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Steigender Meeresspiegel stellt reale Gefahr dar

13.03.2009
Wenn die Emissionen an Treibhausgasen nicht endlich eingeschränkt werden, wird der Meeresspiegel bis zum Beginn des nächsten Jahrhunderts wahrscheinlich um einen Meter oder sogar noch mehr ansteigen.

Die auf dem Internationalen Wissenschaftlichen Kongress zum Klimawandel in Kopenhagen, Dänemark, verkündete düstere Prognose geht von deutlich höheren Meeresspiegeln als die erst vor zwei Jahren von Experten bekannt gegebene Vorhersage aus. Könnte dies endlich das Alarmsignal sein, dass eine weltweite Einsicht in die Notwendigkeit drastischer Veränderungen einläutet?

2007 noch sagte der vierte Sachstandsbericht der zwischenstaatlichen Sachverständigengruppe für Klimaänderungen (IPCC), kurz Weltklimarat, einen zwischen 18 und 59 Zentimetern liegenden Anstieg des Meeresspiegels voraus. In dem Bericht wurde jedoch bereits damals davor gewarnt, dass die Berechnungen vorgenommen wurden, ohne dass ein vollständiges Bild der Auswirkungen bestimmter Kräfte auf das grönländische Eisschild oder die Eismassen der Antarktis vorgelegen hätte.

"Die Zahlen des letzten IPCC-Berichts sind niedriger angesetzt, da sie zu einer Zeit ermittelt wurden, als es viel Unsicherheit über die Eismassen gab", erklärte Professor Eric Rignot von der Universität Kalifornien, Irvine, in den USA. "Die seinerzeit verwendeten numerischen Modelle verfügten über keine komplette Darstellung des Abschmelzens von Gletschern und deren Wechselwirkungen mit den Ozeanen. Die in den letzten zwei bis drei Jahren gewonnenen Erkenntnisse lassen es nicht zu, diese grundlegenden Aspekte außer Acht zu lassen. Als Folge der Beschleunigung der Gletscherschmelze in großen Gebieten tragen die Eismassen in Grönland und der Antarktis bereits mehr und schneller zum Meeresspiegelanstieg bei, als das jemals vorhergesehen wurde. Wenn dieser Trend anhält, wird die Menschheit um das Jahr 2100 Zeuge eines Anstiegs der Meeresspiegel um einen Meter oder mehr werden", sagte Professor Rignot.

Professor Stefan Rahmstorf vom deutschen Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) erläuterte, dass der Anstieg des Meeresspiegels im Zusammenhang mit der Temperatur stehe und "schneller wird, je heißer es dem Planeten ist." Ein kürzlich von PIK-Forschern veröffentlichter Artikel zeigte deutlich, dass die Grenze zum gefährlichen Klimawandel bereits viel eher überschritten werden könnte, als Experten das bislang annahmen.

Weltweit durchgeführte Messungen lassen erkennen, dass der Meeresspiegel in den letzten 130 Jahren, seit 1880, um 20 Zentimeter angestiegen ist. Die neuen Berechnungen weisen auf einen fünfmal so starken zukünftigen Anstieg in weniger als 100 Jahren hin. Dr. John Church vom Centre for Australian Weather and Climate Research äußerte dazu, dass die meisten aktuellen satelliten- und bodengestützten Beobachtungen anzeigen, dass der Meeresspiegel seit 1993 jedes Jahr um 3 mm (oder mehr) angestiegen sei. Wie Dr. Church und sein Team feststellten, werde es selbst bei einem Gesamtanstieg von lediglich 50 Zentimetern eine deutliche Zunahme der Überflutung von Küstenbereichen geben. "Unsere sich auf Australien konzentrierende Studie ergab, dass die Überflutungen der Küstengebiete, wie wir sie heutzutage nur alle einhundert Jahre erwarten, sich schon um 2100 mehrmals jährlich ereignen werden", so Dr. Church, wobei er hervorhob, dass sogar die zurückhaltendsten Prognosen sehr schwerwiegende Folgen aufzeigen. Eine 2007 im Fachmagazin "Environment and Urbanization" erschienene Studie zeigte, dass weltweit 600 Millionen Menschen, d.h. 10% der Weltbevölkerung, in überflutungsgefährdeten Gebieten leben. "Wenn wir nicht sofortige und bedeutende Abschwächungsmaßnahmen in die Wege leiten", zeigte sich Dr. Church überzeugt, "könnte das Klima noch während des 21sten Jahrhunderts eine kritische Schwelle überschreiten, was die Welt mit einem meterweiten Anstieg des Meeresspiegels konfrontieren könnte."

Gastgeber des Internationalen Wissenschaftlichen Kongresses zum Klimawandel ist die International Alliance of Research Universities (IARU). Die IARU umfasst die australische Nationaluniversität, die ETH Zürich (Eidgenössische Technische Hochschule), die Nationaluniversität Singapur, die Universität Peking, die Universität Kalifornien, Berkeley, die Universität Cambridge, die Universität Kopenhagen, die Universität Oxford, die Universität Tokio und die Yale Universität.

Die Ergebnisse des Kongresses werden im Juni 2009 in einem Synthesebericht veröffentlicht.

Weitere Informationen finden Sie bei:
Universität Kopenhagen: www.ku.dk/english/
International Alliance of Research Universities: www.iaruni.org
Zwischenstaatliche Sachverständigengruppe für Klimaänderungen: www.ipcc.ch
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: www.pik-potsdam.de
Environment and Urbanization: eau.sagepub.com

| CORDIS News
Weitere Informationen:
http://www.kooperation-international.de
http://cordis.europa.eu/fetch?CALLER=DE_NEWS&ACTION=D&SESSION=&RCN=30561

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