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Tagung zu „Form und Sensibilität“

02.09.2013
Veranstaltung der Uni Witten/Herdecke am 9. und 10. September befasst sich mit Begriff und Konzepten der Leiblichkeit

Die Universität Witten/Herdecke richtet am 9. und 10. September 2013 im Haus Witten in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk „Kulturen der Leiblichkeit“ eine Tagung zu „Form und Sensibilität – Leiblichkeit in den Künsten“ aus.

„Der Begriff des Leibes und der Leiblichkeit hat im phänomenologischen Kontext eine lange Tradition“, erläutert Jun.-Prof. Dr. Christian Grüny. „Seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist er in den unterschiedlichsten philosophischen Disziplinen und Kontexten rezipiert und als theoretische Ressource mobilisiert worden.“ Dennoch sei sein Potenzial bis heute unausgeschöpft. So hat in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten zwar der Körper in vielen Bereichen einen zentralen Auftritt gehabt, eine Auseinandersetzung mit dem phänomenologischen Motiv der Leiblichkeit ist aber vielfach unterblieben. Dabei verspricht dieses weiterhin, blockierte theoretische Konstellationen und falsche Entgegensetzungen aufzulösen. Das wissenschaftliche Netzwerkprojekt „Kulturen der Leiblichkeit“ hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, das Potenzial des Konzeptes der Leiblichkeit in einigen zentralen Bereichen zu sondieren und auszubauen.

Als dritte in einer Reihe von vier Tagungen wendet sich die Veranstaltung nach den Tagungen „Leib und Sprache“ in Basel 2011 und „Leib und Politik“ in Wuppertal 2012 den Künsten und der Ästhetik zu. Im nächsten Jahr wird eine letzte Veranstaltung zu Leiblichkeit und Medialität in Potsdam stattfinden.

Zum Konzept der Tagung:

Die Betonung der mit Körperlichkeit assoziierten Materialität, die in der Ästhetik in den letzten Jahren zu beobachten ist und die sich als Reaktion auf die Vorherrschaft des Sinnbegriffs versteht, kaschiert nicht nur schlecht einen unüberwundenen Dualismus von Stoff und Sinn; es verschenkt, selbst wenn es auf vermeintlich phänomenologisches Gedankengut zurückgreift, dessen tatsächliche systematische Möglichkeiten. Ein allzu starker Materialitätsbegriff verstellt nicht nur den Zugang zur prozessualen Leiblichkeit des künstlerischen Schaffensprozesses und beschränkt damit die produktionsästhetische Perspektive, er läuft ebenfalls Gefahr, die Erkenntnisse der rezeptionsästhetischen Forschung zu marginalisieren und die Resonanzphänomene beim Rezipienten außen vor zu lassen. Ein phänomenologischer Leibbegriff kann diese Konstellation aufbrechen, indem er die durch Kunstwerke eröffneten Erfahrungsräume auf eine Weise zu beschreiben erlaubt, die Register leiblicher Sinnkonstitution unterscheiden kann, ohne sie kategorial voneinander zu trennen und ohne den Anschluss an andere Sinnordnungen (kulturelle Kontexte und Normen, gesellschaftliche Einbettungen, Diskursformen etc.) abzuschneiden.

Die Tagung wird dem in unterschiedlichen künstlerischen Disziplinen und kulturellen Feldern nachgehen; vertreten sind Bild, Musik, Tanz, Performance und Film. Die Ansatzpunkte für ein derartiges Vorgehen sind in den verschiedenen Disziplinen unterschiedlich gelagert, ebenso der Stand der Vorarbeiten. Die einzelnen Vorträge werden mit Rücksicht auf grundlegende philosophische Fragen und Offenheit für die anderen vertretenen künstlerischen Felder die Möglichkeiten einer Ästhetik des Leiblichen in ihrem Bereich ausloten.

Weitere Informationen: Jun.-Prof. Dr. Christian Grüny, 02302 / 926 – 807 oder christian.grueny@uni-wh.de

Über uns:
Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 1.550 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft.

Jan Vestweber | Universität Witten/Herdecke
Weitere Informationen:
http://www.uni-wh.de

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