Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tagung zur Umformtechnik in Aachen

31.08.2011
Mit Haifischhaut Treibstoff sparen

Metalle sind bis heute die wichtigsten Werkstoffe für moderne Technik: Ob Flugzeug, Auto, künstliche Hüfte, Brücke oder Hochhaus - kaum ein technisches Produkt ist ohne sie denkbar. Fast alle Metalle werden am Anfang aus Bodenschätzen oder Recyclingschrott als flüssige Legierungsschmelze erzeugt und zu Formteilen oder großen Blöcken gegossen.

Viele Verfahren wie Walzen, Schmieden und Pressen werden eingesetzt, um ausgehend vom ersten Block durch so genannte Umformung zum fertigen Bauteil mit komplizierter Geometrie und hervorragenden Eigenschaften zu gelangen. Das Spektrum reicht dabei von mehrere hundert Tonnen schweren Turbinenwellen für moderne Kraftwerke bis zu mikroskopisch kleinen Teilen.

Vom 25. bis 30. September 2011 treffen sich im Aachener Eurogress über 600 Wissenschaftler zur International Conference on Technology of Plasticitiy, kurz ICTP2011. Diese „Olympiade der Umformtechnik“ findet nur alle drei Jahre statt, so 2002 in Yokohama in Japan, 2005 in Verona in Italien und 2008 in Gyeongju in Korea. In Aachen wird die Tagung vom Institut für Bildsame Formgebung der RWTH und dem Institut für Umformtechnik und Leichtbau der TU Dortmund ausgerichtet. Der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner hält am Montag, 25.9.2011, um 9.25 Uhr eine Eröffnungsansprache.

Im Rahmen der Tagung werden Forschungsergebnisse und Ideen präsentiert: Lassen sich der Haifischhaut ähnliche metallische Oberflächen erzeugen, um bei Flugzeugen und Schiffen Treibstoff zu sparen? Wie kann man durch den Einsatz von Laserlicht berührungslos Metalle biegen? Kann ein mehrere hundert Tonnen schwerer Block so geschmiedet werden, dass feinste Poren in seinem Innern verschweißt werden?

Für Deutschland ist die Umformtechnik ein wichtiger Industriezweig. Die für die Umformung benötigten Maschinen und Anlagen wie Walzwerke, Pressen oder Ziehanlagen sind Schlüsselprodukte, mit denen der deutsche Maschinenbau eine weltweit führende Rolle einnimmt. Es liegt nahe, dass auch die Forschung auf diesem Gebiet in Deutschland eine wichtige Rolle einnimmt. Die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Hochschule hat Tradition und führt seit Jahren immer wieder zu wegweisenden Innovationen. So werden große Elemente die Tanks der Ariane-Rakete heute beim Kugelstrahlzentrum in Aachen (KSA) nach Methoden gefertigt, die in den 80er und 90er Jahren am RWTH-Institut für Bildsame Formgebung entwickelt wurden. Vielleicht werden in einigen Jahren auch Flugzeuge fliegen, die durch in Aachen entwickelte metallische Haifischhaut Treibstoff sparen.

Flugzeuge mit Haifischhaut
Haifischhaut ist durch so genannte Riblets gekennzeichnet. Diese sehr feinen, schmalen Kanäle mit einer Breite von 100 µm könnten die Effizienz von Flugzeugen, Zügen und Pipelines erheblich steigern. Bei Flugzeugen, deren Flügel und Rumpf mit solchen Riblet-Strukturen versehen sind, kann beispielsweise der Strömungswiderstand um zwei bis acht Prozent reduziert werden.
Da die direkte Herstellung von Riblets auf metallischen Oberflächen sehr zeitaufwändig wäre, bleibt als wirtschaftliche Lösung, die Strukturierung von Blechen direkt in den Herstellungsprozess des Kaltwalzens zu integrieren.

Hierzu muss das negative Abbild der gewünschten Struktur vorher in die Walze eingebracht werden. Da die Wirksamkeit der Riblets erheblich davon abhängt, dass sehr feine Spitzen gewalzt werden, ist es kaum möglich, die Negativform durch abtragende Verfahren ausreichend fein und zu akzeptablen Kosten zu erzeugen. Am RWTH-Institut für Bildsame Formgebung wurde in einem von der VolkwagenStiftung gefördertem Projekt eine neuartige Strukturierung der Walzenoberfläche erprobt. Ein sehr feiner, runder und hochfester Stahldraht wird mit entsprechender Vorspannung eng um die Walze gewickelt. Die so strukturierten Arbeitswalzen tragen nun ein nahezu perfektes Abbild der gewünschten Ribletform und konnten in Versuchen erfolgreich zur Strukturierung von Aluminiumblechen durch Kaltwalzen eingesetzt werden.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Dipl.-Ing. Burkhard Wietbrock per E-Mail unter Wietbrock@ibf.rwth-aachen.de oder telefonisch unter 0241/80 95945.

Thomas von Salzen | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwth-aachen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - März 2018
17.01.2018 | Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

nachricht 2. Hannoverscher Datenschutztag: Neuer Datenschutz im Mai – Viele Unternehmen nicht vorbereitet!
16.01.2018 | Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Im Focus: The first precise measurement of a single molecule's effective charge

For the first time, scientists have precisely measured the effective electrical charge of a single molecule in solution. This fundamental insight of an SNSF Professor could also pave the way for future medical diagnostics.

Electrical charge is one of the key properties that allows molecules to interact. Life itself depends on this phenomenon: many biological processes involve...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - März 2018

17.01.2018 | Veranstaltungen

2. Hannoverscher Datenschutztag: Neuer Datenschutz im Mai – Viele Unternehmen nicht vorbereitet!

16.01.2018 | Veranstaltungen

Fachtagung analytica conference 2018

15.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Projekt "HorseVetMed": Forscher entwickeln innovatives Sensorsystem zur Tierdiagnostik

17.01.2018 | Agrar- Forstwissenschaften

Seltsames Verhalten eines Sterns offenbart Schwarzes Loch, das sich in riesigem Sternhaufen verbirgt

17.01.2018 | Physik Astronomie

Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

17.01.2018 | Physik Astronomie