Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Optimierung der Hämophiliebehandlung – EHC-Treffen im Paul-Ehrlich-Institut

16.04.2014

Auf Einladung der europäischen Hämophilie-Patientenorganisation EHC (European Haemophilia Consortium) kamen am Vortag des Welthämophilietages Ärzte, Patienten und Vertreter von Zulassungsbehörden aus mehr als zwölf Ländern ins Paul-Ehrlich-Institut, Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel. Sie diskutierten die neuen Europarats-Empfehlungen zur Optimierung der Hämophilie-Behandlung. Das europäische Treffen im Paul-Ehrlich-Institut (PEI) soll dazu beitragen, dass die Belange der Hämophiliepatienten bei der weiteren Integration und Weiterentwicklung in Europa besser wahrgenommen werden.

Die Hämophilie (Bluterkrankheit) ist eine seltene angeborene Erkrankung, von der in erster Linie Männer (ca. 1 von 10.000) betroffen sind. In den letzten fünf Jahrzehnten wurden in der Forschung kontinuierliche Fortschritte erzielt, sodass heute für die Behandlung sichere und wirksame Blutgerinnungsfaktoren zur Verfügung stehen. Diese können aus menschlichem Plasma oder rekombinant hergestellt werden.

Die Hämophiliebehandlung ist zwar kostenintensiv, jedoch ermöglicht eine konsequente Therapie den Patienten die Aussicht auf eine normale Lebenserwartung und Lebensqualität. Trotz dieser Möglichkeiten gibt es auch heute noch in manchen Ländern Europas bei Hämophiliepatienten schwere Behinderungen durch die Folgen von häufigen Blutungen in Gelenken und Muskeln und frühen Tod, z.B. durch Hirnblutungen.

Während einige Länder angesichts begrenzter Ressourcen im Gesundheitssystem Schwierigkeiten haben, die heute vorhandenen medizinischen Möglichkeiten zu nutzen, gerät in anderen Ländern der bisher erreichte Standard aus ökonomischen Gründen unter Druck.

Das Paul-Ehrlich-Institut arbeitet als eine der führenden Arzneimittelbehörden in Europa für die Sicherstellung der Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit von Arzneimitteln zur Behandlung der Hämophilie. Zusammen mit dem European Directorate for the Quality of Medicines and Health Care (EDQM, Straßburg) und der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München hat das PEI 2013 ein internationales Symposium in Wildbad Kreuth ausgerichtet, bei dem Empfehlungen zur Optimierung der Hämophiliebehandlung erarbeitet wurden.

Das EDQM erreicht als Einrichtung des Europarates über das Gebiet der EU hinaus 44 Mitgliedstaaten und außereuropäische Länder mit Beobachterstatus wie USA, Kanada und Australien. Dadurch haben die Ergebnisse des Symposiums besonderes Gewicht. Zu den wichtigsten Empfehlungen gehören:

• In jedem Land sollte ein offizielles Gremium für die Hämophiliebehandlung unter Beteiligung von Ärzten, Patientenorganisationen, Ministerien und Behörden sowie Kostenträgern eingerichtet werden.
• Die Wirksamkeit der Hämophiliebehandlung hängt von der verfügbaren und eingesetzten Menge an Gerinnungsfaktoren ab. Es wird empfohlen, dass in jedem Land eine Mindestmenge (3 Internationale Einheiten –IE – pro Einwohner) verfügbar sein sollte. In Ländern wie Deutschland oder Schweden stehen mehr als 7 IE pro Einwohner zur Verfügung.
• Bei der Entscheidung über die Beschaffung von Gerinnungsfaktoren sollten nicht nur die Kosten berücksichtigt werden. Angesichts der dramatischen Erfahrung mit der Übertragung von Virusinfektionen auf viele Hämophiliepatienten in den 90ger Jahren sind die Qualität und Wirksamkeit der Präparate von auschlaggebender Bedeutung. Neue Produkte können potenziell Vorteile in der Behandlung bringen.
• Eine vorbeugende Behandlung (Prophylaxe) von Kindern mit dem Ziel, von vorneherein Blutungen und daraus resultierende Behinderungen weitgehend zu verhindern, ist heute anerkannter Standard. Eine Prophylaxe sollte auch bei Erwachsenen, abhängig von der individuellen Lage des Patienten und der Beurteilung des Arztes, angeboten werden.

Das EHC setzt sich dafür ein, dass die Empfehlungen des Europarates weiter verbreitet und in ganz Europa umgesetzt werden. Das Ziel ist es, dadurch die schwierige Situation von vielen Hämophilie-Patienten in Europa nachhaltig zu verbessern. „Wir freuen uns, dass das Paul-Ehrlich-Institut vom EHC als Ort der Veranstaltung ausgewählt wurde und damit zur Umsetzung der Empfehlungen beitragen konnte“, sagte Prof. Dr. Rainer Seitz, Leiter der Abteilung Hämatologie/Transfusionsmedizin des Paul-Ehrlich-Instituts, der zusammen mit seinen Kolleginnen Dr. Anneliese Hilger und Dr. Jaqueline Kerr an der Entwicklung der Europarats-Empfehlungen beteiligt war.

Das Paul-Ehrlich-Institut in Langen bei Frankfurt am Main ist als Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG). Es erforscht, bewertet und lässt biomedizinische Human-Arzneimittel und Veterinär-Impfstoffe zu und ist für die Genehmigung klinischer Prüfungen sowie die Pharmakovigilanz – Erfassung und Bewertung möglicher Nebenwirkungen – zuständig. Die staatliche Chargenprüfung, wissenschaftliche Beratung/Scientific Advice und Inspektionen gehören zu den weiteren Aufgaben des Instituts. Unverzichtbare Basis für die vielseitigen Aufgaben ist die eigene experimentelle Forschung auf dem Gebiet der Biomedizin und der Lebenswissenschaften. Das Paul-Ehrlich-Institut mit seinen rund 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nimmt zudem Beratungsfunktionen in nationalem (Bundesregierung, Länder) und internationalem Umfeld (Weltgesundheitsorganisation, Europäische Arzneimittelbehörde, Europäische Kommission, Europarat und andere) wahr.

Weitere Informationen:

http://www.pei.de/DE/infos/presse/pressemitteilungen/2014/06-optimierung-haemoph...
http://www.pei.de
http://www.ehc.eu/

Dr. Susanne Stöcker | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni
24.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet
24.05.2017 | Deutsche Diabetes Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften