Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Warum wir sprechen, wie wir sprechen

30.08.2012
Zur Tagung „Sprachentwicklungen und kulturelle Differenzierungen“ an der Universität Mannheim sind vom 5. bis 8. September Wissenschaftler aus elf Ländern zu Gast, um zu diskutieren, wie sich Sprache in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen entwickelt – darunter Politik, Printmedien, Internet und Sprachunterricht.

Wie sich gesellschaftliche und individuelle Sprachentwicklungen abspielen und wie sie in unterschiedlichen Kulturen verlaufen, ist Thema der Tagung, bei der sich über 50 Sprachwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler internationaler Partnerinstitutionen im Mannheimer Schloss treffen.

Sie reisen unter anderem aus Russland, Slowenien, der Türkei, Armenien, Bosnien und Herzegowina, Kolumbien und weiteren Ländern an – auf Einladung von Professor Dr. Beate Henn-Memmesheimer vom Lehrstuhl für Germanistische Linguistik der Universität Mannheim. Gefördert wird die Tagung durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), der einige dieser Partnerschaften zum Teil seit Jahren unterstützt. Weitere Geldgeber sind die Deutsche Forschungsgesellschaft (DFG), die Heinrich-Vetter-Stiftung sowie das LLP Erasmus Placement Programme der Europäischen Union.

„Die Vorträge präsentieren eine Vielfalt an Forschungsansätzen und -ergebnissen. Sie zeigen Einblicke in die unterschiedlichsten Gebiete der Sprachentwicklung“, sagt Professor Dr. Beate Henn-Memmesheimer. Im Vortrag der slowenischen Sprachwissenschaftlerin Janja Polajnar geht es zum Beispiel um den L’Oréal-Slogan „Weil ich es mir wert bin“ und das Aufgreifen des Slogans außerhalb der Werbung in verschiedenen europäischen Sprachen. Die Mannheimer Germanistin und Doktorandin Eva Gredel setzt sich in ihrem Vortrag „Von Kohls Mädchen zur Königin der Macht“ mit sprachlich konstruierten Geschlechterrollen in politischen Diskursen am Beispiel von Bezeichnungen für Angela Merkel auseinander.
Wie entwickelt sich Sprache und welche Rolle spielen dabei Kultur und Gesellschaft?

„Es zeigt sich, dass sich über Sprache kulturelle Differenzierungen inszenieren lassen und dass sich Sprecher über ihre Sprache sozial oder ethnisch abgrenzen“, so Prof. Dr. Beate Henn-Memmesheimer. Ein Beispiel hierfür sei die Jugendsprache: Jugendliche würden sich durch ihre Wortwahl von der Erwachsenenwelt distanzieren und so eine eigene Sphäre entwickeln, in der sie sich untereinander verstehen. Typische Jugend-Ausdrücke könnten im Laufe der Zeit aber auch in den normalen Sprachgebrauch übernommen werden, wie es zum Beispiel mit dem Wort „dissen“ passiert ist.
Auch in der virtuellen Welt entwickelt sich Sprache in unvorhergesehene Richtungen. „Sprache gewinnt als Form der Selbstdarstellung gerade im Netz immer mehr an Bedeutung“, erklärt die Mannheimer Linguistin. „Welche Sprache gilt als sozial erwünscht? Wie möchte ich ‚rüberkommen‘? Über Sprache können wir Ansprüche auf eine bestimmte soziale Rolle in der Gesellschaft geltend machen – auch im Internet“. Sei es vor einigen Jahren zum Beispiel noch üblich gewesen, in Chats und E-Mails stark verkürzte Ausdrücke zu verwenden und Wörter nicht auszuschreiben, achteten die Internet-User heute wieder auf korrekte Grammatik und Zeichensetzung. Auch hier zeige sich eine Form der Sprachentwicklung, mit der sich die Linguisten im Rahmen der Tagung näher beschäftigen werden.

Ausgewählte Vorträge:

Konzeption eines sprachbiografischen Projekts: deutsche Frauen in Istanbul (Yasemin Balci, Istanbul)

Die Entwicklung sprachlicher Märkte im Internet. Zur Bedeutung von Schriftlichkeit in digitalen Lebenswelten (Monika Braun, Mannheim)

Entwicklung und Konturierung von Kommunikationsstilen in Migrantenmilieus (Ibrahim Cindark, IDS Mannheim)

Sprache als Wiederspiegelung der sozialen und kulturellen Veränderungen – zur Entwicklung des Wortes Innovation (Tatjana Demeschkina und Tatjana Mamina, Tomsk)

Change Typology of Toponyms (Valéria Tóth, Debrecen)

Entwicklung in der Literaturästhetik und Kulturtheorie seit 1800. Metaphorologische Betrachtungen (Vahidin Preljevic, Sarajevo)

Kommunikation russischsprachiger Jugendlicher am Arbeitsplatz. Zur Entwicklung kommunikativer Strategien und transkultureller Kompetenz (Nikolina Pusticki, Mannheim)

Zur Mehrdeutigkeit von Sprache und Bild in der Werbung (Tanja Škerlavaj, Ljubljana)

Kontakt:

Prof. Dr. Beate Henn-Memmesheimer
Seminar für deutsche Philologie
Universität Mannheim
Tel.: 0621 / 181-2307 oder -2327 (Sekretariat)
Email: henn@phil.uni-mannheim.de

Katja Bär | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-mannheim.de
http://germanistik.uni-mannheim.de/sprachentwicklungen2012/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht 6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau
22.02.2017 | Technische Hochschule Wildau

nachricht Wunderwelt der Mikroben
22.02.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungen

Wunderwelt der Mikroben

22.02.2017 | Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Möglicher Zell-Therapieansatz gegen Zytomegalie

22.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt

22.02.2017 | Medizin Gesundheit

Meeresforschung in Echtzeit verfolgen

22.02.2017 | Geowissenschaften