Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tagung BfN und BDLA zur Zukunft der Eingriffsregelung

05.03.2010
Gemeinsame Presseinformation von Bundesamt für Naturschutz
und Bund Deutscher Landschaftsarchitekten:
Kreativ kompensieren!
Tagung zur Zukunft der Eingriffsregelung

Am 1. März ist das neue Bundesnaturschutzgesetz in Kraft getreten, das eine Reihe von Änderungen auch zur naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung enthält: U.a. sind Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen rechtlich künftig gleich gestellt und erstmals werden Ersatzzahlungen sowie Regelungen zur Bevorratung von Kompensationsmaßnahmen (Flächenpools, Ökokonto) bundesweit in das Gesetz aufgenommen.

Welche praktischen Konsequenzen sich aus den neuen rechtlichen Regelungen ergeben, wollen heute 250 Fachleute aus dem ganzen Bundesgebiet auf der Tagung "künftig kreativ kompensieren" analysieren, die das Bundesamt für Naturschutz (BfN) gemeinsam mit dem Bund Deutscher Landschaftsarchitekten (bdla) im Wissenschaftszentrum Bonn durchführt.

"Mit der Neuregelung verbindet sich eine weitere Flexibilisierung bei der Bewältigung von Eingriffsfolgen, die dazu dienen soll, sowohl Freiräume für planerische Ansätze, beispielsweise in Flächenpools, zu schaffen und andererseits den Flächendruck in unmittelbarer Nähe zum Eingriffsort zu minimieren. Dass der Gesetzgeber dabei weiter am Vorrang der sogenannten Realkompensation vor einer Geldzahlung festgehalten hat, hat seinen guten Grund. Denn über eine sinnvoll kreative wie sachgemäße Umsetzung entsprechend ausgestalteter Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen können eine ganze Reihe von Synergien und Win-Win-Situationen mit anderen Belangen realisiert werden," stellte einleitend BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel fest". So lassen sich über die Bündelung von Kompensationsmaßnahmen in sogenannten Flächenpools, wie sie etwa in Brandenburg landesweit auf Naturraumebene realisiert werden, großräumige komplexe Maßnahmen umsetzen, die ansonsten für den Naturschutz nicht ohne weiteres machbar wären. Sinnvoll gelagerte Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen können beim Aufbau von Biotopverbundsystemen helfen, wie sie angesichts des Klimawandels zunehmend erforderlich werden, um Wanderungen von Arten zu ermöglichen. Im Wasserbau kann mit Maßnahmen, die sich eigendynamisch ohne oder nur mit geringen Unterhaltungsaufwendungen entwickeln oder die die Durchgängigkeit von Gewässern verbessern, die europarechtlich gebotene Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie effektiv unterstützt werden. Und in landschaftlich reizvollen Gebieten wie dem Alpenraum oder in Mittelgebirgslagen erweist sich vielfach auch der Tourismus als Verbündeter und Profiteur entsprechender gestalteter Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen. Wesentlich ist zudem der Aspekt der Haftungsfreistellung: Unter Anwendung der Eingriffsregelung zugelassene Maßnahmen sind von einer späteren Sanierung von Umweltschäden, für die nach dem Umweltschadensgesetz ansonsten der Projektträger verantwortlich wäre, frei gestellt.

"Auch die in der Praxis tätigen Landschaftsarchitekten begrüßen es, dass mit dem neuen BNatSchG eine Zersplitterung des Naturschutzrechts vermieden werden konnte und im Ergebnis für die Eingriffsregelung ein bundesweit einheitlicher Rahmen steht, der zugleich die notwendigen flexiblen Anwendungsmöglichkeiten lässt," ergänzte Kerstin Berg, Vizepräsidentin des bdla. Wie wichtig diese Flexibilität für die Praxis sei, zeige sich sowohl bei zahlreichen auch mit der Landwirtschaft praktizierten Kooperationsmodellen, etwa in Flächenpools oder langfristig angelegten Pflegeverträgen für Kompensationsmaßnahmen als auch bei der planerisch kreativen Gestaltung von Kompensationsmaßnahmen im urbanen Bereich, über die ein wesentlicher Beitrag zur Erhaltung städtischer Umweltqualität geleistet werde, ohne dabei das Prinzip einer funktional ausgerichteten Kompensation der eingetretenen Beeinträchtigungen außer Acht zu lassen.

Entgegen treten müsse man, so BfN-Präsidentin Jessel weiter, allerdings den häufig geäußerten Vorbehalten, die sich an die zusätzliche Inanspruchnahme landwirtschaftlicher Flächen durch Kompensationsmaßnahmen und eine ungenügende Abstimmung der Flächenauswahl knüpfen. Verschiedene exemplarische Auswertungen des Verhältnisses von Eingriffs- zu Kompensationsmaßnahmen zeigten, dass man nur in Ausnahmenfällen, d.h. bei besonders schwerwiegenden Beeinträchtigungen und in besonders empfindlichen Landschaftsräumen, an ein Verhältnis von 1 : 1 herankomme; in der Regel liege dieses deutlich darunter. Bei der Diskussion um die Inanspruchnahme von Flächen für Zwecke der Kompensation darf zudem die primäre Ursache für den anhaltenden Flächenentzug nicht vergessen werden: Die anhaltend hohe Flächeninanspruchnahme für Siedlungs- und Verkehrsflächen, durch die sowohl der Naturschutz als auch die Landwirtschaft gleichermaßen betroffen sind. "Vom Ziel, die tägliche Flächeninanspruchnahme für Siedlung und Verkehr auf 30 ha pro Tag zu reduzieren, das sowohl die Nationale Nachhaltigkeitsstrategie als auch die Nationale Strategie der Bundesregierung zur Biologischen Vielfalt vorgeben, sind wir noch weit entfernt", betonte BfN-Präsidentin Jessel. "Indem sie dem Vermeidungsaspekt Priorität einräumt und sodann gezielt die eintretenden Beeinträchtigungen kompensiert, kann die Eingriffsregelung bei konsequenter Anwendung einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung der Flächeninanspruchnahme und ihrer Auswirkungen leisten und ist damit heute zukunftsfähiger denn je."

Franz August Emde | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017
23.10.2017 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht Die Zukunft der Luftfracht
23.10.2017 | Frankfurt University of Applied Sciences

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: 65 neue genetische Risikomarker für Brustkrebs entdeckt

Manche Familien sind häufiger von Brustkrebs betroffen als andere. Dies kann bislang nur teilweise durch genetische Risikomarker erklärt werden. In einem weltweiten Verbund haben Forscher nun 65 weitere Erbgutvarianten identifiziert, die zum Brustkrebsrisiko beitragen. Die Studie, an der auch Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum und dem Universitätsklinikum Heidelberg beteiligt waren, wurde in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht. Die Forscher erwarten, dass die Ergebnisse dazu beitragen, Screeningprogramme und die Früherkennung von Brustkrebs zu verbessern.

Seit Angelina Jolies medienwirksamer Entscheidung, sich vorbeugend die Brüste entfernen zu lassen, ist der genetische Hintergrund von Brustkrebs auch einer...

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fettstoffwechsel beeinflusst Genaktivität

24.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Forscher der Universität Hamburg entdecken Mechanismus zur Verdopplung von Pflanzengenomen

24.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Bakterielle Toxine im Darm

24.10.2017 | Biowissenschaften Chemie