Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Suchtkongress 2011

22.09.2011
Kinder alkoholabhängiger Eltern sind größte Risikogruppe für Suchtstörungen

In Deutschland wachsen etwa 2,65 Millionen Kinder und Jugendliche mit mindestens einem alkoholabhängigen Elternteil auf. Für die meisten dieser Mädchen und Jungen bedeutet diese Lebenssituation eine große psychische und soziale Belastung. Auch deshalb stellen Kinder aus suchtbelasteten Familien die größte Risikogruppe für Suchtstörungen oder psychische Erkrankung dar:

Mehr als ein Drittel entwickeln im Laufe ihres Lebens selbst eine Abhängigkeitserkrankung. Wie spezielle Präventionsprojekte Kindern alkoholbelasteter Familien helfen können, selbst nicht süchtig zu werden, ist Thema auf der Pressekonferenz anlässlich des Deutschen Suchtkongresses in Frankfurt am Main.

Die Gründe der „Vererbung“ von Suchtproblemen innerhalb der Familie sind vielfältig. Vieles davon ist erblich bedingt. So reagieren männliche Jugendliche aus alkoholbelasteten Familien körperlich oft weniger empfindlich auf Alkohol als Jungen aus unauffälligen Familien. Diese verminderte Sensitivität erhöht das Risiko übermäßigen Trinkens und damit auch für die Entwicklung einer Abhängigkeit. Sehr viel dominanter wirkt sich jedoch das Verhalten der Eltern infolge ihres Alkoholmissbrauchs aus: Stressvolle Ereignisse innerhalb der Familie – Streit, Gewalt, Desorganisation oder geringe familiäre Stabilität und Berechenbarkeit – beeinträchtigen die psychische Gesundheit der Kinder. Während einige wenige durch das negative Vorbild der Eltern abgeschreckt werden, führt die familiäre Erfahrung bei anderen Heranwachsenden oft dazu, dass sie später selbst zu Drogen greifen.

Häufig „übernehmen“ Jugendliche das Trinken ihrer Eltern auch als einen Akt der Problembewältigung.

„Obgleich diese Zusammenhänge bekannt sind, gibt es noch immer wenige in ihrer Wirksamkeit überprüfte Präventionsprogramme, die eine größere Anzahl von Kindern erreichen“, sagt Professor Dr. rer. nat. Michael Klein, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Suchtpsychologie aus Köln. „Wenn Eltern beispielsweise an einer Suchttherapie teilnehmen, erhalten deren Kinder nur in etwa zehn Prozent der Fälle ebenfalls Hilfe.“ Zudem erhöhe sich das Risiko einer Alkoholsucht auch durch den niedrigen Preis alkoholischer Getränke und dadurch, dass Jugendliche in Deutschland bereits im jungen Alter von 16 Jahren Alkohol kaufen könnten, so der Suchtexperte.

Professor Klein hat deshalb zusammen mit Kollegen im Jahr 2008 das Präventionsprogramm und Forschungsprojekt „Trampolin“ entwickelt. In bundesweit 25 Einrichtungen der Sucht-, Jugend- und Familienhilfe finden dabei wöchentlich Gruppentreffen für Kinder im Alter zwischen acht und zwölf Jahren statt, deren Eltern mit einer Alkoholabhängigkeit zu kämpfen haben. Die Jungen und Mädchen lernen dort unter anderem, wie Alkohol und Drogen wirken, was eine Sucht ist und wie sie entsteht. Außerdem sprechen sie in der Gruppe über die Situation in der eigenen Familie. „In Fantasiereisen und Rollenspielen erlernen die Kinder außerdem Stressbewältigungsstrategien, um mit der Sucht des Vaters oder der Mutter im Alltag besser umgehen zu können“, so Klein im Vorfeld des Suchtkongresses. Hierzu gehört auch der konstruktive Umgang mit den eigenen Gefühlen. Denn Betroffene, die negative Emotionen in kreative oder sportliche Aktivität kanalisieren, seien resistenter gegenüber belastenden Einflüsse von außen.

Die Treffen werden von ausgebildeten Gruppenleitern geführt und finden wöchentlich über einen Zeitraum von neun bis zehn Wochen statt. Auch für die Eltern gibt es Angebote. Darin sollen sie Gespür und Verständnis für die Bedürfnisse ihrer Kinder und die Auswirkungen der Sucht auf diese erlernen, gleichzeitig aber auch mehr Vertrauen in ihre Fähigkeiten als Eltern gewinnen.

Das Projekt „Trampolin“ wird vom Deutschen Institut für Sucht- und Präventionsforschung, Köln, und dem Deutschen Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters, Hamburg, wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Erste Ergebnisse zur Wirksamkeit des Projekts wird Professor Michael Klein auf der Pressekonferenz anlässlich des diesjährigen Deutschen Suchtkongresses am 29. September 2011 vorstellen.

Terminhinweise:

Pressekonferenz anlässlich des Deutschen Suchtkongresses 2011

Termin: Donnerstag, 29. September 2011, 12.15 bis 13.15 Uhr
Ort: Raum 105, Gebäude 4, Fachhochschule Frankfurt am Main, Nibelungenplatz 1, 60318 Frankfurt am Main

Die Themen und Referenten sind:

++Wirksame städtische Drogenhilfe:
Der Frankfurter Weg zwischen Hilfe und Bekämpfung
Professor Dr. phil. Hans-Volker Happel
Kongresspräsident Deutscher Suchtkongress 2011, Frankfurt am Main
und
Professor Dr. rer. pol. Heino Stöver
Kongresspräsident Deutscher Suchtkongress 2011, Frankfurt am Main
++Weg von der Zigarette:
Wie gelingt eine nachhaltige Tabakentwöhnung ohne Risiken?
Professor Dr. med. Anil Batra
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie e.V. (DG-Sucht), Tübingen
++Sucht und Familie: Wie können Kinder und Jugendliche lernen, nicht süchtig zu werden?
Professor Dr. rer. nat. Michael Klein
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Suchtpsychologie e.V., Köln
++Internet und Cybersex:
Welches Suchtpotenzial birgt das World Wide Web?
Dr. Gert-Jan Meerkerk
Addiction Research Institute, Rotterdam
Kongress-Sitzungen zum Thema:
++Symposium: Suchtprävention im Setting Familie
Donnerstag, 29.9.2011, 17.15 bis 18.45 Uhr, Raum 112, Fachhochschule FFM
++Symposium: Sucht und Familie
Freitag, 30.9.2011, 10.30 bis 12.00 Uhr, Raum 112, Fachhochschule FFM
++Symposium: Familienbezogene Interventionen
Freitag, 30.9.2011, 15.30 bis 17 Uhr
Raum 112, Fachhochschule FFM
Eines der Themen:
Projekt Trampolin – ein modulares Präventionskonzept für Kinder aus suchtbelasteten Familien: Ergebnisse einer multizentrischen Evaluationsstudie
++Symposium: Das "Frankfurter Modell" Städtische Drogenpolitik und Drogenhilfe - Hilfesteuerung und Vernetzung der niedrigschwelligen Krisenhilfe

Donnerstag, 29.9.2011, 10.30 bis 12.00 Uhr, Raum 112, Fachhochschule FFM

Pressekontakt für Rückfragen:
Christine Schoner, Juliane Pfeiffer
Pressestelle Deutscher Suchtkongress 2011
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-573
Fax: 0711 8931-167
schoner@medizinkommunikation.org
pfeiffer@medizinkommunikation.org

| idw
Weitere Informationen:
http://www.deutscher-suchtkongress.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru
28.04.2017 | InfectoGnostics - Forschungscampus Jena e.V.

nachricht 123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen
27.04.2017 | Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die Kieler Förde – ein Trainingsbecken für Miesmuscheln

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mikroskop im Kugelschreiberformat: Auf dem Weg zur endoskopischen Krebsdiagnose

28.04.2017 | Medizintechnik

Leipziger Forscher kreieren borhaltiges künstliches Vitamin

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie