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Dabei zeigen Studien den Erfolg therapeutischer Raucherentwöhnungsprogramme: Mit Verhaltenstherapie und Medikamenten lassen sich langfristig Abstinenzquoten von über 30 Prozent erzielen. Doch häufig fallen aufhörwillige Raucher auf unseriöse Angebote wie die E-Zigarette herein, beklagen Suchtexperten im Vorfeld des Deutschen Suchtkongresses 2011. Wie Raucher dauerhaft von der Zigarette loskommen, ist ein Thema der Pressekonferenz am Donnerstag, dem 29. September 2011, im Rahmen des Kongresses in Frankfurt.
75 Prozent der im Internet beworbenen Programme zur Raucherentwöhnung sind nicht seriös oder in ihrer Wirksamkeit wissenschaftlich nicht geprüft. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom Bundesministerium für Gesundheit geförderte Studie. Dazu gehören Akupunktur oder Hypnose, aber auch die rauchfreie elektronische Zigarette. „Wir gehen davon aus, dass 60 Prozent der Raucher tabakabhängig sind“, sagt Professor Dr. med. Anil Batra aus Tübingen. „Entwöhnungswilligen Rauchern muss daher dringend mit wissenschaftlich fundierten Methoden geholfen werden“, fordert der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht). Wirksame Programme konnten bei bis zu 40 Prozent der Teilnehmer Abstinenz erreichen.
Spezielle Verhaltenstherapien, ob in Einzelberatung oder in sogenannten Raucherentwöhnungsgruppen, weisen die höchste Wirksamkeit auf. „Wichtigstes Ziel dabei ist, den Betroffenen in seiner Motivation des Aufhörens zu fördern, die Vorteile zu benennen, auf etwaige Ängste wie Gewichtszunahme einzugehen und ihn bei einer Verhaltensänderung zu unterstützen“, so Batra, der an der Universitätsklinik in Tübingen den „Arbeitskreis Raucherentwöhnung“ leitet und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Aktionskreises Tabakentwöhnung (WAT) e. V. ist. Treten durch den Nikotinentzug anfänglich auch körperliche Symptome auf, hilft eine Nikotinersatztherapie: Nikotinpflaster, -kaugummi oder -tabletten verringern in den ersten acht bis zwölf Wochen nach dem „Ausstieg“ das Verlangen nach der Zigarette und verhindern Rückfälle. Nebenwirkungen dieser Nikotingabe gäbe es laut Batra kaum. Ihre Wirkung insbesondere zusammen mit einer Verhaltenstherapie sei dagegen mehrfach belegt.
Noch höhere Abstinenzraten als die Nikotinersatztherapie erreichen die zwei rezeptpflichtigen Wirkstoffe Bupropion und Vareniclin. „Allerdings sind damit größere Nebenwirkungen und Risiken verbunden“, berichtet der Suchtexperte. „Wir empfehlen daher Ärzten, die Medikamente eher zurückhaltend zu verschreiben und genau zu prüfen, für welche Raucher sie infrage kommen“, so Batra.
Dass eine Tabakentwöhnung gesundheitlichen Schaden abwendet, zeigen Untersuchungen: Rauchen ist als wesentlicher Faktor verantwortlich für den vorzeitigen Tod von jährlich bis zu 140 000 Menschen in Deutschland. „Raucher verlieren durchschnittlich zehn Lebensjahre“, betont Professor Batra. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO gehört Rauchen zu den wichtigsten Krankheitsverursachern. „Tabakkonsum ist die wichtigste vermeidbare gesundheitliche Gefährdung. Die Krankenkassen sollten deshalb Interesse an der Entwöhnung haben und sie finanzieren“, sagt Suchtexperte Batra im Vorfeld des Deutschen Suchtkongresses 2011. Die Krankenkassen fördern derzeit die Tabakentwöhnung jedoch nur in Präventionsprogrammen. Über die Wirksamkeit der verschiedenen Tabakentwöhnungen informiert der Experte auf einer Pressekonferenz am 29. September 2011 in Frankfurt / Main.
