Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Quantenphysiker aus aller Welt treffen sich in Rostock

01.09.2016

Uni Rostock richtet Konferenz zur Quantendynamik aus

Die Welt der Quantenphysik stellt nicht nur den Laien immer wieder vor konzeptionelle Herausforderungen, da die auftretenden Phänomene nicht mit unserer Alltagserfahrung kompatibel sind. Auch die Simulation von quantenphysikalischen Problemen, d.h. die Lösung der Schrödinger Gleichung, hat ihre Tücken, denn herkömmliche Computer erreichen hier rasch ihre Grenzen.


Prof. Aliezer Martínez-Mesa und Prof. Llinersy Uranga-Piña von der Universität Havanna mit Prof. Oliver Kühn (von rechts).

Grund dafür ist der mit der Anzahl der beteiligten Teilchen exponentiell ansteigende Aufwand. Benötigt man zur Beschreibung der Bewegung eines Teilchens z.B. 400kB Speicherplatz, sind es für zwei Teilchen bereits 3MB und für 10 Teilchen unvorstellbare 5x1027GB.

Zum Vergleich, die gesamte englische Wikipedia Ausgabe benötigt lediglich 12 GB. Damit wird beispielsweise bereits die Simulation einfacher chemischer Reaktionen von nur wenigen Atomen in der Gasphase sehr anspruchsvoll; biophysikalische Systeme mit tausenden Atomen kommen für eine exakte Beschreibung nicht in Frage.

Einen Ausweg bieten numerische Näherungsmethoden, die auf besonders effizienten Verfahren zur diskreten Darstellung der Schrödingerschen Wellenfunktion beruhen. Deren Entwicklung widmet sich eine große Wissenschaftsgemeinde aus den Bereichen der Molekülphysik und der Theoretischen Chemie seit vielen Jahren erfolgreich. So können heute routinemäßig Fragen beantwortet werden, für die vor 20 Jahren selbst ein Großrechner nicht ausreichend gewesen wäre.

Derzeit treffen sich ca. 75 Experten aus 14 Ländern in Rostock auf der Konferenz "Hochdimensionale Quantendynamik. Herausforderungen und Möglichkeiten", um über die aktuellen Entwicklungen auf diesem Gebiet zu diskutieren. Es ist bereits die fünfte Zusammenkunft Theoretischer Physiker und Chemiker zu diesem Thema, die nach Stationen in den Niederlanden, Großbritannien und Frankreich in diesem Jahr durch die Arbeitsgruppe “Molekulare Quantendynamik” um Prof. Oliver Kühn vom Rostocker Institut für Physik ausgerichtet wird.

Auf der Agenda stehen neben methodischen Aspekten insbesondere auch Anwendungen auf sehr unterschiedliche Fragestellungen. Dazu zählen u.a. die Dynamik chemischer Reaktionen, der Transport von Elektronen durch einzelne Moleküle in Bausteinen der molekularen Elektronik oder die Elementarprozesse des Lichtsammelns in der Photosynthese. Am Beispiel der Photosynthese wird besonders deutlich, was moderne Methoden leisten können. Dies reicht von der Modellbildung für den Energietransport in den aus Farbstoffmolekülen aufgebauten Lichtsammelantennen bis hin zur Aufklärung der Quantennatur dieses Transports, was zur Prägung des Begriffs “Quantenbiologie” beigetragen hat.

Unter den Teilnehmern werden erstmalig auch zwei Kollegen von der Universität in Havanna (Kuba) sein. Sie nutzen die Gelegenheit, Möglichkeiten zur Kooperation zwischen den Physikinstituten in Havanna und Rostock auszuloten.

Kontakt:
Universität Rostock
Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
Prof. Dr. rer. nat. Oliver Kühn
+49 381 498-6700
Mail: oliver.kuehn(at)uni-rostock.de

Ingrid Rieck | Universität Rostock
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de

Weitere Berichte zu: Elektronen Photosynthese Quantendynamik Quantenphysik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW
08.12.2016 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

nachricht NRW Nano-Konferenz in Münster
07.12.2016 | Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung NRW

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie