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Schmerz ist europäisches Titelthema: 150 Entscheider aus 26 EU-Staaten treffen Schmerzspezialisten

03.05.2010
Die sozialen Folgen von Schmerzen sind Thema eines Treffens von rund 150 Regierungsvertretern und Entscheidern aus 26 EU-Staaten, zu dem die European Federation of the Association for the study of Pain (EFIC, deutsche Sektion ist die Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V., DGSS) am 4. und 5. Mai in Brüssel einlädt. Als DGSS-Vertreter nehmen der Präsident, Prof. Dr. med. Rolf-Detlef Treede, und Prof. Dr. Thomas Tölle (DGSS-Kommission für Forschungsfragen) teil.

„Wir wollen die Gelegenheit nutzen, den Entscheidern an den wichtigen Schaltstellen die Schmerztherapie nicht nur als ein Menschenrecht, sondern auch als ein Mittel zur Kostenreduktion ans Herz zu legen“, sagt Prof. Dr. Rolf-Detlef Treede.

Schmerzlinderung ist ein Menschenrecht

Die Linderung von Schmerz ist ein grundlegendes Menschenrecht – darauf pocht die DGSS seit langem und hat diese Forderung in ihrer Ethik-Charta festgeschrieben. Gelingen kann sie nur, wenn akute Schmerzen rechtzeitig und adäquat behandelt werden, so dass kein chronischer Schmerz entsteht. Ist Schmerz einmal chronisch geworden, erfordert er ein interdisziplinäres Behandlungskonzept, das körperliche, seelische und soziale Komponenten des Schmerzes einbezieht. „Die Einordnung dieser Ziffer in den Abschnitt der psychosomatischen Krankheiten bildet noch nicht optimal ab. Zwar gewinnen psychologische Faktoren im Verlaufe der Entwicklung chronischer Schmerzen eine zunehmende Bedeutung, allerdings führt überwiegend auch ein körperlich begründeter Schaden oder Funktionsverlust zu dem Beschwerdebild, den es ebenfalls zu erfassen und benennen gilt. Unser Ziel ist daher eine noch genauere Berücksichtigung im kommenden ICD-11.“

Sensor misst Wirksamkeit von Therapien

Prof. Tölle präsentiert beim EFIC-Symposium einen neuen Sensor, der die Beweglichkeit und Funktionsfähigkeit der Wirbelsäule bei Rückenschmerzpatienten messen und aufzeichnen kann. So lassen sich auch die Wirkungen verschiedener Therapien besser messen als bisher. „Unser Problem war bisher, dass wir vor allem den Patienten nach seinem Befinden und seinen Einschränkungen befragt haben“, erklärt Prof. Tölle. „Erfahrungsgemäß besteht aber zwischen dieser subjektiven Einschätzung und der objektiv messbaren Funktionsfähigkeit ein erheblicher Unterschied.

25 Milliarden Euro jährliche Kosten

Die wirksame Behandlung von Schmerzen ist nicht nur für die Patienten unverzichtbar, sondern auch im Interesse der Gesamtgesellschaft: Chronische Schmerzen verursachen allein in Deutschland jährliche Kosten von rund 25 Milliarden Euro, größtenteils verursacht durch Arbeitsunfähigkeit und Berentungen. Rückenschmerz und Kopfschmerz führen die Liste der häufigsten Schmerzerkrankungen an, gefolgt von Nervenschmerz und Tumorschmerz. Die europäische Schmerzstudie (Oktober 2003) hat gezeigt, dass jeder dritte deutsche Erwachsene chronische Schmerzen hat: 17 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung sind davon betroffen. Deutschland liegt damit im europäischen Mittelfeld (die wenigsten Schmerzkranken leben mit 11 Prozent in Spanien, die meisten mit 27 Prozent in Polen). Frauen sind häufiger von chronischem Schmerz betroffen als Männer. Die meisten Schmerzpatienten sind zwischen 40 und 70 Jahre alt.

Mehr Informationen

First EFIC® Symposium: Societal Impact of Pain (May 4th & 5th 2010), Hotel Dolce La Hulpe, Brussels, Internet: http://efic.org/meeting-detail.php?id=28

Ansprechpartner

Prof. Dr. med. Rolf-Detlef Treede, Präsident der DGSS, Lehrstuhl für Neurophysiologie, Zentrum für Biomedizin und Medizintechnik Mannheim, Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg, Ludolf-Krehl-Str. 13 – 17, 68167 Mannheim, Tel. 0621/383-9926, Fax: 0621/383-9921, E-Mail: rolf-detlef.treede@medma.uni-heidelberg.de

Meike Drießen | idw
Weitere Informationen:
http://efic.org/meeting-detail.php?id=28
http://www.dgss.org

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