Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Piraten vor den Küsten Somalias

23.02.2009
Rechtsstaatexport oder Marineeinsätze? Im Rahmen von ‚Max-Planck-Thema’ diskutieren Wissenschaftler Wege aus der Krise

Mit den Piratenattacken vor der Küste Somalias berührt die politische Krise am Horn von Afrika die westliche Welt, jetzt sind auch der internationale Seehandel und der Kreuzfahrttourismus gefährdet.

Doch Geleitschutz für Frachtschiffe und Marineeinsätze der Bundeswehr erscheinen zwar als direkte Mittel, das akute Problem in den Griff zu bekommen.

Langfristig verspricht jedoch nur die politische Stabilisierung des Staates einen Weg aus der Krise. Im Rahmen der neuen Gesprächsreihe ‚Max-Planck-Thema’ diskutieren der international renommierte Rechtswissenschaftler Rüdiger Wolfrum und die Somalia-Expertin Annette Weber am 3.3.2009 Perspektiven und die Rolle Europas im Somalia-Konflikt.

Mit den Piratenattacken vor der Küste Somalias berührt die politische Krise am Horn von Afrika die westliche Welt, jetzt sind auch der internationale Seehandel und der Kreuzfahrttourismus gefährdet. Doch Geleitschutz für Frachtschiffe und Marineeinsätze der Bundeswehr erscheinen zwar als direkte Mittel, das akute Problem in den Griff zu bekommen. Langfristig verspricht jedoch nur die politische Stabilisierung des Staates einen Weg aus der Krise. Im Rahmen der neuen Gesprächsreihe ‚Max-Planck-Thema’ diskutieren der international renommierte Rechtswissenschaftler Rüdiger Wolfrum und die Somalia-Expertin Annette Weber am 3.3.2009 Perspektiven und die Rolle Europas im Somalia-Konflikt.

Die Ursachen der Piraterie sind komplex, denn seit dem Sturz des Diktators Siad Barre 1991 besitzt Südsomalia keine einheitliche Staatsgewalt mehr und ist vom Bürgerkrieg sich bekämpfender Clans zerrissen. Alle seither unternommenen Versuche, Frieden und Sicherheit wieder herzustellen, sind gescheitert. Die 2004 eingesetzte somalische Übergangsregierung erlangte bislang nur wenig Akzeptanz und steht als ein Akteur im politischen Kräftefeld des Landes der ehemaligen Union der Islamischen Gerichtshöfe und den radikalen Kampfgruppen der Shabab gegenüber. Der seit 2006 neu aufgeflammte Krieg mit Äthiopien trifft vor allem die Zivilbevölkerung. Mehr als 1,5 der insgesamt 8,8 Millionen Somalier sind auf der Flucht und bedürfen humanitärer Hilfe.

Rüdiger Wolfrum ist seit dem Inkrafttreten der somalischen Übergangsverfassung 2004 von den Vereinten Nationen als rechtswissenschaftlicher Berater in den Verfassungsprozess einbezogen. Er ist durch ähnlich gelagerte Projekte, die er seit vielen Jahren im Sudan durchführt, in der Region bekannt. In Somalia begleiten er und sein Forscherteam die somalische Übergangsregierung seit 2007 mit Workshops und juristischen Schulungen. Ziel ist es, die somalischen Akteure neutral über verschiedene verfassungsrechtliche Möglichkeiten zu informieren und sie vorzubereiten, eine eigene Wahl ihrer Regierungsform zu treffen.

Langfristig gelte es, so Rüdiger Wolfrum, für den Verfassungsprozess alle politischen Akteure in Somalia einzubeziehen. Der Rücktritt des Präsidenten Abdullahi Yussuf Ende des Jahres 2008 hat neue Bewegung in diesen Prozess gebracht, denn der neue Übergangspräsident Scheich Scharif Ahmed gilt als gemäßigter Islamist. Die Einbeziehung der von ihm vertretenen "Alliance for the Reliberation of Somalia" in Regierung und Parlament gibt Anlass zur Hoffnung.

Im Gespräch mit Annette Weber, die über Staatlichkeit am Horn von Afrika forscht, stellt sich die Frage: Wie groß sind unter diesen Umständen die Chancen, den Friedensprozess auf juristischem Weg wieder in Gang zu bringen? Ist der Export des in abendländischen Denktraditionen entwickelten Modells vom Rechtsstaat überhaupt möglich? Und in welchem Zusammenhang stehen Piraterie und die somalische Staatsbildung?

Die Diskussion ist die erste Veranstaltung einer neuen Gesprächsreihe der Max-Planck-Gesellschaft, die vier Mal jährlich in Berlin stattfindet. ‚Max-Planck-Thema’ diskutiert aktuelle politische, wirtschaftliche und soziale Fragen vor dem Hintergrund von Ergebnissen und Ansätzen der Spitzenforschung, die die Max-Planck-Gesellschaft in 79 Instituten in Deutschland und im Ausland betreibt. Zu Wort kommen Experten aus Naturwissenschaft, Geistes- und Sozialwissenschaft.

Es diskutieren:
Prof. Dr. Dr. h.c. Rüdiger Wolfrum
Seit 1993 Direktor am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht, Heidelberg und seit 1996 Richter am Internationalen Seegerichtshof, Hamburg.
Dr. Annette Weber
Seit 2007 Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin in den Forschungsfeldern Subsahara-Afrika, insbesondere Horn von Afrika und Ostafrika.
Moderation:
Dr. Constanze Stelzenmüller
Seit 2005 Leiterin des das Berliner Büros des German Marshall Fund of the United States. Zuvor Redakteurin bei der Wochenzeitung DIE ZEIT mit den Themenschwerpunkten Verteidigungs- und Sicherheitsfragen.
Termin: 3.3.2009, 19 Uhr
Ort: Reinhardtstraßen-Höfe, Reinhardtstraße 14, 1011 Berlin-Mitte
Eintritt frei

Dr. Christina Beck | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Höher - schneller - weiter: Der Faktor Mensch in der Luftfahrt
20.09.2017 | Haus der Wissenschaft Braunschweig GmbH

nachricht Wälder unter Druck: Internationale Tagung zur Rolle von Wäldern in der Landschaft an der Uni Halle
20.09.2017 | Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Höher - schneller - weiter: Der Faktor Mensch in der Luftfahrt

20.09.2017 | Veranstaltungen

Wälder unter Druck: Internationale Tagung zur Rolle von Wäldern in der Landschaft an der Uni Halle

20.09.2017 | Veranstaltungen

7000 Teilnehmer erwartet: 69. Urologen-Kongress startet heute in Dresden

20.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Drohnen sehen auch im Dunkeln

20.09.2017 | Informationstechnologie

Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen

20.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Frühwarnsystem für gefährliche Gase: TUHH-Forscher erreichen Meilenstein

20.09.2017 | Energie und Elektrotechnik