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Sichere Lebensmittel: Tagung zu mikrobiologischen Richt- und Warnwerten an der Hochschule OWL

19.09.2013
Ob Dioxin im Ei, Pestizide auf dem Gemüse oder Pferdefleisch in der Lasagne: Mehrere Lebensmittelskandale haben in den letzten Jahren Verbraucherinnen und Verbraucher verunsichert.

Die Richt- und Warnwerte der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) stellen eine anerkannte Größe zur Beurteilung von mikrobiologischen Befunden im Lebensmittelbereich dar.

In einer Tagung an der Hochschule OWL kamen letzte Woche die einzelnen Interessensgruppen der Lebensmittelbranche – Industrie, Handel, amtliche und private Untersuchungsstellen, Juristen und Sachverständige – zusammen, um das Thema „Mikrobiologische Richt- und Warnwerte“ aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten.

Mehr als 180 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzten die Möglichkeit, sich über die Arbeitsweise der Arbeitsgruppe „Mikrobiologische Richt- und Warnwerte der DGHM“ und deren Bedeutung für ihre Arbeit zu informieren. Zu dieser Veranstaltung eingeladen hatten Professorin Barbara Becker, die neben Ihrer Tätigkeit als Dekanin und Professorin im Fachbereich Life Science Technologies (Fachgebiet Mikrobiologie) an der Hochschule Ostwestfalen Lippe seit mehr als fünf Jahren Vorsitzende der DGHM Arbeitsgruppe „Mikrobiologische Richt- und Warnwerte“ zur Beurteilung von Lebensmitteln ist, sowie Honorarprofessor Gerd Weyland, Fachanwalt für Lebensmittelrecht bei der Rechtsanwaltskanzlei Krell, Weyland, Grube.

Obwohl es einige rechtsverbindliche Anforderungen der Europäischen Union und der Bundesrepublik Deutschland im Hinblick auf die hygienisch-mikrobiologische Beschaffenheit von bestimmten Lebensmitteln gibt, existieren für eine Vielzahl an Nahrungsmitteln keinerlei Vorgaben, so dass es sowohl für die amtliche Lebensmittelüberwachung als auch für Lebensmittelhersteller und dem Lebensmittelhandel an Anhaltspunkten für die Beurteilung mikrobiologischer Befunde fehlt. „Es fehlt vielfach die Bezugsgröße:

Was ist denn überhaupt ein zu hoher Wert? Welche Befunde sind unbedenklich?“, erklärt Professorin Becker. Die Fachgruppe „Lebensmittelmikrobiologie und -hygiene der DGHM“ veröffentlicht deshalb für verschiedene Lebensmittelgruppen mikrobiologische Richt- und Warnwerte zur Beurteilung von Lebensmitteln. Sie sollen als objektivierte Grundlage zur Beurteilung des mikrobiologisch hygienischen Status eines Lebensmittels oder einer Lebensmittelgruppe zu verstehen sein und gelten als Empfehlungen für Angebotsformen mit der Zielgruppe Endverbraucher, also für im Verkehr befindliche Lebensmittel. Die rechtlich nicht bindenden Werte sind somit ein Instrument des gesundheitlichen Verbraucherschutzes. In den letzten 25 Jahren wurden mehr als 40 Richt- und Warnwerte für unterschiedlichste Lebensmittel, wie beispielsweise geschnittene Mischsalate, Süßwasserfisch oder gewürztes und ungewürztes Geflügelfleisch, veröffentlicht.

Die Richt- und Warnwerte der DGHM haben vor allem in den letzten Jahren nicht nur in Deutschland, sondern aufgrund des globalen Lebensmittelhandels zunehmend auch in Europa und weltweit an Bedeutung gewonnen. „Noch arbeiten wir primär auf nationaler Ebene, die Werte sollen jedoch in absehbarer Zeit auch in englischer Sprache veröffentlicht werden“, sagt Professorin Becker. „Damit wollen wir den sich häufenden Fragen aus dem Ausland Rechnung tragen.“

Bei der Tagung in der Lipperlandhalle gewährten die Referentinnen und Referenten einen Blick auf das Thema der mikrobiologischen Richt- und Warnwerte aus unterschiedlichsten Perspektiven: Es wurden die Blickwinkel der Wissenschaft, der Lebensmittelsachverständigen und der Lebensmittelüberwachung, aber auch die der Lebensmittelhersteller, des Lebensmittelhandels, der Labordienstleister und der Rechtsprechung berücksichtigt. „Ich freue mich, dass gleich bei der ersten Veranstaltung dieser Art so viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach Lemgo gekommen sind. Das zeigt uns, wie wichtig und aktuell das Thema Lebensmittelsicherheit ist und wie anerkannt der Beitrag der DGHM in diesem Bereich ist“, so Professorin Barbara Becker.

Mikrobiologie an der Hochschule OWL
Im studiengangsunabhängigen Fachgebiet Mikrobiologie im Fachbereich Life Science Technologies stehen Bakterien, Hefen, Schimmelpilze und lebensmittelübertragbare Viren im Fokus der Ausbildung. Neben den mikrobiologischen Grundlagen umfassen die Lehrinhalte auch den Nachweis und die Identifizierung von pathogenen und verderbserregenden Mikroorganismen. Das Fachgebiet ist auch im ILT.NRW vertreten, Nordrhein-Westfalens erstes Forschungsinstitut im Lebensmittelbereich. Lebensmittel, Lebensmittelsicherheit und Lebensmittelqualität mit ihren vielfältigen Fragenstellungen stehen im Zentrum der Lehr- und Forschungsaktivitäten von Professorin Barbara Becker, die das Lehrgebiet Mikrobiologie im Fachbereich seit 2010 vertritt, Gründungsmitglied des ILT.NRW und seit 2012 Dekanin des Fachbereichs Life Science Technologies ist.
Über die Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM)
Die Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) wurde 1906 gegründet und ist eine der ältesten Fachgesellschaften, die sich mit Erkennung, Behandlung und Prävention von Infektionskrankheiten beschäftigt. Die Fachgruppe „Lebensmittelmikrobiologie und -hygiene“, zu der die Arbeitsgruppe „Mikrobiologische Richt- und Warnwerte“ zählt, beschäftigt sich mit lebensmittelassoziierten und gesundheitsrelevanten Mikroorganismen, wie beispielsweise Produktions- und Fermentationsorganismen, Verderbserregern sowie pathogenen und toxinogenen Mikroorganismen.

Marie-Kristin Henneken | idw
Weitere Informationen:
http://www.hs-owl.de

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