersucht werden können. Hiermit ist es erstmals möglich, die Erreger aus Tieren und Lebensmitteln sicher mit denen aus dem Menschen miteinander zu vergleichen.

Simone Hoffmann | Universitätsklinikum Münster (UK
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenster.de/

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