Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Personalisierte Medizin im Fokus: Frontiers in Medicinal Chemistry tagt in Tübingen

03.03.2014

Experten der medizinischen Chemie treffen sich vom 16. bis 19. März an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Im Rahmen der Tagung „Frontiers in Medicinal Chemistry“ diskutieren die Teilnehmer über aktuelle Fragen und Forschungsergebnisse auf ihrem Fachgebiet.

In diesem Jahr steht vor allem die personalisierte Medizin im Fokus des Programms. Daneben bilden Entzündungen, Stoffwechselerkrankungen und Diabetes weitere Schwerpunkte der Tagung, die gemeinsam von der Fachgruppe Medizinische Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und der Fachgruppe Pharmazeutische/Medizinische Chemie der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG) veranstaltet wird.

Die Konferenz startet am Sonntag, dem 16. März, mit einem Highlight für Medizinalchemiker: Professor Dr. Hans-Georg Rammensee, Universität Tübingen, hält den Eröffnungsvortrag „Towards Patient-specific Cancer Immunotherapy“.

Der vielfach ausgezeichnete Forscher – er erhielt u.a. 1992 den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft, 1993 den Robert-Koch-Preis, 1996 Paul-Ehrlich-und-Ludwig-Darmstaedter-Preis und 2013 den Deutschen Krebshilfe Preis – adressiert damit das zukunftsweisende Feld der personalisierten Medizin.

Krebszellen weisen auf ihrer Oberfläche Strukturmerkmale auf, die sowohl für die Tumorart, aber auch für den jeweiligen Patienten hochspezifisch und einzigartig sind. Darauf aufbauend erläutert Rammensee in seinem Beitrag wie Medizinalchemiker mit analytischen Verfahren diese Strukturmerkmale identifizieren und anschließend maßgeschneiderte Peptide – kurze Ketten verschiedener Aminosäuren, die selektiv an die identifizierten Strukturen auf der Zelloberfläche binden – synthetisieren können.

Diese Peptide entfalten ihre Wirkung dann zwar nur beim jeweilig untersuchten Patienten, aufgrund ihrer Individualität zeigen sie dafür aber eine äußerst hohe Wirksamkeit. Rammensee geht in seinem Beitrag sowohl auf die Vorzüge der Methode ein, spricht aber auch die Frage der Machbarkeit und bestehende Herausforderungen auf dem Weg zur personalisierten Medizin an.

Die individuellen Unterschiede von Patienten auf zellulärer Ebene thematisiert auch der Beitrag von Professor Dr. Matthias Schwab vom Dr. Margarete Fischer-Bosch-Institut für Klinische Pharmakologie in Stuttgart. Sein Vortrag „Cancer Pharmacogenomics: Impact and Future Perspectives“ greift die Herausforderung auf, dass viele Medikamente – gerade in der Onkologie – ein sehr enges therapeutisches Fenster aufweisen, der Mengenunterschied zwischen einer heilsamen und einer toxischen Wirkung also nur äußerst gering ist.

Die Reaktion eines Patienten auf ein Medikament wird dabei von einer Kombination genetischer Faktoren und von Umwelteinflüssen bestimmt. Medizinalchemiker können die modernen Verfahren der Epigenetik – also die Untersuchung, welche Faktoren die Aktivität eines Gens und damit die Entwicklung der Zelle festlegen – nutzen, um künftig präziser vorherzusagen, wie die Wirkung eines Medikaments auf bestimmte Patientengruppen sein wird. So ermöglichen sie eine individuellere und effektivere Krebstherapie für den einzelnen Erkrankten.

Gegen Ende der Konferenz werden der Innovationspreis in Medizinisch/Pharmazeutischer Chemie und die drei Promotionspreise der GDCh-Fachgruppe vergeben. Der Innovationspreis wurde Junior-Professor Dr. Peter Wich, Universität Mainz, für seine Arbeiten u.a. zu neuartigen Polysaccharid-basierten Materialien für den gezielten Wirkstofftransport oder die Entwicklung dynamischer und bioinspirierter Nanomaterialien zur Untersuchung und Manipulation der Wechselwirkungen in zellulären Umgebungen zuerkannt. Dr. Miriam Sindelar erhält einen Promotionspreis für ihre Doktorarbeit an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dort beschäftigte sie sich mit einem Screening-Verfahren zur Bestimmung der Affinität von Substanzbibliotheken gegenüber einem spezifischen Target (z.B. Proteine oder Rezeptoren).

Sindelar gelang die Erweiterung der Anwendung auf membranständige Targets, was bislang nicht möglich war. Dr. Florian Rechenmacher wird für seine Promotion an der Technischen Universität München ausgezeichnet, in der er selektive Integrin-Inhibitoren synthetisierte und untersuchte. Integrine sind Proteine, die in allen tierischen Zellmembranen vorkommen und u.a. für die Signalübermittlung zwischen den Zellen und ihrer Umgebung verantwortlich sind. Die Veränderung der Bindung zwischen den Integrinen und den sie bindenden Molekülen ist mittlerweile zu einem wichtigen Anliegen der modernen Wirkstoffforschung geworden. Mit Dr. Matthias Wirth erhält ein Chemie-Informatiker einen Promotionspreis. Wirth fertigte seine Arbeit am Merck Serono Forschungszentrum in Genf an und ermöglicht mit seinen Ergebnissen die Anwendung von in-silico Methoden als Filterkriterium für nachfolgende klassische biochemische Screening-Verfahren.

Weitere Informationen zur Konferenz im Internet unter http://www.gdch.de/medchem2014.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Medizinische Chemie mit über 820 Mitgliedern, vornehmlich Chemiker und Pharmazeuten aus Hochschule und Industrie. Die Fachgruppe will Brücken schlagen zwischen Chemie, Biologie, Medizin und Pharmazie. Sie befasst sich gebietsübergreifend mit Fragen der modernen Arzneimittelentwicklung, insbesondere der Wirkstofffindung, der Leitsubstanzoptimierung unter Einbeziehung moderner Technologien wie kombinatorische Synthese, Hochdurchsatz-Screeningsysteme auf der Basis molekularbiologischer Grundlagen, Drug Design, Molecular-Modelling, quantitative Struktur-/Wirkungsanalysen, Pharmakokinetik und Metabolismus.

Weitere Informationen:

http://www.gdch.de

Dr. Renate Hoer | GDCh

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis
21.04.2017 | Gesellschaft für Informatik e.V.

nachricht Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte
21.04.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten