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Neue Therapien gegen Volkskrankheit Lungenentzündung

26.03.2012
In Deutschland erkranken jährlich etwa 750 000 Menschen an einer Lungenentzündung oder Pneumonie. Davon müssen 240 000 Fälle stationär behandelt werden, jeder zehnte Betroffene stirbt trotz Antibiotikatherapie.

Die ambulant erworbene Pneumonie oder „community acquired pneumonia“ (CAP) entspricht in ihren Ausmaßen einer Volkskrankheit wie Herzinfarkt und Schlaganfall, stellt die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) fest. Um der Krankheit in Zukunft wirksamer begegnen zu können, entwickeln Experten derzeit neue Behandlungsansätze. Diese stellen sie auf dem 118. Internistenkongress in Wiesbaden vor.

Bereits im Jahr 1938 untersuchten die englischen Wissenschaftler Mary Evans und Wilfrid Gaisford in einer plazebo-kontrollierten Studie die Wirksamkeit einer Antibiotikatherapie zur Behandlung von Lungenentzündungen. Wie die Forscher feststellten, starben ohne Antibiotika 27 Prozent der Patienten, mit Antibiotika waren es acht Prozent. „Seit 70 Jahren hat sich an den Zahlen kaum etwas verändert“, erklärt im Vorfeld des 118. Internistenkongresses Professor Dr. med. Norbert Suttorp aus Berlin. „Auch heute sterben circa zehn Prozent der im Krankenhaus behandelten Patienten trotz rechtzeitiger und treffender Antibiotikagabe, wir brauchen deshalb dringend moderne therapeutische Ansätze als Ergänzung zur Antibiotikatherapie“, fordert der Direktor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Bei einer Pneumonie handelt es sich um eine Entzündung des Lungengewebes, verursacht durch Bakterien, Viren oder Pilze. „Einem UNICEF-Report zufolge tötet die CAP weltweit mehr Kinder unter fünf Jahren als Malaria, AIDS und Masern zusammen“, sagt der DGIM-Vorsitzende und Kongresspräsident Professor Dr. med. habil. Joachim Mössner aus Leipzig. Im Unterschied zu den ambulant erworbenen Pneumonien ziehen sich Patienten die sogenannten „nosokomialen“ Pneumonien während oder nach einem Krankenhausaufenthalt zu. Hieran erkranken in Deutschland rund 200 000 Patienten im Jahr.

Um neue Strategien zu entwickeln, erforschen Suttorp und sein Team in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Sonderforschungsbereich (SFB TRR 84), wie Krankheitserreger die Lunge angreifen und wie das Organ diesen Attacken begegnet. „Die Lunge muss minütlich den Gasaustausch gewährleisten und gleichzeitig die Krankheitserreger abwehren“, erklärt Suttorp, der auch Mitglied der DGIM-Task Force „Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin“ ist. Die Immunabwehr sei bei einer Pneumonie ganz anders organisiert als zum Beispiel bei einer Entzündung des Bauchfells.

Die Wissenschaftler erforschen unter anderem Eiweißstoffe, sogenannte antimikrobielle Peptide, die vom Lungenepithel „exprimiert“ werden, um Krankheitserreger abzuwehren. Sie untersuchen auch, warum Patienten etwa nach einem Schlaganfall derart abwehrgeschwächt sind, dass sie sich leicht eine Pneumonie zuziehen. Außerdem wollen sie klären, woher Immunzellen wissen, ob Bakterien lebendig oder tot sind und die Abwehr entsprechend regulieren. „Wir sind zuversichtlich, dass wir mit unseren Ansätzen neue Erkenntnisse sammeln werden, die letztlich dem Patienten zugute kommen“, so Suttorp.

Über neueste Erkenntnisse zur Immunität der Lunge berichtet Professor Suttorp in einer Sondersitzung und in einer Pressekonferenz der DGIM im Rahmen des 118. Internistenkongresses. Die Jahrestagung der DGIM findet vom 14. bis 17. April 2012 in den Rhein-Main-Hallen in Wiesbaden statt.

Terminhinweise:

Samstag, 14. April 2012, 12.00 bis 13.00 Uhr, Rhein-Main-Hallen, Saal 12 D
Eröffnungs-Pressekonferenz der DGIM
Eines der Themen:
Von der Lunge lernen: Mechanismen der angeborenen Immunität der Lunge verstehen und für Patienten nutzen

Referent: Professor Dr. med. Norbert Suttorp, Berlin

Samstag, 14. April 2012, 16.00 bis 17.30 Uhr, Rhein-Main-Hallen, Saal 1A/3
Sonderforschungsbereiche: SFB TRR 84
Angeborene Immunität der Lunge: Mechanismen des Pathogenangriffs und der Wirtsabwehr in der Pneumonie
Kontakt für Journalisten:
Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM)
Pressestelle
Anne-Katrin Döbler
Anna Julia Voormann
Corinna Spirgat
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-552
Telefax: 0711 8931-167
voormann@medizinkommunikation.org

Anna Julia Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgim.de
http://www.dgim2012.de

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