Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Natur heilt alle Wunden

11.10.2011
DFG-Schwerpunktprogramm zu selbstheilenden Materialien („Design and Generic Principles of Self-healing Materials“) startet mit einer Tagung an der Universität Jena (13./14.10.)

Äußerlich betrachtet wirken sie höchst zerbrechlich. Doch sie überraschen mit erstaunlicher Widerstandsfähigkeit: Muscheln, die an Schiffsrümpfen, Brückenpfeilern oder Molen wachsen und Wind und Wetter ebenso trotzen wie der Kraft der Gezeiten. „Möglich ist das durch ihre Fähigkeit, sich und ihre Verankerungen permanent zu regenerieren und auftretende Verletzungen zu heilen“, macht Dr. Martin Hager von der Friedrich-Schiller-Universität Jena deutlich.

Welche molekularen Mechanismen dieser Fähigkeit von Muscheln und anderen Organismen zugrundeliegen und wie dies auf synthetische Materialien übertragbar ist, wollen der Chemiker und seine Kollegen vom Institut für Organische Chemie und Makromolekulare Chemie (IOMC) in der kommenden Woche gemeinsam mit nationalen und internationalen Partnern diskutieren: Am 13. und 14. Oktober haben sie dafür zu einer Tagung in die Rosensäle der Jenaer Universität eingeladen.

Mit dem „Kick-off Meeting“ nimmt das neue Schwerpunktprogramm (SPP) „Selbstheilende Materialien“ an der Universität Jena seine Arbeit auf. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Programm, in dem zwölf Projekte von Forschungsgruppen aus ganz Deutschland und den Niederlanden in den kommenden drei Jahren zusammenarbeiten, in diesem Zeitraum mit über 5 Millionen Euro. „Unser Ziel ist es, die chemischen und physikalischen Grundlagen zu entschlüsseln, die die Natur zur Selbstheilung nutzt, und diese langfristig auf verschiedene von Menschen hergestellte Materialien anzuwenden“, sagt Dr. Hager, der als wissenschaftlicher Administrator die Zusammenarbeit im SPP koordiniert.

Beispiele für effiziente Reparatur- und Regenerationsmechanismen lassen sich in der Natur in großer Zahl finden, unterstreicht Prof. Dr. Ulrich S. Schubert. „Das reicht vom abgeknickten Zweig einer Pflanze bis zum gebrochenen Arm eines Menschen“, so der Direktor des IOMC sowie des „Jena Center für Soft Matter“ der Universität und Koordinator des DFG-Schwerpunktprogramms. „Diese Prinzipien der Selbstheilung haben sich im Laufe der Evolution entwickelt und sind permanent optimiert worden.“ Deshalb versprechen sich die Forscher von der Natur zahlreiche ausgereifte Ideen dafür, wie sich Werkstoffe wie Polymere, Metalle, Keramiken oder Beton so konzipieren lassen, dass sich im Falle mechanischer Schäden ihre Funktion von selbst ganz oder teilweise regeneriert. Anwendungsbeispiele sehen die Forscher vor allem im Bereich langlebiger Baumaterialien und stark beanspruchter Oberflächen: Vom selbstheilenden Straßenbelag oder Autolack, bis zur Beschichtung von Flugzeugturbinen oder Windkraftanlagen.

Während der Jenaer Tagung werden Vertreter aller beteiligten Projekte ihre Forschungsvorhaben vorstellen. Insgesamt befassen sich zehn Projekte mit selbstheilenden Polymeren und zwei weitere Projekte mit selbstheilenden Keramiken. „Uns geht es vor allem darum, Synergien zwischen den einzelnen Gruppen herzustellen und so die interdisziplinäre Herangehensweise an das Thema zu forcieren“, so Schubert.

Kontakt:
Dr. Martin Hager, Prof. Dr. Ulrich S. Schubert
Institut für Organische Chemie und Makromolekulare Chemie der Universität Jena, Jena Center for Soft Matter (JCSM)
Humboldtstraße 10, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 948227, 03641 / 948201
E-Mail: martin.hager[at]uni-jena.de, ulrich.schubert[at]uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de/
http://ww.spp1568.uni-jena.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen
20.01.2017 | Ernst-Abbe-Hochschule Jena

nachricht Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens
19.01.2017 | Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise