Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tag der Tropenwälder - Wachsende Gefahr durch Abholzung

12.09.2011
Etwa zehn Prozent der Landfläche unseres Planeten waren natürlicherweise mit tropischem Regenwald bedeckt.

Der Mensch hat bis heute bereits die Hälfte davon vernichtet und die verbleibende Fläche schrumpft jährlich um ein halbes Prozent. Derzeit vernichtet der Mensch jedes Jahr durchschnittlich ein halbes Prozent davon.

Dieser jährlich Flächenverlust entspricht der achtfachen Größe Sachsens.
"Wenn die Zerstörung so weitergeht, ist der Regenwald in 100 Jahren weg", sagt Christian Wirth anlässlich des Tages der Tropenwälder, der am 14. September begangen wird.

"Wenn die Zerstörung so weitergeht, ist der Regenwald in 100 Jahren weg", sagt Christian Wirth anlässlich des Tages der Tropenwälder, der am 14. September begangen wird. Allerdings hält es der Professor für spezielle Botanik und funktionelle Biodiversität der Universität Leipzig wegen der immer schärferen Schutzmaßnahmen für unwahrscheinlich, dass die Tropenwälder gänzlich vernichtet werden. Da sie jedoch die Hälfte aller Landlebewesen beherbergen, wird ein Zusammenschrumpfen auf wenige Nationalparks die Artenvielfalt auf unserem Planeten drastisch verringern, warnt der Experte.

"Wenn man Fläche vernichtet, vernichtet man auch Arten, da jeder Quadratkilometer Regenwald eine andere Artenausstattung hat", berichtet Prof. Wirth. In Südostasien verschwinden ihm zufolge derzeit die größten Regenwald-Flächen. Die Bäume werden meist gerodet, um profitträchtige Ölpalmen anzupflanzen. Im Amazonasbecken in Südamerika, wo sich der größte zusammenhängende Tropenwald der Erde befindet, müssen die Bäume Acker- und Weideland weichen. Das Holz fällt der klimaschädlichen Brandrodung zum Opfer oder wird für die Zellstoffgewinnung und als Bauholz verwendet. "Es gab im letzten Jahrzehnt auch positive, rückläufige Trends, was die Vernichtung der Tropenwälder angeht. Die haben sich aber inzwischen leider schon wieder umgekehrt", berichtet Dr. Dietmar Sattler. Der Biologe arbeitet am Institut für Geographie der Universität Leipzig und erforscht unter anderem die Ökologie des Regenwaldes. Internationale Regularien zum Schutz dieser Wälder seien in den einzelnen Ländern nicht gesetzlich bindend. Die hätten zwar ihre eigenen Gesetze, deren Umsetzung und Kontrolle allerdings wegen der Größe der Flächen "extrem schwierig" sei, sagt er. Seit mehreren Jahren könne allerdings die Abholzung der Regenwälder sehr genau über Satellit beobachtet werden.

Die Rodung von Regenwald beeinflusst auch die verbleibenden Flächen. "Der Rand der tropischen Regenwälder franszt immer mehr aus", erklärt er. In der Fachwelt werde dieser Trend Fragmentierung genannt. Forscher, die auch von der Universität Leipzig kommen, untersuchen, welchen Einfluss diese Tatsache auf die Funktionalität und die Artenvielfalt der Regenwälder hat. Durch die Verinselung von Wäldern würden Organismen isoliert und somit unter anderem die Samenverbreitung durch Tiere eingeschränkt. "Auf lange Sicht hat das zur Folge, dass viele Arten aussterben, da sie sich nicht mehr regenerieren können oder anfälliger für Schädlinge werden", sagt Sattler. Hinzu kommt, dass die Randbereiche schneller austrocknen und dadurch die Wälder leichter abbrennen. Die Vernichtung des Regenwaldes beginne mit dessen Zerschneidung durch den Menschen. Durch die Abholzung verändere sich auch das lokale Klima, erklärt Wirth. Da weniger Wasser verdunstet, wird es ihm zufolge immer wärmer und trockener - ein sich selbst verstärkender Trend, der viele Organismen aussterben lässt.

Wissenschaftler der Universität Leipzig untersuchen derzeit in mehreren Forschungsprojekten vor Ort den Zustand der Regenwälder. Neben der Fragmentierung des brasilianischen Küstenregenwaldes geht es dabei unter anderem auch um den Einfluss von Stürmen auf die Dynamik von Regenwäldern im Amazonasbecken. Ein weiteres Projekt befasst sich mit der Artenvielfalt auf einer Insel im Panamakanal.

Sandra Hasse

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Christian Wirth
Institut für Biologie, Spezielle Botanik und Funktionelle Biodiversität
Telefon: +49 341 97-38591
E-Mail: cwirth@uni-leipzig.de
Dr. Dietmar Sattler
Telefon: +49 341 97-38609
E-Mail: sattler@uni-leipzig.de

Susann Huster | Universität Leipzig
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Das Immunsystem in Extremsituationen
19.10.2017 | Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

nachricht Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm
19.10.2017 | Universität Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise