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Semantic Web Konferenz in Karlsruhe: Das Internet soll lernen, Inhalte und Sinnzusammenhänge zu verstehen

30.09.2008
Semantic Web Forscher suchen nach einem weitgehend automatisierten Zusammenwirken von Anwendungen im Internet und anderen großen Netzen / Computer sollen lernen, den Sinn der Netzinhalte richtig zu interpretieren / Internationale Fachkonferenz ISWC 2008 vom 26. bis 30. Oktober 2008 in Karlsruhe

In knapp vier Wochen - vom 26. bis 30. Oktober 2008 - trifft sich die Weltelite der Semantic Web Forschung im Karlsruher Kongresszentrum zu ihrer jährlichen Fachkonferenz; der 7th International Semantic Web Conferenz, kurz ISWC2008. Semantische Technologien gelten als vielversprechender Ansatz für eine bessere Informationsorganisation, sowohl im Internet, als auch in Unternehmensnetzen und auf dem eigenen Desktop.

Professor Dr. Rudi Studer, Präsident der Semantic Web Science Association (ISWSA), erklärt das übergeordnete Ziel der jungen Forschungsrichtung mit folgenden Worten: "Wenn wir das in den globalen Netzen verfügbare Wissen effizient und dauerhaft nutzen wollen, muss es uns gelingen, die weit verteilten Informationen automatisch schnell und sinnvoll zu verknüpfen. Oder anders ausgedrückt: Wir müssen Informations- und Kommunikationssystemen beibringen, Inhalte und Sinnzusammenhänge zu verstehen. Daran arbeiten wir". Manuell könnten die in den weltweit verteilten Quellen in allen denkbaren Multimediaformaten vorliegenden Informationen nicht mehr effizient ausgewertet werden. Studer ist überzeugt: "Wir brauchen eine weitgehende Automatisierung. Das geht nur mit semantischer Interpretation der Daten". Langfristig wollen die Forscher die Netze befähigen, durch eine sinnvolle automatische Verknüpfung des in den Netzen vorliegenden Wissens die Menschen in der immer komplexeren Welt aktiv zu unterstützen.

Die Herausforderung an die Semantic Web Forschung ist nun, praxistaugliche Standards, Methoden und Werkzeuge für eine korrekte maschinelle Interpretation der Inhalte im Internet und großen Unternehmensnetzen bereitzustellen. Mit diesen Themen beschäftigt sich die ISWC 2008, die Studer und seinen Forschungsteams am Karlsruhe Institute of Technology (KIT) und dem FZI Forschungszentrum Informatik gemeinsam mit F&E-Partnern aus der ansässigen Wirtschaft organisieren. Veranstaltungsort ist das Kongresszentrum Karlsruhe (Festplatz 9). Konferenzsprache ist Englisch. Vortragende, Themen, Programm und Konferenzdetails sind im Internet bereitgestellt unter: http://iswc2008.semanticweb.org/

Semantic Web Valley Karlsruhe

Karlsruhe hat sich in den letzten zehn Jahren durch eine enge Kooperation der Semantic Web Wissenschaft mit den in diesem Bereich tätigen Unternehmen eine starke Position in der Semantic Web Forschung erarbeitet. Unter anderem wurden in enger Entwicklungspartnerschaft zahlreiche semantische Anwendungslösungen für große Konzerne entwickelt. Die vielbeachtete und international schon weit verbreitete semantische Erweiterung von MediaWiki ist eine Entwicklung der Forschungsgruppen von Studer. Semantic Media Wiki setzt darauf, dass die Benutzer bereits bei der Eingabe die von ihnen eingestellte Information in einen größeren Kontext und damit Sinnzusammenhang stellen, indem ihre Eingaben mit Metadaten verknüpft werden. Diese Metadaten werden wie Karteikarten, die einen Film beschreiben oder Etiketten, die erklären, was in Kartons verpackt ist, an den inhaltlichen Eintrag angeheftet. Semantische Methoden können Informationen anhand solcher Metadaten sinnvoll verknüpfen und abfragen.

