Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Suchtkongress 2011: Weg vom Nikotin durch wirksame Entwöhnungsprogramme

28.09.2011
Mehr als die Hälfte der Raucher möchte den Tabakkonsum aufgeben. Ohne professionelle Hilfe schaffen dies aber dauerhaft lediglich drei bis sechs Prozent.

Dabei zeigen Studien den Erfolg therapeutischer Raucherentwöhnungsprogramme: Mit Verhaltenstherapie und Medikamenten lassen sich langfristig Abstinenzquoten von über 30 Prozent erzielen. Doch häufig fallen aufhörwillige Raucher auf unseriöse Angebote wie die E-Zigarette herein, beklagen Suchtexperten im Vorfeld des Deutschen Suchtkongresses 2011. Wie Raucher dauerhaft von der Zigarette loskommen, ist ein Thema der Pressekonferenz am Donnerstag, dem 29. September 2011, im Rahmen des Kongresses in Frankfurt.

75 Prozent der im Internet beworbenen Programme zur Raucherentwöhnung sind nicht seriös oder in ihrer Wirksamkeit wissenschaftlich nicht geprüft. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom Bundesministerium für Gesundheit geförderte Studie. Dazu gehören Akupunktur oder Hypnose, aber auch die rauchfreie elektronische Zigarette. „Wir gehen davon aus, dass 60 Prozent der Raucher tabakabhängig sind“, sagt Professor Dr. med. Anil Batra aus Tübingen. „Entwöhnungswilligen Rauchern muss daher dringend mit wissenschaftlich fundierten Methoden geholfen werden“, fordert der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht). Wirksame Programme konnten bei bis zu 40 Prozent der Teilnehmer Abstinenz erreichen.

Spezielle Verhaltenstherapien, ob in Einzelberatung oder in sogenannten Raucherentwöhnungsgruppen, weisen die höchste Wirksamkeit auf. „Wichtigstes Ziel dabei ist, den Betroffenen in seiner Motivation des Aufhörens zu fördern, die Vorteile zu benennen, auf etwaige Ängste wie Gewichtszunahme einzugehen und ihn bei einer Verhaltensänderung zu unterstützen“, so Batra, der an der Universitätsklinik in Tübingen den „Arbeitskreis Raucherentwöhnung“ leitet und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Aktionskreises Tabakentwöhnung (WAT) e. V. ist. Treten durch den Nikotinentzug anfänglich auch körperliche Symptome auf, hilft eine Nikotinersatztherapie: Nikotinpflaster, -kaugummi oder -tabletten verringern in den ersten acht bis zwölf Wochen nach dem „Ausstieg“ das Verlangen nach der Zigarette und verhindern Rückfälle. Nebenwirkungen dieser Nikotingabe gäbe es laut Batra kaum. Ihre Wirkung insbesondere zusammen mit einer Verhaltenstherapie sei dagegen mehrfach belegt.

Noch höhere Abstinenzraten als die Nikotinersatztherapie erreichen die zwei rezeptpflichtigen Wirkstoffe Bupropion und Vareniclin. „Allerdings sind damit größere Nebenwirkungen und Risiken verbunden“, berichtet der Suchtexperte. „Wir empfehlen daher Ärzten, die Medikamente eher zurückhaltend zu verschreiben und genau zu prüfen, für welche Raucher sie infrage kommen“, so Batra.

Dass eine Tabakentwöhnung gesundheitlichen Schaden abwendet, zeigen Untersuchungen: Rauchen ist als wesentlicher Faktor verantwortlich für den vorzeitigen Tod von jährlich bis zu 140 000 Menschen in Deutschland. „Raucher verlieren durchschnittlich zehn Lebensjahre“, betont Professor Batra. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO gehört Rauchen zu den wichtigsten Krankheitsverursachern. „Tabakkonsum ist die wichtigste vermeidbare gesundheitliche Gefährdung. Die Krankenkassen sollten deshalb Interesse an der Entwöhnung haben und sie finanzieren“, sagt Suchtexperte Batra im Vorfeld des Deutschen Suchtkongresses 2011. Die Krankenkassen fördern derzeit die Tabakentwöhnung jedoch nur in Präventionsprogrammen. Über die Wirksamkeit der verschiedenen Tabakentwöhnungen informiert der Experte auf einer Pressekonferenz am 29. September 2011 in Frankfurt / Main.

