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Technologie inspiriert Neurologie

27.03.2009
Mediziner nutzen bei Therapien immer öfter technische Methoden, um Plastizität des Gehirns bei der Regeneration zu fördern

Die Neurowissenschaften stoßen in der breiten Öffentlichkeit auf großes Interesse, da spektakuläre Einblicke in die Funktion des Gehirns möglich geworden sind. Die therapeutischen Konsequenzen dieser Forschung sind in manchen Bereichen schon anwendbar: Epileptische Foci können selektiv zum Wohl des Patienten entfernt werden; Neurostimulation setzt dort an, wo die Bildgebung Schaltstellen für Depression oder Schmerzen vermutet; Roboterhände werden von EEG-Potentialen gesteuert.

„Die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung (DGKN) in München wird sich diesmal speziell dem Thema der Basalganglien widmen, um aktuelle diagnostische und therapeutische Strategien darzustellen“, sagt Prof. Dr. Marianne Dieterich, Leiterin der Neurologischen Klinik der LMU und Präsidentin der 53. Jahrestagung der DGKN. Bei den Basalganglien handelt es sich um zentrale Nervenzellen unseres Gehirns zur Steuerung motorischer aber auch kognitiver Prozesse. Weitere Schwerpunkte werden die Schwindelerkrankungen, die Plastizität im motorischen System, die Alterungsprozesse des Nervensystems und die strukturelle und funktionelle Bildgebung sein. Die klassischen neurophysiologischen Methoden (EEG, Elektromyographie, Nervenleitgeschwindigkeitsmessungen) werden dabei nicht zu kurz kommen, vor allem in Bezug auf neue Techniken und Anwendungen.

Breites Therapiespektrum

So diskutieren rund 1200 Teilnehmer (Wissenschaftler und klinisch tätige Ärzte) bei der Jahrestagung der DGKN vom 26. bis 28. März in München die Möglichkeit der frühen Magnetstimulation bei Schlaganfall (Prof. Dr. Gereon Fink, Köln). Damit soll eine Funktionserholung nach dem Schlaganfall („Plastizität“) schon frühzeitig unterstützt werden, um so Fehlanpassungen des Gehirns („Maladaptation“) während der subakuten Phase des Schlaganfalls vorzubeugen.

Aber auch sportliche Betätigung kann sich positiv auf das Gehirn auswirken: Das ist das Gebiet der Sportneurologie von Prof. Dr. Barbara Tettenborn, St. Gallen. Sie berichtet darüber, wie mit körperlicher Betätigung das Gehirn therapiert werden kann bzw. Sport auch zur Vorbeugung neurologischer Erkrankungen eingesetzt werden kann.

Speziell für Kinder haben Mediziner am Klinikum der Universität München einen Gangroboter weiterentwickelt, mit dem Kindern mit motorischen Einschränkungen geholfen werden kann. Im Laufe der letzten Jahre konnte damit erstmalig in Deutschland `Robotic Medicine` für Kinder mit zentralen Gangstörungen erprobt und weiterentwickelt werden: Ein Gangroboter – entwickelt von Züricher Universitäten – konnte an die Bedürfnisse der jungen Kinder angepasst werden. Dieser so genannte Lokomat erlaubt eine intelligente, individuelle und variable Mensch-Maschine Interaktion und trainiert das komplexe Zusammenspiel von Gehirn, Rückenmark und Muskeln für das Nummer-eins-Thema kindlicher Mobilität – das Gehen.

Für Patienten mit Schwindel- und Gleichgewichtsstörungen bietet die Neurologische Klinik am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität Hilfe an. Die Fortschritte in der Bildgebung tragen dazu bei, dass die medikamentösen und physikalisch-medizinischen Therapien an die jeweilige Funktionsstörung gezielter angepasst werden und hoffentlich in der Zukunft auf die Botenstoffe dieser Regelkreise Einfluss genommen werden kann.

Neurologische Klinik und Poliklinik der Universität München

Die Neurologische Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität hat die Organisation dieser Tagung übernommen. Für die stationäre Krankenversorgung stehen hier 81 Betten auf verschiedenen Stationen und Spezialeinrichtungen zur Verfügung. Darunter sind Einheiten zur Behandlung von neurologisch intensivmedizinpflichtigen Patienten (Intensivstation I 2) und von Schlaganfallpatienten (StrokeUnit) sowie Einheiten zur Beobachtung und Diagnose von Patienten mit Schlafstörungen und Epilepsien. Auf der Station des Friedrich-Baur-Instituts in der Innenstadt werden Personen mit neuromuskulären Erkrankungen behandelt.

In der Neurologischen Klinik und Poliklinik arbeiten auf dem Campus Großhadern über 350 Personen in Gebäuden der Klinik und im Neurologischen Forschungshaus. Am Standort Innenstadt sind im Friedrich-Baur-Institut - spezialisiert auf neuromuskuläre Erkrankungen - und im Neurologischen Konsiliardienst ca. 50 Mitarbeiter beschäftigt.

Die ambulante und stationäre Krankenversorgung deckt das gesamte Spektrum neurologischer Erkrankungen ab.

Der Schwerpunkt der Forschung liegt auf dem Gebiet der Sensomotorik, hier werden grundlagen- und anwendungsorientierte Probleme der Wahrnehmung, der Orientierung und der Bewegung des Körpers im Raum bearbeitet. Darüber hinaus beschäftigen sich selbstständige Forschungsgruppen mit neurobiologischen Fragestellungen zur Physiologie des Nervensystems, zur Neuroinfektion, zur Neuroimmunität und zur Neurogenetik. Zentren verschiedener nationaler und internationaler Forschungsverbünde sind in unserer Klinik lokalisiert.

Kontakt:

PD Dr. Kai Bötzel
Neurologische Klinik und Poliklinik
Klinikum der Universität München, Campus Großhadern
Tel: +49- (0)89/7095-0
Fax: +49- (0)89/7095-3677
E-mail: kboetzel@med.uni-muenchen.de

Klinikum der Universität München
Im Klinikum der Universität München (LMU) sind im Jahr 2007 an den Standorten Großhadern und Innenstadt etwa 500.000 Patienten ambulant, poliklinisch, teilstationär und stationär behandelt worden. Die 44 Fachkliniken, Institute und Abteilungen verfügen über mehr als 2.300 Betten. Von insgesamt 9.700 Beschäftigten sind rund 1.700 Mediziner. Forschung und Lehre ermöglichen eine Patientenversorgung auf höchstem medizinischem Niveau. Das Klinikum der Universität München hat im Jahr 2007 etwa 57 Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben und ist seit Juni 2006 Anstalt des öffentlichen Rechts.

Philipp Kreßirer | Klinikum der Universität München
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenchen.de

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