Die Hauptredner der ISWC2008 und ihre Themen

Als eingeladene Redner sprechen Ramesh Jain, erfolgreicher Unternehmer, Forscher, Ausbilder und zurzeit Professor für Information & Computer Sciences at University of California, Irvine; John Giannandrea, Mitbegründer des 2005 gegründeten Unternehmens Metaweb Technologies, das mit Freebase eine semantische Datenbank als Produkt auf dem Markt hat, und Stefan Decker, Professor an der National University von Irland in Galway und Direktor des Forschungsinstitutes DERI, an dem 130 Forscherinnen und Forscher an der Realisierung des Semantischen Web arbeiten. Decker hat seine Doktorarbeit am Institut für Angewandte Informatik und Formale Beschreibungsverfahren (AIFB) der Universität Karlsruhe bei Professor Studer erarbeitet. Heute ist er einer der am meisten zitierten Semantic Web Forscher. Sein aktuelles Interesse gehört u.a. Semantik in kollaborativen Systemen.

Ramesh Jain
Jain wird in seinem Hauptvortrag Multimedia Semantic Web die Herausforderungen darstellen, die er durch das starke Aufkommen multimedialer Webeinträge (Bilder, Videos, Animationen, Musik, Tonbeiträge u.a.) auf die Organisation von Information in Netzen zukommen sieht, und Beispiele semantischer Lösungen für das Management von Multimediaformaten zeigen. Sein Credo: Inhaltliche Interpretation von Textquellen reicht nicht mehr aus. Die Zukunft liegt bei multimedialen Quellen - und die müssen inhaltlich erschlossen werden.

http://iswc2008.semanticweb.org/program/information-on-keynotes/ramesh-jain/

John Giannandrea
Giannandrea stellt unter dem Titel: Freebase: An Open, Writeable Database of the World's Information den semantischen Datenbankansatz seines Unternehmens vor und zeigt, wie sich die Informationen, die zu einem Objekt (Person, Gegenstand, Thema o.ä.) in verteilten Informationsquellen vorhanden sind, so eindeutig verknüpfen lassen, dass sie in einer Antwort erscheinen, obwohl sie aus völlig unterschiedlichen Informationsquellen stammen.

http://iswc2008.semanticweb.org/program/information-on-keynotes/john-giannandrea/

Stefan Decker
Decker geht unter der Überschrift "Message in a Bottle or How can the Semantic Web Community be more convincing?" der Frage nach, wie man für die Welt außerhalb der Semantik Web Forschungsgemeinde deutlicher machen könnte, worum es bei der Semantic Web Forschung im Großen und Ganzen geht. Er wird aufzeigen, dass die derzeit scheinbar voneinander unabhängigen Forschungsarbeiten wie beispielweise Semantic Sensor Networks, Social Semantic Desktop, Semantic Publishing u.ä. im Internet der nächsten Generation zusammenwachsen und miteinander verknüpft werden.

http://iswc2008.semanticweb.org/program/information-on-keynotes/stefan-decker/

Anforderung an maschinelle Interpretation - ein Beispiel

Liest ein Mensch den Satz: "Wenn man den Bügeleisenstecker in die Steckdose steckt, dann wird das Bügeleisen heiß", erkennt er sofort den Zusammenhang, der dahinter steckt. Für eine Maschine ist so ein Text "flach", d.h. unstrukturiert. Sie kann ihn mit herkömmlichen Algorithmen und Technologien nicht vernünftig verstehen, oder besser, keinen Sinnzusammenhang interpretieren.

Semantische Technologien machen derartige Texte für eine Maschine verständlich und betten sie in größere Zusammenhänge ein. Einen solcher größerer Zusammenhang könnte in dem obigen Beispiel durch zwei weitere Sätze erzeugt werden, die der Rechner bei beim Analysieren des Textes zusätzlich aus dem Inhalt herauszieht: 1. "Strom gibt es nur an der Steckdose, wenn die Sicherung eingeschaltet ist" und 2. "Bei einem Kurzschluss schaltet die Sicherung aus".

Eine semantisch fundierte Anwendung erkennt aus diesen drei vorliegenden Sätzen, dass nach einem Kurschluss das Bügeleisen nicht mehr funktionieren wird, es sein denn jemand schaltet die Sicherung wieder ein.

Die Abhängigkeiten zwischen Bügeleisen, Strom, Steckdose und Funktionsfähigkeit sind für einen Menschen relativ leicht zu verstehen. Doch gibt es im Leben, in der Natur, der Technik und der Gesellschaft viel weiter verschachtelte Abhängigkeiten, die für Menschen zu komplex werden können, um sie mit einem Blick und auch nur ohne Fachkenntnisse erfassen zu können. Dann erkennt man nicht mehr sofort, welche Konsequenzen ein einzelner Effekt auf das große Ganze haben kann.

Hier spielen semantische Ansätze ihr Potenzial aus. Wenn der Sinnzusammenhang für sie erschließbar ist, hat die Maschine im Gegensatz zum Menschen keine Probleme mit der Menge und Verschachtelung von Zusammenhängen. Sie kann diese in "beliebiger" Komplexität entwirren. Nach Ansicht der Semantik Web Forscher werden semantische Technologien deshalb in der der immer komplexer werdenden Welt großen Nutzen bringen.

Kontakt:
Für Interviews:
Prof. Dr. Rudi Studer
Institute AIFB, Karlsruhe Institute of Technology &
FZI Forschungszentrum Informatik
Tel. +49(0)721/608-3923 oder 0721/9654-903
E-Mail: studer@aifb.uni-karlsruhe.de
Für die Presse
Vera Münch
PR+Texte
Tel.: +49(0)5121/82613
Mobil: +49(0)171/3825545
E-Mail: info@vera-muench.de
Über das Institut AIFB
Das Institut für Angewandte Informatik und Formale Beschreibungsverfahren (AIFB) ist das Informatik-Institut der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universität Karlsruhe (TH). Durch eine grundlegende Informatik-Ausbildung, die maßgeschneidert zu den Studiengängen der Fakultät passt, qualifiziert es junge Menschen für Führungspositionen in Wissenschaft und Wirtschaft. Studierende lernen am Institut AIFB hochkomplexe Informatikanwendungen zu verstehen, sie fachgerecht zu bauen, sie technisch und ökonomisch richtig zu bewerten und sich daraus ergebende Chancen für Innovationen zu nutzen. Absolventen des Instituts haben erfolgreich Firmen gegründet, die heute fester Bestandteil der Technologieregion Karlsruhe und Baden-Württemberg sind und zum Teil international agieren. Zahlreiche andere Absolventinnen und Absolventen arbeiten in Managementpositionen in Unternehmen oder als Professoren an Hochschulen.

Im Mittelpunkt der Forschung am Institut AIFB steht die Weiterentwicklung und praktische Anwendung von Methoden der Informatik. Die Hauptarbeitsfelder der Forschungsgruppen sind Betriebliche Informations- und Kommunikationssysteme, Effiziente Algorithmen und Organic Computing, Wissensmanagement und Semantic Web, Komplexitätsmanagement, eOrganisation, Mobile IT, Software- und Systems Engineering und eLearning. http://www.aifb.uni-karlsruhe.de

Über das FZI Forschungszentrum Informatik Karlsruhe
Das FZI ist eine Forschungseinrichtung des Landes Baden-Württemberg und der Universität Karlsruhe (TH). Es hat die Aufgabe, die neuesten wissenschaftlichen Er¬kenntnisse aus Informatik, Ingenieurwissenschaften und Wirtschaftswissenschaften für Unter¬nehmen und öffentliche Einrichtungen verfügbar zu machen. In Kooperationsprojek¬ten und in Auftragsforschung entwickelt das FZI für seine Geschäftspartner Konzepte für betriebliche Organisationsaufgaben, Software- und Systemlösungen und setzt diese in innovative Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsprozesse um. Wissenschaftliche Exzellenz und Interdisziplinarität sind in der Organisation verankert: Für den Technologietransfer engagieren sich am FZI Professorinnen und Professoren, die an verschiedenen Fakultäten der Universität Karlsruhe (TH) und weiterer Universitäten Informatik und ihre Anwendungen erforschen. Die Forschungseinrichtung ist gemeinnützig. Professor Studers Forschungsgruppen sind im FZI Forschungsbereich Information Process Engineering (IPE) angesiedelt.

Vera Münch | idw
Weitere Informationen:
http://iswc2008.semanticweb.org/
http://www.fzi.de/ipe/
http://www.fzi.de

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