Quellen:
Batra A. Treatment of tobacco dependance. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(33): 555-564. DOI: 10.3238/arztebl.2011.0555
Singh S, Loke YK, Spangler JG, Furberg CD, Risk of serious adverse cardiovascular events associated with varenicline: a systematic review and meta-analysis. CMAJ. 2011 Sep 6;183(12):1359-66. Epub 2011 Jul 4.
Terminhinweise:
Eröffnung des Deutschen Suchtkongresses 2011
Termin: Mittwoch, 28. September 2011, 14.00 bis 15.00 Uhr
Ort: Audimax, Fachhochschule Frankfurt am Main, Nibelungenplatz1, 60318 Frankfurt am Main
Pressekonferenz anlässlich des Deutschen Suchtkongresses 2011
Termin: Donnerstag, 29. September 2011, 12.15 bis 13.15 Uhr
Ort: Raum 105, Gebäude 4, Fachhochschule Frankfurt am Main, Nibelungenplatz1, 60318 Frankfurt am Main
Die Themen und Referenten:
++Wirksame städtische Drogenhilfe:
Der Frankfurter Weg zwischen Hilfe und Bekämpfung
Professor Dr. phil. Hans-Volker Happel
Kongresspräsident Deutscher Suchtkongress 2011, Frankfurt am Main
und
Professor Dr. rer. pol. Heino Stöver
Kongresspräsident Deutscher Suchtkongress 2011, Fachhochschule
Frankfurt am Main
++Weg von der Zigarette:
Wie gelingt eine nachhaltige Tabakentwöhnung ohne Risiken?
Professor Dr. med. Anil Batra
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie e.V. (DG-Sucht), Tübingen
++Sucht und Familie: Wie können Kinder und Jugendliche lernen, nicht süchtig zu werden?
Professor Dr. rer. nat. Michael Klein
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Suchtpsychologie e.V., Köln
++Internet und Cybersex:
Welches Suchtpotenzial birgt das World Wide Web?
Dr. Gert-Jan Meerkerk
IVO Addiction Research Institute, Rotterdam
Deutscher Suchtkongress 2011
28. September bis 1. Oktober 2011
Gebäude 4, Fachhochschule Frankfurt am Main, Nibelungenplatz1,
60318 Frankfurt am Main
Kongress-Sitzungen zum Thema Rauchen:
Vortrag: Kontrollierter Tabakkonsum: Sinn oder Unsinn (A. Batra)
Donnerstag, 29. September 2011, 10.30 bis 11.00 Uhr, Raum 111
Symposium: Primärprävention - aktuelle Förderungschwerpunkte der Deutschen Krebshilfe
Donnerstag, 29. September 2011, 15.30 bis 17.00 Uhr, Raum 111
Eines der Themen: Wirksamkeit der kogntiven Verhaltenstherapie und der Hypnotherapie in der Tabakentwöhnung - eine randomisierte Studie (A. Batra)
Symposium: Sucht in Gefängnissen
Donnerstag, 29. September 2011, 15.30 bis 17.00 Uhr, Raum 109/110
Symposium: Tabak
Donnerstag, 29. September 2011, 17.15 bis 18.45 Uhr, Raum 111
Vortrag: Die interdisziplinäre S3-Leitlinie "Screening, Diagnostik und Akutbehandlung tabakbezogener Störungen"(A.Batra)
Freitag, 30. September 2011, 9.30 bis 10.00 Uhr, Hörsaal 8
Symposium: Von der Tabakprävention zur Tabakentwöhnung
Freitag, 30. September 2011, 8.30 bis 10.00 Uhr, Raum 111
Symposium der DGNTF e.V.: Tabakentwöhnung in der Arztpraxis
Freitag, 30. September 2011, 15.30 bis 19.30 Uhr, Raum 108
Pressekontakt für Rückfragen:
Christine Schoner, Juliane Pfeiffer
Pressestelle Deutscher Suchtkongress 2011
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-573
Fax: 0711 8931-167
schoner@medizinkommunikation.org
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.deutscher-suchtkongress.de
Weitere Berichte zu: DG-Sucht > Entwöhnungsprogramme > Medikament > Nebenwirkung > Nikotin > Nikotinersatztherapie > Rauchen > Raucher > Raucherentwöhnung > Suchtforschung > Suchtkongress > Suchttherapie > Tabakentwöhnung > Tabakkonsum > Verhaltenstherapie > Zigarette
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