Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Regenerierte Knochen und Demenztest per Telefon: FoRUM-Tagung der Bochumer Medizin

16.11.2011
RUB-Mediziner präsentieren ihre Forschungsarbeiten

Wie kann man Demenz im Telefongespräch erkennen? Was brauchen körpereigene Stammzellen zum Überleben, um bei Knochenbrüchen besser helfen zu können? Diese und weitere Forschungsergebnisse und -projekte präsentieren die Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät der Ruhr-Universität bei ihrer 13. FoRUM-Tagung am 23. November 2011 (ab 14 Uhr im Bergmannsheil, Bürkle-de-la-Camp-Platz 1, 44789 Bochum).

Aus dem Programm der Forschungsförderung an der Ruhr-Universität Bochum, Medizinische Fakultät (FoRUM) sind dieses Jahr rund 3,3 Millionen Euro in die Anschubfinanzierung viel versprechender Projekte, in Verbundprojekte, Rückkehrstellen und Fakultätspreise geflossen. Ziel des Programms ist die Stärkung der Forschungsqualität und Drittmitteleinwerbung der Fakultät. Bei der Tagung werden darüber hinaus die Förderpreise der Sophia & Fritz Heinemann-Stiftung sowie der Lieselotte & Rolf Bayer-Stiftung verliehen.

Demenztestung per Telefon

RUB-Altersmediziner um Dr. Ulrich Thiem präsentieren ihre Studie zu einem standardisierten Telefon-Interview, mit dem man bei Menschen über 70 prüfen kann, ob sie an Demenz erkrankt sind. Hintergrund ist, dass für Studien zur Häufigkeit der Demenz meist keine ausführliche Demenz-Diagnostik durchgeführt werden kann, so dass man auf Selbstangaben der Teilnehmer in Telefon-Interviews angewiesen ist. Noch gibt es für Deutschland keine zuverlässigen Instrumente dafür. Die Forscher prüfen daher das international gebräuchliche „Telephone Interview for Cognitive Status - Modified“ in einer deutschen Fassung mit dem Standardtest für Kognition „Mini-Mental State Examination“ bei hausärztlich versorgten Patienten über 70 Jahren. Die Studie ist in ein bereits laufendes Projekt aus dem vom BMBF geförderten Forschungsverbund „priscus“ integriert.

Knochenbrüche mit Stammzellen heilen

Chirurgen des Bergmannsheil um Dr. Jan Gessmann forschen nach Wegen, schlecht heilende Knochenbrüche besser mit körpereigenen Stammzellen zu behandeln, die dem Patienten aus dem Knochenmark entnommen und außerhalb des Körpers vermehrt werden, bevor man sie wieder einsetzt. Die Überlebensfähigkeit der so transplantierten Zellen in der verwendeten Trägermatrix, die aus ebenfalls körpereigenem Blutplasma gewonnen wird, ist jedoch noch nicht optimal. Die Forscher wollen das Überleben der Zellen nun verbessern, indem sie zum Beispiel die Festigkeit des Trägermaterials durch Veränderung der Calcium-Konzentration abändern. In in-vitro-Tests wollen wie verschiedene Plasmamatrices mit Stammzellen beladen, kultivieren und anschließend untersuchen. Mittels Färbung prüfen sie die Überlebensfähigkeit der Zellen über 21 Tagen. Ziel ist die Ermittlung einer Plasmamatrix, die sich gut handhaben lässt und gleichzeitig optimale Überlebenschancen für Stammzellen hat.

Molekulare Grundlagen von Krebserkrankungen

Die molekularen Vorgänge bei der Entstehung von Krebs untersuchen die Mediziner des Teams von Dr. Birgitta Schlüter (Marienhospital Herne). Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht c-Myc, ein Protein, das für die Vermehrung und das Wachstum, die Differenzierung und den Tod von Zellen von Bedeutung ist. In Tumorzellen kommt c-Myc oft gehäuft vor. Ein möglicher Grund dafür ist, dass bestimmte Abschnitte der genetischen Information vervielfältigt werden (Amplifikation). Es gibt verschiedene c-Myc-Hemmer. Dr. Schlüter und ihr Team untersuchen, ob die durch einen bestimmten Hemmer hervorgerufenen Veränderungen in den Zellen sich in c-Myc-amplifizierten und nicht-amplifizierten Zellen unterscheiden. Für ihre Untersuchungen nutzen sie Zellkulturen aus Eierstocktumoren, da bei Eierstockkrebs besonders viele Proben c-Myc-Amplifikationen zeigen.

Diagnose des Komplexen Regionalen Schmerzsyndroms

Das Komplexe Regionale Schmerzsyndrom (CRPS; früher Morbus Sudeck) entsteht aus harmlosen Verletzungen der Arme oder Füße und verläuft oft äußerst ungünstig. Viele Betroffene müssen vorzeitig berentet werden. Die Patienten leiden unter Schwellungen, Schmerzen und Körperwahrnehmungsstörungen. Die Diagnose ist oft sehr schwierig und nicht selten zu spät gestellt. Die Schmerzspezialisten des Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikums Bergmannsheil prüften jetzt bei Patienten, ob sich diese schwierigen Krankheitsprozesse auch durch Veränderungen an der Gefäßwand erklären lassen. Bisher war man rein auf die Beschwerdeschilderung angewiesen. Jetzt konnten die Spezialisten erstmals zeigen, dass es tatsächlich bei der Erkrankung vermutlich durch schwere entzündliche Reaktionen zu sichtbaren Veränderungen des Verhältnisses zwischen der Gefäßinnenwand (Intima) zur übrigen Gefäßwand kommt. Diese Verdickung der Gefäße in den kleinen Arterien der Hand wurde noch niemals nachgewiesen und stellt daher einen wichtigen Schritt sowohl zur Diagnostik als auch zum Verständnis dieser schwierigen Krankheit dar.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Ralf Gold, Forschungsdekan der Medizinischen Fakultät der RUB, Neurologische Klinik der Ruhr-Universität im St. Josef-Hospital, Gudrunstraße 56, 44791 Bochum, Tel.: 0234/509-2410, ralf.gold@rub.de

Dipl.-Biol. Irmgard Borg, FoRUM-Referat der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-25585, forum@rub.de

Redaktion: Meike Drießen

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht 11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"
22.09.2017 | BusinessForum21

nachricht Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg
22.09.2017 | DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie