Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schutz der biologischen Vielfalt als Gesundheitsvorsorge?

12.04.2013
Internationale Konferenz zur Bedeutung der biologischen Vielfalt für unsere Gesundheit

Vom 16.-18. April treffen sich internationale Forscher in Berlin, um die Bedeutung der biologischen Vielfalt für unsere Gesundheit zu diskutieren.

Im Zentrum der 2. Internationalen Konferenz zu Biodiversität und den UN-Millennium-Entwicklungszielen der Leibniz-Gemeinschaft stehen sowohl Erreger von Infektionskrankheiten, die dem Menschen und seinen Nutzpflanzen und –tieren schaden, als auch die Gesundheit ganzer Ökosysteme, die unsere Lebensgrundlage bilden.

Da das Wissen um die ökologischen Zusammenhänge der Ausbreitung von Krankheiten die Grundlage für Gefahrenanalysen und eine effektive Kontrolle dieser Krankheiten bildet, dürfte das Thema in künftigen globalen Politikdebatten über den Schutz der biologischen Vielfalt eine wesentliche Rolle spielen. NeFo stellt im Experteninterview einige Aspekte und die Organisatoren vor.

Weltweit sind Infektionskrankheiten die Todesursache Nummer eins. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO starben 2001 rund 15 Millionen Menschen an den Folgen von Infektionskrankheiten. Längst als besiegt geltende Krankheiten erleben eine Rückkehr. Durch die globale Mobilität verbreiten sich Erreger in Regionen, wo es sie früher nie gab, der Klimawandel ermöglicht ihr Überleben.

Wirksame Maßnahmen zur Eindämmung erfordern Wissen über die Ausbreitungswege und die Interaktionen der beteiligten Organismen. Diese Schnittstelle zwischen Medizin und Ökologie ist bisher kaum beachtet. „Einmal mehr braucht es inter- und transdisziplinäre Forschung, um jetzt und in Zukunft wirksame Maßnahmen treffen und die Lebensqualität der Weltbevölkerung verbessern zu können", meint Prof. Klement Tockner, Leiter des Leibniz-Verbundes Biodiversität.

Mit der zweiten „Internationalen Konferenz zu Biodiversität und den Millennium-Entwicklungszielen der Vereinten Nationen" will Tockner Forscher zusammenbringen, die genau an dieser Schnittestelle arbeiten.

Experten aus aller Welt präsentieren in Berlin ihre Erkenntnisse zu Ausbreitungswegen und -bedingungen von Humankrankheiten wie SARS, HIV und Hantavirus, aber auch solchen, die indirekt unsere Gesundheit schädigen können, wie z.B. Pilzsporen in Nutzpflanzen. Organisiert wird die Konferenz vom Leibniz-Verbund Biodiversität und dem französischen Institut Ecologie et Environnement-Centre National de la Recherche Scientifique (InEE-CNRS), kofinanziert wird sie von der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina.

Derzeit durchlaufen die Medien Meldungen zu einer neuen Variante von SARS. Solche so genannten Corona-Viren werden vorrangig von Fledermäusen übertragen - allerdings meist in den tropischen Regenwäldern. Da der Mensch immer weiter in ihre bisher verborgenen Lebensräume eindringt, kommen beide immer häufiger in Kontakt. Die Viren passen sich an und werden zu neuen Gesundheitsrisiken für die Bevölkerung.

„Bei uns unterstützt u.a. der Mangel an biologischer Vielfalt in der Agrarlandschaft, aber auch die geringe Vielfalt landwirtschaftlicher Nutzung, die Ausbreitung von Krankheiten", weiß Prof. Arthur Geßler vom Leibniz Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg. So steige bspw. durch die rückläufige Zahl im Freiland gehaltener Wiederkäuer das Risiko, sich mit Borreliose anzustecken. Die bakteriellen Erreger werden von Zecken übertragen. „Saugt eine infizierte Zecke jedoch auf Wiederkäuern, sterben die Bakterien aufgrund bestimmter Antikörper ab."

Geßler leitet zusammen mit seinem Institutskollegen Dr. Michael Glemnitz eine Session zu der Frage, welchen Einfluss Landschaftsstrukturen auf die Verbreitung von Krankheitserregern und ihrer Überträger (Vektoren) wie z.B. Mücken, Zecken und deren Wirtstiere haben. Ziel des wissenschaftlichen Austauschs soll auch sein, Maßnahmen zur Eindämmung solcher Krankheiten zu finden und Politikempfehlungen geben zu können. Durch die derzeit starke Förderung in der EU von Energiepflanzen und den Umbruch von extensiv genutztem Weideland ist die Haltung von Rindern, Schafen und Ziegen im Freiland wenig attraktiv. „Ein wirksames Management der Borreliose könnte also beispielsweise eine stärkere Förderung von Grünland und extensiver Rinder- und Schafhaltung in der Agrarpolitik sein", meint Geßler.

Im NeFo-Interview erzählen Geßler und Glemnitz, welche Faktoren zur Ausbreitung von Infektionskrankheiten beitragen, wozu das Wissen über die Zusammenhänge zwischen Krankheiten, Landschaftsstruktur und biologischer Vielfalt wichtig ist und wie dieses Wissen in die praktische Bekämpfung von Krankheiten einfließen könnte. Organisator Prof. Klement Tockner spannt im zweiten NeFo-Interview den Bogen zur Bedeutung der Thematik und interdisziplinärer Konferenzen für die internationalen Politikprozesse rund um die Biodiversität und Ökosysteme.

Den gesamten Artikel und die Interviews finden Sie unter:
http://www.biodiversity.de/index.php/de/fuer-presse-medien/top-themen-biodiversitaet
Das Programm zur Konferenz finden Sie unter:
http://www.leibniz-verbund-biodiversitaet.de/aktuelles-aktivitaeten/konferenzserie/upcoming-conferences/

Presseakkreditierung bitte unter biodiv-conf-2013(at)wgl.de

Ansprechpartner:
Sebastian Tilch
NeFo-Pressereferent
Telefon: 0341-235-1062
E-Mail: sebastian.tilch@ufz.de
Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung Deutschland (NEFO) ist eine Kommunikationsplattform für Wissenschaftler und Anwender von Wissen zur biologischen Vielfalt. Das Projekt wird im Rahmen von DIVERSITAS-Deutschland e.V. (www.diversitas-deutschland.de) durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Ein wichtiges Ziel ist es, die Forschung unterschiedlicher Disziplinen, die sich mit gesellschaftlich relevanten Fragestellungen zur Biodiversität befasst, stärker ins öffentliche Licht zu stellen. Hierzu stehen direkte Ansprechpartner für Fragen aus Medien, Politik und Öffentlichkeit bereit, arbeiten aktuelle Themen auf und vermitteln Experten.

Projektpartner sind das Museum für Naturkunde Berlin, Universität Potsdam und Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ.

Sebastian Tilch | UFZ News
Weitere Informationen:
http://www.biodiversity.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni
24.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet
24.05.2017 | Deutsche Diabetes Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten