Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neurowissenschaftler diskutieren in Homburg die Funktionen spezialisierter Hirnzellen

07.10.2015

Wie arbeitet unser Gehirn? Welche der rund 160 Milliarden Zellen im Gehirn übernehmen bestimmte Funktionen? Und was bedeutet dies mit Blick auf Krankheiten wie Demenz und Schlaganfall?

Diese Fragen diskutieren 80 nationale und internationale Neurowissenschaftler vom 8. bis 10. Oktober im Homburger Centrum für Integrative Physiologie und Molekulare Medizin (CIPMM).Eingeladen dazu haben Professor Frank Kirchhoff von der Universität des Saarlandes und Professorin Christine Rose von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, die seit zwei Jahren ein Schwerpunktprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zu diesem Thema leiten.


Moderne chemische und genetische Färbetechniken zeigen die Gestalt und Vielfalt der Astrozyten, deren feinste Fortsätze die Funktion des Gehirns kontrollieren.

Professor Christine Rose, Universität Düsseldorf


Oligodendrozyten haben parallel orientierte Fortsätze, die die Aktivität der Nervenfasern bestimmen.

Dr. Wenhui Huang, CIPMM, Universität des Saarlandes

Die Forscher untersuchen dabei sogenannte Gliazellen, die neben den Neuronen die wichtigste Gruppe von Hirnzellen darstellen. „Moderne bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomografie oder die Diffusions-Tensor-Bildgebung (DTI) helfen uns dabei, die funktionellen Details des Gehirns darzustellen und zu analysieren. Sie geben uns neue, aufregende Einblicke in das Gehirn und erlauben uns, besser zu verstehen, wie der Mensch Informationen verarbeitet“, sagt Frank Kirchhoff, Professor für Molekulare Physiologie der Universität des Saarlandes.

Lange Zeit sei die Forschung davon ausgegangen, dass im Gehirn nur die Nervenzellen an der Informationsübertragung beteiligt seien. Die Gliazellen sah man lediglich als Stützzellen an. “Unsere Forschungen zeigen ein anderes Bild: Gliazellen sind zum Beispiel an physiologischen Prozessen im Kleinhirn beteiligt. Es gibt außerdem mehrere Typen von Gliazellen, die verschiedene Proteine herstellen und unterschiedliche Formen der Signalübertragung und des Molekültransports nutzen“, erläutert Kirchhoff.

Forschungsarbeiten der Wissenschaftler aus ganz Deutschland zeigen die Vielfalt der Gliazellen auf. „Die sogenannte radiale Glia stellen Stammzellen während der Hirnentwicklung dar. Deren gezielte Umprogrammierung im erwachsenen Gehirn wird als eine reale Therapie-Option bei Parkinson- oder Schlaganfall-Patienten angesehen. Hingegen bestimmen Bergmann Gliazellen des Kleinhirns unsere Feinmotorik“, erläutert Professor Kirchhoff.

Oligodendrozyten wiederum seien für die Reizweiterleitung in den Nervenfasern zuständig. Komplizierte Lernprozesse wie beim Jonglieren seien ohne ihre Mitarbeit nicht möglich. „Damit haben Gliazellen spezifische Funktionen entwickelt, um in den unterschiedlichen Hirnarealen jeweils andere Aufgaben erfüllen zu können“, so der Neurowissenschaftler.

In dem DFG-Schwerpunktprogramm „Functional Specialisations of Neuroglia as Critical Determinants of Brain Activity“ forschen hierfür Biochemiker, Chemiker, Genetiker, Molekularbiologen, Neurobiologen, Physiker und Physiologen aus ganz Deutschland eng verzahnt in kleineren Teilprojekten zusammen. Das Vorhaben wird zunächst mit rund sechs Millionen Euro in den ersten drei von insgesamt sechs Jahren gefördert.

Bei der Tagung in Homburg werden die Ergebnisse aus den ersten beiden Projektjahren präsentiert und gemeinsam mit internationalen Forschern diskutiert. Die Erkenntnisse der Neurowissenschaftler sollen dazu beitragen, die Prozesse im Hirn genauer zu verstehen, um künftig bessere Therapien für Krankheiten wie Schlaganfall, Hirntumore oder Multiple Sklerose zu entwickeln.

Neben der Universität des Saarlandes und der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf sind zwölf weitere deutsche Universitäten sowie renommierte Forschungseinrichtungen wie das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin, das Helmholtz-Zentrum München oder das Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin in Göttingen an dem Verbundprojekt beteiligt.

Pressefotos für den kostenlosen Gebrauch finden Sie unter:
www.uni-saarland.de/pressefotos. Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen.

Die ersten Ergebnisse aus dem DFG-Schwerpunktprogramm haben die Wissenschaftler vor kurzem in dem Themenheft „Gliazellen“ der Zeitschrift „Neuroforum“ publiziert:
http://networkglia.eu/sites/networkglia.eu/files/pdf/neuroforum/2015-3.pdf


Fragen beantworten:

Prof. Dr. Frank Kirchhoff
Molekulare Physiologie
Centrum für Integrative Physiologie und Molekulare Medizin (CIPMM)
Universität des Saarlandes
Tel.: 06841 16-16440
E-Mail: frank.kirchhoff@uks.eu

Prof. Dr. Christine R. Rose
Institut für Neurobiologie
Heinrich Heine Universität Düsseldorf
Tel.: 0211 81-13416
E-Mail: rose@uni-duesseldorf.de

Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Sie können Telefoninterviews in Studioqualität mit Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes führen, über Rundfunk-Codec (IP-Verbindung mit Direktanwahl oder über ARD-Sternpunkt 106813020001). Interviewwünsche bitte an die Pressestelle (0681/302-3610) richten.

Friederike Meyer zu Tittingdorf | Universität des Saarlandes

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt
23.01.2017 | Haus der Wissenschaft Braunschweig GmbH

nachricht Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen
20.01.2017 | Ernst-Abbe-Hochschule Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde

23.01.2017 | Geowissenschaften

Immunabwehr ohne Kollateralschaden

23.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie