Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Von schlummernden Viren und geruchsgesteuerten Pflanzenläusen

06.07.2009
Wissenschaftler des Julius Kühn-Instituts stellen auf internationaler Tagung zu Viruskrankheiten an Obst (5.-10.7.) im pfälzischen Neustadt aktuelle Forschungsergebnisse vor zur Apfeltriebsucht/Phytoplasmen und zum Nachweis Apfelstammfurchungsvirus (ASGV).

Jetzt reift unser heimisches Beerenobst. Kirschen und Himbeeren kitzeln den Gaumen. Doch reiche Obst-Ernten sind keine Selbstverständlichkeit, denn die süßen Früchte munden Schädlingen ebenso wie uns.

Während man die Maden von Kirschfruchtfliegen noch mit bloßem Auge auf frischer Tat ertappt, braucht es für den Nachweis schädlicher Viren ein gehörige Portion Expertenwissen. Die internationalen Forscher, die sich mit Viruskrankheiten und anderen durch Pfropfung übertragene Obst-Krankheiten auskennen, treffen sich noch bis 10. Juli in Neustadt an der pfälzischen Weinstraße.

Die 21te Konferenz zu "Virus and other Graft Transmissible Diseases of Fruit Crops" versammelt auf Einladung des Julius Kühn-Instituts (JKI) und der RLP AgroScience GmbH 200 Wissenschaftler aus 43 Ländern. Auf der Konferenz werden Viruskrankheiten und ihre Erreger von Apfel und Pflaume über Pfirsich und Walnuss bis hin zu Zitrusfrüchten behandelt.

Viruskrankheiten an Obst sind wegen ihrer unspezifischen Symptome oft schwer nachzuweisen was ihre Bekämpfung erschwert. So wurden am Julius Kühn-Institut in Dossenheim (ehemals Biologische Bundesanstalt) Labormethoden (basierend auf RT-PCR) entwickelt, mit denen sich das tückische Apfelstammfurchungsvirus, kurz ASGV, eindeutig in verschiedenen Geweben nachweisen lässt. Das Virus schlummert in den Apfelbäumen und lässt Baum und Früchte schlecht wachsen. Da bisher nicht bekannt ist, wie das Virus in die Bäume gelangt, kann seiner Ausbreitung nur vorgebeugt werden, indem vor jeder Veredlung überprüft wird, ob das Pflanzenmaterial virusfrei ist. Sowohl Apfelreiser die innerhalb Deutschlands verschickt werden, als auch Pflanzenmaterial, das aus anderen Ländern oder Übersee stammt, müssen in Laboren untersucht werden und ein Zertifikat erhalten.

Ein weiterer Schwerpunkt am Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (Standort Dossenheim) ist die Erforschung so genannter Phytoplasmen. Das sind pflanzenpathogene Bakterien ohne Zellwand, die ähnlich wie Viren nur in lebendem Wirtsgewebe wachsen. Sie werden durch Insekten übertragen. Ihr eigener Stoffwechsel ist so stark reduziert, dass lebensnotwendige Bio-Moleküle aus den Wirtszellen importiert werden müssen. Mehr als 700 Pflanzenkrankheiten werden von Phytoplasmen verursacht, darunter auch die Apfeltriebsucht. Die Forscher konnten zeigen, dass die Überträger der Phytoplasmen, springenden Läuse namens Cacopsylla picta, einen mit Phytoplasmen infizierten Baum am Geruch erkennen und ansteuern. Diese Geruchsänderung wird durch die Krankheitserreger hervorgerufen, die damit ihre Überträger manipulieren und zu sich locken und so die weitere Ausbreitung der Krankheit vorantreiben.

Dies ist nur eine Auswahl der Ergebnisse, die auf der internationalen Konferenz vorgestellt werden. Zur gestrigen Eröffnung dieser größten Konferenz zu Viruserkrankungen bei Früchten begrüßten der Staatssekretär des Rheinland-Pfälzischen Ministeriums für Wirtschaft, Transport Land- und Weinwirtschaft, Siegfried Englert, der Bürgermeister von Neustadt, Hans Georg Löffler, sowie der Präsident des gastgebenden Julius Kühn-Instituts, Dr. Georg Backhaus, die Gäste aus Nah und Fern.

Kontakt über die Pressestelle des JKI oder bis 10.7. über das Tagungsbüro in Neustadt Tel: 06321 / 926840

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Prof. Dr. Wilhelm Jelkmann
Leiter des Instituts für Pflanzenschutz in Obst- und Weinbau am
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen
E-Mail: wilhelm.jelkmann (at) jki.bund.de

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.phytomedizin.org/icvf.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal
18.08.2017 | Bergische Universität Wuppertal

nachricht Einblicke ins menschliche Denken
17.08.2017 | Universität Potsdam

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie