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Sicherheit oder Risiken? Wie Lebensmittelchemiker diese Frage angehen

24.03.2009
Zu ihrer "Gemeinsamen Arbeitstagung 2009" finden sich die Regionalverbände Nord, Nord-Ost und Süd-Ost der Lebensmittelchemischen Gesellschaft am 2. und 3. April am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin-Marienfelde zusammen.

Die Diskussion über die Sicherheit von Lebensmitteln nimmt einen breiten Raum bei dieser Tagung ein. Stichworte sind Dioxine in Futtermitteln, Zusatzstoffe, Selen, perfluorierte Tenside oder Phthalate.

"Doch", so Dr. Sascha Rohn, TU Berlin und Vorsitzender des Regionalverbands Nord-Ost, "unsere Stärke ist die hohe Themenvielfalt und Interdisziplinarität. Es ist keine "toxikologische" Tagung, eher ein kleiner Lebensmittelchemikertag."

In Futtermittel können Dioxine und dioxinähnliche Verbindungen über verschmutzte Luft, über kontaminierte Böden und manchmal auch durch unsachgemäße Verarbeitung gelangen. Somit können auch tierische Lebensmittel - Fleisch, Milch oder Eier - mit Dioxinen belastet sein, wie das im Dezember 2008 bei Schweinefleisch aus Irland der Fall war. Danach entbrannte erneut eine Diskussion um Richtwerte und ggfs. festzulegende Höchstgrenzen. Auf der Berliner Tagung wird das Risikomanagement im Falle von dioxinbelasteten Futtermitteln ein wichtiger Punkt sein.

Für Lebensmittelzusatzstoffe, Enzyme und Aromen gilt ein neues EG-Recht; denn im November 2008 hat der Europäische Rat das Legislativpaket sowie ein einheitliches Zulassungsverfahren für diese drei Stoffkategorien erlassen, das Food Improvement Agents Package (FIAP). Wie die neuen Regelungen mit neuen wissenschaftlichen und technologischen Entwicklungen in Einklang gebracht wurden, wird auf der Tagung vorgestellt.

Selen gilt als ein lebensnotweniges Spurenelement. Ein Selenmangel kann zu ernsthaften gesundheitlichen Störungen führen. Aber ist Selen wirklich maßlos gut? Auch diese Frage wird in Berlin diskutiert.

Perfluorierte Tenside benötigt man u.a. zur Verarbeitung von Bedarfsgegenständen, für die Herstellung von Fluorpolymeren, bei der Papierveredlung, in Feuerlösch- und Reinigungsmitteln. Sie sind sehr stabil und können analytisch gut nachgewiesen werden, u.a. in Lebensmitteln. Hohe Konzentrationen fand man in letzter Zeit in Fischen, vor allem aus abwasserbelasteten Binnengewässern. Hier gilt es, die Risikobewertung zu einem Abschluss zu bringen.

Ein weiteres Reizwort für Verbraucherschützer heißt Phthalate. Diese Weichmacher für Kunststoffe und Hilfsstoffe für viele andere Anwendungen gerieten immer wieder in die Schlagzeilen, sei es, weil sie in zu hohen Konzentrationen über Beißringe von Babys aufgenommen wurden oder weil sie auch als Trägersubstanzen für Duftstoffe in Kosmetika Verwendung fanden. In diesen Produkten wurden sie wegen ihrer Gesundheitsgefährdung verboten, aber in PVC-Produkten von Bodenbelägen bis zu Schuhsohlen werden sie weiterhin eingesetzt. Auf der Berliner Tagung wird eine neue Analysenmethode vorgestellt, mit der die Belastung von Hausstaub mit Phthalaten ermittelt werden kann.

Der Verbraucherschutz liegt der Lebensmittelchemischen Gesellschaft sehr am Herzen. Durch chemische Analysen tragen Lebensmittelchemiker - auch am BfR - dazu bei, Klarheit und Fakten darüber zu schaffen, welche unerwünschten Stoffe in so manchen Lebensmitteln und Bedarfsgegenständen enthalten sind. Die Analytik ist extrem ausgeklügelt und dennoch verlässlich, weil sie nämlich bei Tagungen wie dieser in Berlin in wissenschaftlichen Diskussionen hinterfragt wird.

Die Tagungen der Regionalverbände der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, der größten Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), sollen Lebensmittelchemiker auf den neuesten Stand des Wissens bringen und den Gedankenaustausch fördern. Die GDCh gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 26 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Lebensmittelchemische Gesellschaft mit fast 2.700 Mitgliedern. Diese veranstaltet alljährlich den Deutschen Lebensmittelchemikertag - in diesem Jahr im September ebenfalls in Berlin.

Dr. Renate Hoer | idw
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de

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