Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Natur als Lehrmeister nutzen

12.04.2011
Materialwissenschaftler treffen sich am 13./14. April zur „Euro BioMat 2011“ in Jena

Wenn es um Biomaterialien geht, denken die meisten Menschen wohl an künstliche Hüftgelenke oder Zahnimplantate. Doch auch eine von Muscheln überwucherte Schiffswand gehört dazu. „Alle von Menschen hergestellten Materialien, die Grenzflächen mit Kontakt zu einem biologischen System haben, werden als Biomaterialien bezeichnet“, sagt Prof. Dr. Klaus Jandt von der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Für Biomaterialien gibt es eine Fülle von Einsatzmöglichkeiten und deshalb wächst dieses Feld sehr stark, konstatiert der Jenaer Materialwissenschaftler Jandt. Über den aktuellen Stand und die Entwicklungen der Zukunft tauschen sich Materialwissenschaftler aus 30 Ländern am 13. und 14. April bei der Euro BioMat 2011 in Jena aus. Das zweitägige Symposium vereint 270 Wissenschaftler aus Europa und Übersee und dürfte damit die bislang größte internationale Veranstaltung zu diesem Thema in Thüringen werden. Ausgerichtet wird das „European Symposium on Biomaterials and Related Areas“ von der Deutschen Gesellschaft für Materialkunde (DGM) mit Sitz in Frankfurt/M. Klaus Jandt, bei der BioMat aktuell Tagungspräsident, leitet den Fachausschuss Biomaterialien der DGM.

„Weltweit führend bei der Entwicklung von Biomaterialien sind die USA, China, Japan und Großbritannien“, schätzt Jandt ein und fährt fort: „Jena ist einer der führenden Standorte für Biomaterialien in Deutschland“. Es dürfe deshalb als Erfolg gewertet werden, dass Experten aus diesen Ländern zur Jenaer Tagung kommen werden, obwohl deren Fokus auf Europa gerichtet ist.

Zu den Höhepunkten rechnet Prof. Jandt den Vortrag von Prof. Thomas Webster von der Brown University aus Providence, USA. Webster spricht über den Einsatz von Nanotechnologie in der regenerativen Medizin und künftige Entwicklungen.

Die Wissenschaftler von der Universität Jena präsentieren neuartige Beschichtungen für Implantate, mit denen durch Nanostrukturen das Zell- und Bakterienwachstum beeinflusst werden kann. „Bei Dauerimplantaten sollen sich die Zellen möglichst rasch an der Oberfläche ansiedeln“, sagt Prof. Jandt. Der gegenteilige Effekt sei hingegen bei Schraubverbindungen erwünscht, wie sie nach Knochenbrüchen für eine Zeitlang im Körper verbleiben.

Die zweite Jenaer Innovation ist eine Nanofaser aus körpereigenem Eiweiß, die gerade einmal einen Nanometer dick ist – also ein Millionstel Millimeter stark. Aus dieser Faser entwickeln die Materialwissenschaftler von der Uni Jena Schwamm-Strukturen, die als Knochen-Ersatz zum Einsatz kommen sollen. „Wir stehen an der Schwelle zur klinischen Erprobung des neuen Materials“, sagt Klaus Jandt. Abgeschaut werden dabei die Bauprinzipien der Natur. Ziel ist es, künstlich Knochen und Knorpel herzustellen. Angesichts einer zunehmend älter werdenden Bevölkerung in den Industrieländern ein Wachstumsmarkt mit enormem Potenzial.

Weitere Informationen zur Tagung unter: www.dgm.de/dgm/biomat/.

Terminhinweis:
„European Symposium on Biomaterials and Related Areas“ (Euro BioMat 2011)
13. und 14. April 2011
Steigenberger Hotel Esplanade, Jena
Der Rektor der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Prof. Dr. Klaus Dicke, begrüßt die Teilnehmer am 13. April um 9.00 Uhr.
Kontakt:
Prof. Dr. Klaus D. Jandt
Institut für Materialwissenschaft und Werkstofftechnologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Löbdergraben 32, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 947730
E-Mail: K.Jandt[at]uni-jena.de

Stephan Laudien | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgm.de/dgm/biomat/
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt
23.01.2017 | Haus der Wissenschaft Braunschweig GmbH

nachricht Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen
20.01.2017 | Ernst-Abbe-Hochschule Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde

23.01.2017 | Geowissenschaften

Immunabwehr ohne Kollateralschaden

23.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie