Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nahrungsmittelkrise und menschenwürdige Arbeit in Entwicklungsländern

03.07.2012
Nahrungsmittel wurden für den Großteil der armen Weltbevölkerung in den vergangen Jahren fast unbezahlbar. Eine internationale Tagung des ICDD fragt nach den Folgen für die Abeitsbedingungen entlang der Produktions- und Handelskette.

In den vergangenen Jahren wurden für einen Großteil der Bevölkerung in Entwicklungsländern die Nahrungsmittel fast unerschwinglich. Während arme Stadtbewohner ihre Ernährung auf die einfachsten Grundnahrungsmittel umstellen müssen, leidet die Landbevölkerung an existentiellem Hunger. Dabei arbeitet die Mehrzahl der Hungernden (mehr als eine halbe Milliarde weltweit) – paradoxerweise - in der Landwirtschaft.

Während die Ursachen der Explosion der Nahrungsmittelpreise bereits diskutiert und erforscht werden, will die Kasseler Tagung erstmals die Folgen für die Arbeitswelt klären. Eigentlich wäre zu vermuten, dass bessere Preise für Nahrungsmittel die Entwicklungschancen für die Landwirtschaft und die dortigen Arbeitsbedingungen verbessern. Doch die Masse der Lebensmittelproduzenten scheint keinen Vorteil daraus ziehen zu können, da die Erzeuger gegenüber den Einkäufern offenbar zu wenig Verhandlungsmacht haben.

Die Jahreskonferenz 2012 des International Center for Development and Decent Work (ICDD) vom 4. bis 6. Juli in Kassel widmet sich dem Thema „Die Nahrungsmittelkrise - Folgen für menschenwürdige Arbeit in ländlichen und städtischen Regionen“ und diskutiert Strategien, wie der Krise entgegenzuwirken ist.

Die südafrikanische Soziologin Jacklyn Cock greift diese Problematik in ihrem Eröffnungsvortrag zur Ernährungsunsicherheit in der Millionenmetropole Johannesburg auf. Ihr Beitrag wird die skandalöse Tatsache aufzeigen, dass viele Familien in der immer noch goldfördernden Region sich nicht regelmäßig satt essen können: Jedes vierte Kind weise aufgrund von Unterernährung Zeichen von gehemmtem Wachstum auf. Neben dem Erbe der Apartheid nennt sie als Ursache die Kontrolle, die die multinationalen Lebensmittelkonzerne über die Herstellung und Verteilung von Lebensmitteln ausüben. Die geringen Preise, die die Kleinbauern für ihre Agrarprodukte von weiterverarbeitenden Firmen erhielten, trieben sie in die Städte, wo sie von denselben Firmen zu überhöhten Preisen ihre Nahrungsmittel kaufen müssten. Auf diese Weise stellen die Preissteigerungen viele Errungenschaften für menschenwürdige Arbeit in Frage. Denn kann Arbeit als menschenwürdig bezeichnet werden, wenn mit ihrer Hilfe kaum das Existenzminimum gesichert ist? Die Lösung für die Kleinbauern in Johannesburg sieht Cock vor allem in der Stärkung regionaler Landwirtschaft im engen Verbund mit der städtischen Bevölkerung.

Ihr Kollege Edward Webster wird von seiner Forschung über die Arbeits- und Lebensbedingungen der Landarbeiter in Südafrika berichten. Für ihn symbolisiert das „Gattertor“ die Lage dieser Arbeiterinnen und Arbeiter, denn auf den großen Farmen herrschen noch feudalistische Verhältnisse. Wohnten unter der Apartheid die Landarbeiterfamilien noch auf den Farmen, so beschäftigen die überwiegend weißen Farmer heute immer mehr Saisonarbeiter. Deren Ernährungslage ist außerhalb der Erntesaison gleichfalls prekär. So schlägt Webster, der bereits ein Jahr als Ela-Bhatt-Gastprofessor in Kassel gelehrt hat, den Bogen von der Ernährungskrise zu den Arbeitsbedingungen, die im Zentrum des Netzwerks des International Center for Development and Decent Work stehen.
Das Machtgefälle entlang der Produktionsketten, mit dem sich die Jahreskonferenz 2012 des ICDD befasst, hat noch nicht Eingang in die Decent-Work-Agenda (Agenda für menschenwürdige Arbeit) der Internationalen Arbeitsorganisation ILO gefunden. Mithilfe der Konferenz versucht das Zentrum somit, richtungsweisende Impulse – nicht nur für die ILO – zu setzen. Siehe auch http://www.uni-kassel.de/einrichtungen/icdd/events/annual-thematic-conference/at...

Hinweis an die Redaktion:
Wenn Sie Interesse an einem Gespräch/Interviewtermin mit einem/r der unten aufgeführten Referent(inn)en haben, bitten wir Sie, dies mit Frau Birgit Felmeden, Tel. 0561/804-7391 oder 0151 6350 3973 (ICDD mobil), zu vereinbaren.

Keynote speakers:

Jacklyn Cock (University of the Witwatersrand, South Africa): Addressing food insecurity in South Africa: Jacklyn.Cock@wits.ac.za

Sue Longley (The International Union of Food, Agricultural, Hotel, Restaurant, Catering, Tobacco and Allied Workers' Associations - IUF): The right to food and rights for workers in the food chain: sue.longley@iuf.org

Christian Hülsebusch (Universität Kassel): Agricultural Development and Job Creation - does science contribute?: c.huelsebusch@ditsl.org

Walter Belik (State University of Campinas, Brazil): The Brazilian Fome Zero Program: walter.belik@fao.com

Frank Hoffer (ILO): Guaranteeing essential health care and basic income security - the concept of the new ILO Social Protection Floors Recommendation: hoffer@ilo.org

Zur Verfügung steht auch:

Prof. Edward Webster (University of the Witwatersrand, South Africa): The Decent Work Deficit Amongst Farm Workers in the Province GAUTENG, South Africa:

Edward.Webster@wits.ac.za

Info
Birgit Felmeden
Universität Kassel
International Center for Development and Decent Work (ICDD)
Geschäftsführende Leitung
Kurt-Schumacher-Straße 2
34117 Kassel
Tel. 0561/804-7391
E-Mail: felmeden@icdd.uni-kassel.de

Dr. Guido Rijkhoek | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-kassel.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht 10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung
26.07.2017 | Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften

nachricht Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln
26.07.2017 | Technische Hochschule Köln

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Robuste Computer für's Auto

26.07.2017 | Seminare Workshops

Läuft wie am Schnürchen!

26.07.2017 | Seminare Workshops

Leicht ist manchmal ganz schön schwer!

26.07.2017 | Seminare Workshops