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Soziologiekongress thematisiert „Transnationale Vergesellschaftungen“

23.08.2010
Frankfurter Jubiläumskongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie vom 11. bis 15. Oktober 2010 mit den Gastländern USA und Frankreich

War für den Soziologen Max Weber vor rund einem Jahrhundert noch der industrielle Kapitalismus jene – wie er es nannte – „Schicksalsmacht“, die einen bestimmenden Einfluss auf die moderne Welt ausübt, so dürften es heute die aus dem Ruder gelaufenen Finanzmärkte sein, die diesen zweifelhaften Ruf genießen.

Die Finanzkrise hat zugleich verdeutlicht: Wir leben mittlerweile in einer Welt, in der die Nationalstaaten und ihre Volkswirtschaften als zentrale Akteure an Bedeutung verloren haben. Viele Entwicklungen verlaufen nicht mehr innerhalb eines Staates oder international zwischen den Regierungen, sondern grenzüberschreitend, länderübergreifend und damit transnational.

Die Frage, welche Auswirkungen diese Verflechtungen auf Staaten, Regionen und die einzelnen Menschen haben, steht im Mittelpunkt des 35. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) mit dem Rahmenthema „Transnationale Vergesellschaftungen“ vom 11. bis 15. Oktober 2010 an der Goethe-Universität. Der erste deutsche Soziologiekongress hatte vor 100 Jahren ebenfalls in Frankfurt stattgefunden.

Zu den rund 600 Vorträgen und Workshops der Jubiläumstagung werden mehr als 2000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet. Peter L. Berger, US-amerikanischer Soziologe österreichischer Abstammung aus Berkeley, wird während der Eröffnung am 11. Oktober in der Paulskirche den Festvortrag über „Religion as a Transnational Force“ halten und am 15. Oktober gemeinsam mit Thomas Luckmann (Konstanz) und Hansfried Kellner (München) an der Schlussveranstaltung teilnehmen. Zu den international renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Kongresses zählen auch Michael Burawoy (Berkeley), Craig Calhoun (New York), Arlie Russell Hochschild (Berkeley), Axel Honneth (Frankfurt), Jean-Claude Kaufmann (Paris), M. Rainer Lepsius (Heidelberg), Ulrich Oevermann (Frankfurt), Rhacel Salazar Parrenas (Brown University, Providence, R.I.), George Steinmetz (Ann Arbor, Michigan) und Loïc Wacquant (Berkeley). Außerdem wird Luc Boltanski (Paris) sein neuestes Buch „Soziologie und Sozialkritik“ zur Diskussion stellen.

Die heutige „Weltgesellschaft“ beruht – so die soziologische Analyse - auf verschiedenen transnationalen Ordnungen wie einer globalisierten Wirtschaft, Technik und Wissenschaft sowie einer globalen Öffentlichkeit und einer sich in Umrissen abzeichnenden globalen Zivilgesellschaft. Mit Bezug auf das Tagungsmotto „Transnationale Vergesellschaftungen“ werden in Frankfurt folgende Schwerpunkte diskutiert: Soziale Ungleichheit im Spannungsfeld von Nationalstaatlichkeit und Transnationalität, globale ökonomische Vernetzungen und ihre regionalen und nationalstaatlichen Auswirkungen, staatenübergreifende normative Ordnungen, transnationale Neuformierungen der Geschlechterverhältnisse sowie neue Identitätsbildungen in transnationalen Vergesellschaftungen. Mit einem transnationalen Aspekt der besonderen Art befasst sich das Forum „Im Westen angekommen – Zwanzig Jahre Deutsche Einheit“. Auf dem Programm steht die Frage, ob sich lediglich die ostdeutsche an die westdeutsche Lebensweise angeglichen hat oder ob es hierbei auch gegenläufige Entwicklungen gibt.

Die Tatsache, dass die 1909 gegründete DGS vor 100 Jahren ihren ersten Kongress in Frankfurt ausrichtete, nimmt die aktuelle Veranstaltung zum Anlass für eine Reflexion der Entwicklung des Faches unter besonderer Berücksichtigung des Standortes Frankfurt, wo die Tagung nun zum fünften Mal stattfindet. Zu den nationalen Traditionen, welche die Soziologie maßgeblich mitgeprägt haben, gehören insbesondere die französische und US-amerikanische Soziologie. „Wir haben Frankreich und die USA deshalb bewusst als Gastländer dieses Jubiläumskongresses ausgewählt“, sagt der Frankfurter Soziologie-Professor Klaus Lichtblau vom Organisationsteam. Ein transnationaler Brückenschlag zwischen der deutschsprachigen und der amerikanischen Soziologie entstand nicht zuletzt durch die sozialwissenschaftliche Migration und Remigration im Gefolge der nationalsozialistischen Machtergreifung und des Zweiten Weltkrieges. Auch Frankreich hat in dieser Hinsicht eine zentrale Rolle gespielt.

Kongressorganisation: Büro des Soziologiekongresses 2010, Tel: (069) 798-25341, Fax: (069) 798-25340, info@dgs2010.de

Pressekontakt: Bernd Frye und Stefanie Mielast, Tel: (069) 798-25342, Fax: (069) 798-25340, mielast@soz.uni-frankfurt.de

Akkreditierung unter: http://www.dgs2010.de/presse/presseakkreditierung

Pressekonferenz: Die Eröffnungspressekonferenz findet am Montag, 11.10.2010, von 14.00 bis 15.00 Uhr statt. Ort: Campus Westend der Goethe-Universität, Raum IG 1.314 (Eisenhower-Raum), Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main. Eine gesonderte Einladung folgt.

Bernd Frye | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgs2010.de
http://www.dgs2010.de/presse/presseakkreditierung

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