Quellen:
Batra A. Treatment of tobacco dependance. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(33): 555-564. DOI: 10.3238/arztebl.2011.0555

Singh S, Loke YK, Spangler JG, Furberg CD, Risk of serious adverse cardiovascular events associated with varenicline: a systematic review and meta-analysis. CMAJ. 2011 Sep 6;183(12):1359-66. Epub 2011 Jul 4.

Terminhinweise:

Eröffnung des Deutschen Suchtkongresses 2011
Termin: Mittwoch, 28. September 2011, 14.00 bis 15.00 Uhr
Ort: Audimax, Fachhochschule Frankfurt am Main, Nibelungenplatz1, 60318 Frankfurt am Main

Pressekonferenz anlässlich des Deutschen Suchtkongresses 2011

Termin: Donnerstag, 29. September 2011, 12.15 bis 13.15 Uhr
Ort: Raum 105, Gebäude 4, Fachhochschule Frankfurt am Main, Nibelungenplatz1, 60318 Frankfurt am Main

Die Themen und Referenten:

++Wirksame städtische Drogenhilfe:
Der Frankfurter Weg zwischen Hilfe und Bekämpfung
Professor Dr. phil. Hans-Volker Happel
Kongresspräsident Deutscher Suchtkongress 2011, Frankfurt am Main
und
Professor Dr. rer. pol. Heino Stöver
Kongresspräsident Deutscher Suchtkongress 2011, Fachhochschule
Frankfurt am Main
++Weg von der Zigarette:
Wie gelingt eine nachhaltige Tabakentwöhnung ohne Risiken?
Professor Dr. med. Anil Batra
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie e.V. (DG-Sucht), Tübingen
++Sucht und Familie: Wie können Kinder und Jugendliche lernen, nicht süchtig zu werden?
Professor Dr. rer. nat. Michael Klein
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Suchtpsychologie e.V., Köln
++Internet und Cybersex:
Welches Suchtpotenzial birgt das World Wide Web?
Dr. Gert-Jan Meerkerk
IVO Addiction Research Institute, Rotterdam
Deutscher Suchtkongress 2011
28. September bis 1. Oktober 2011
Gebäude 4, Fachhochschule Frankfurt am Main, Nibelungenplatz1,
60318 Frankfurt am Main
Kongress-Sitzungen zum Thema Rauchen:
Vortrag: Kontrollierter Tabakkonsum: Sinn oder Unsinn (A. Batra)
Donnerstag, 29. September 2011, 10.30 bis 11.00 Uhr, Raum 111
Symposium: Primärprävention - aktuelle Förderungschwerpunkte der Deutschen Krebshilfe

Donnerstag, 29. September 2011, 15.30 bis 17.00 Uhr, Raum 111

Eines der Themen: Wirksamkeit der kogntiven Verhaltenstherapie und der Hypnotherapie in der Tabakentwöhnung - eine randomisierte Studie (A. Batra)

Symposium: Sucht in Gefängnissen
Donnerstag, 29. September 2011, 15.30 bis 17.00 Uhr, Raum 109/110
Symposium: Tabak
Donnerstag, 29. September 2011, 17.15 bis 18.45 Uhr, Raum 111
Vortrag: Die interdisziplinäre S3-Leitlinie "Screening, Diagnostik und Akutbehandlung tabakbezogener Störungen"(A.Batra)

Freitag, 30. September 2011, 9.30 bis 10.00 Uhr, Hörsaal 8

Symposium: Von der Tabakprävention zur Tabakentwöhnung
Freitag, 30. September 2011, 8.30 bis 10.00 Uhr, Raum 111
Symposium der DGNTF e.V.: Tabakentwöhnung in der Arztpraxis
Freitag, 30. September 2011, 15.30 bis 19.30 Uhr, Raum 108
Pressekontakt für Rückfragen:
Christine Schoner, Juliane Pfeiffer
Pressestelle Deutscher Suchtkongress 2011
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-573
Fax: 0711 8931-167
schoner@medizinkommunikation.org

| idw
Weitere Informationen:
http://www.deutscher-suchtkongress.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht 11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"
22.09.2017 | BusinessForum21

nachricht Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg
22.09.2017 | DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie