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Roboter – dein Freund und Helfer?

07.11.2012
Diskussion über den zunehmenden Einsatz von Robotern im Alltag

Was gestern noch Science Fiction war, wird heute zunehmend Alltag: Den selbststeuernden Staubsauger kann man bereits im Elektromarkt kaufen und im Krankenzimmer übernehmen womöglich bald freundlich dreinschauende „Care-o-bots“ komplexe Aufgaben der Betreuung und Pflege.

Im Rathaussaal der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler diskutierten am Dienstag, 6. November, auf Einladung der Europäischen Akademie GmbH zwei Experten die Frage, wie die Robotertechnik unser Zusammenleben verändert und welche Folgen dies für die Gesellschaft und den Einzelnen hat.

In seinem Eingangsstatement skizzierte der Technikfolgenabschätzer Professor Michael Decker vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) die aktuellen Entwicklungen. Trotz aller Fortschritte sei den hohen Erwartungen nüchtern zu begegnen. Zwar gäbe es in vielfältigen Bereichen vor allem der Industrie, Landwirtschaft und Medizin, im Verkehr und nicht zuletzt beim Militär hochspezialisierte Robotersysteme, die den Menschen bei ganz konkreten, engumrissenen Aufgaben unterstützen.

Maschinen, die als androider „Freund und Helfer“ ein breiteres Spektrum an Aufgaben auch im Haushalt oder in der Pflege übernähmen, seien aber noch nicht praxisreif. Hier stehe die Entwicklung noch am Anfang. Ob die Entwicklung dann auch auf Akzeptanz in der Gesellschaft treffen werde, sei dabei durchaus offen. Hier sei in allen Schritten eine ethische und soziologische Begleitforschung unverzichtbar.

Der Jurist Professor Eric Hilgendorf von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg betonte vor allem Fragen der Verantwortung und der Schadenshaftung: Wer haftet etwa bei Unfällen, die durch selbststeuernde Rollstühle verursacht sind – der Entwickler, der Hersteller oder der Nutzer, der ja eher Passagier als Fahrer ist? Auch entstünden neue Fragen des Datenschutzes: Roboter, die mit Menschen interagieren und die vielleicht sogar lernfähig sein sollen, müssen zahllose Informationen über ihre Umgebung sammeln, speichern und oft auch über längere Distanzen an einen „Operator“ übermitteln. Nicht zuletzt entstünden auch neue Möglichkeiten, über Schadsoftware fremde Systeme zu „kapern“ und zum Beispiel Fahrassistenten vorbeifahrender Autos zu manipulieren.

Ob letztlich die Chancen oder die Risiken überwiegen, konnte natürlich auch die anschließende Diskussion nicht klären. Eins aber zeigen die Antworten auf die überwiegend skeptischen Fragen des Publikums deutlich: Einer gesamtgesellschaftlichen Debatte wird nicht länger auszuweichen sein. Die Entwicklung schreitet voran, früher oder später werden wir in unserer Umgebung dem ersten Roboter begegnen, den wir nicht wie eine Kaffeemaschine lediglich als Gerät, sondern als „Akteur“ wahrnehmen werden. Und früher oder später wird sich die Gesellschaft entscheiden müssen, wie und wie weit sie Roboter nutzen möchte, um beispielsweise dem absehbaren Personalmangel in der Altenpflege mit technischen Mitteln abzuhelfen.

Mit der öffentlichen Diskussion über Robotertechnik setzt die Europäischen Akademie Bad Neuenahr-Ahrweiler GmbH die Tradition der „Ahrtalgespräche“ fort. Unter diesem Titel finden seit Jahren regelmäßige Veranstaltungen statt, die einem breiteren Publikum lebendige Einblicke in aktuelle Fachdebatten zu gesellschaftlich relevanten Fragen aus den Arbeitsgebieten der Europäischen Akademie ermöglichen sollen. Unterstützt wurde sie dabei auch diesmal wieder von ihrem Förderverein und von der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, die nicht zuletzt durch die Begrüßungsworte des Bürgermeisters, Herrn Guido Orthen, und die Einladung zur Nachdiskussion beim Wein für einen angenehmen und angemessenen Rahmen sorgten.

REFERENTEN:
- Professor Dr. rer. nat. Michael Decker, Lehrstuhl für Technikfolgenabschätzung am Institut für Philosophie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und stellvertretender Leiter des Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)

- Professor Dr. jur. Dr. phil. Eric Hilgendorf, Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht, Rechtstheorie, Informationsrecht und Rechtsinformatik, Julius-Maximilians-Universität Würzburg

MODERATION:
- PD Dr. med. Felix Thiele, Stellvertretender Direktor der Europäischen Akademie Bad Neuenahr-Ahrweiler GmbH
Über die Europäische Akademie Bad Neuenahr-Ahrweiler:
Die Europäische Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen Bad Neuenahr-Ahrweiler gGmbH wurde 1996 vom Land Rheinland-Pfalz und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) gegründet. Wissenschaftlich-interdisziplinäre Arbeitsgruppen widmen sich der Erforschung und Beurteilung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen für das individuelle und soziale Leben des Menschen und seine natürliche Umwelt. In wissenschaftlicher Unabhängigkeit führt die Akademie einen Dialog mit Wirtschaft, Kultur, Politik und Gesellschaft. Damit will sie zu einem rationalen Umgang der Gesellschaft mit Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen beitragen.

Katharina Mader | idw
Weitere Informationen:
http://www.ea-aw.de

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