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Moderne Vampire – Wirkstoff aus Raubwanzen gegen Blutgerinnsel

29.11.2011
5. Kooperationsforum "Drug Development: Strategien, Technologien, Therapien" präsentiert am 1. Dezember in Würzburg
- Wirkstoffentwicklung für Krebs-, Infektions- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Von Antikörper-basierter Forschung bis zu neuen Substanzen aus der Biologie
- 5. Kooperationsforum präsentiert neuartige Ansätze in der Medikamentenentwicklung

Immer älter werden und das bei guter Gesundheit – ein schöner Wunsch. Allerdings nehmen komplexe und altersbegleitende Krankheiten stetig zu. Um Krankheiten ursächlich zu verstehen und zu therapieren, ist es notwendig, die zugrundeliegenden systembiologischen Zusammenhänge, molekularen Targets und regulatorischen Prozesse zu kennen. Über diese Erkenntnisse lassen sich neuartige, spezifischere und oftmals verträglichere Wirkstoffe finden. Das sind Ziele der modernen Medikamentenentwicklung. Damit wissenschaftliche Ergebnisse schneller und effizienter umgesetzt werden, sind Kooperationen und eine enge Verzahnung von Industrie, Wissenschaft und Klinik essenziell.

Der Fokus des 5. Kooperationsforums "Drug Development“ liegt auf der Entwicklung neuer Medikamente für die Bereiche Onkologie, kardiovaskulären Erkrankungen und Infektionskrankheiten. Als Koordinator des internationalen „Netzwerk Life Science“ richtet die Bayern Innovativ GmbH gemeinsam mit dem Rudolf-Virchow-Zentrum der Universität Würzburg das Forum am 1. Dezember 2011 in Würzburg aus. Als strategischer Partner agiert das Unternehmen Roche; weitere Partner sind der Cluster Biotechnologie Bayern und das IGZ Würzburg. Unterstützt wird das Forum durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie.

Experten aus der Pharma-Industrie und der Wissenschaft präsentieren Strategien der Wirkstoffentwicklung, erfolgreiche Kooperationsmodelle in der Pharmaforschung, Technologieplattformen für die effiziente Wirkstoffforschung sowie Beispiele innovativer Wirkstoffe für neue Therapiemöglichkeiten. Dabei stehen Ansätze der Oncogenomic (die systematische Erfassung und Charakterisierung aller mit Krebs zusammenhängenden Gene), der funktionellen Genomik und der Epigenetik für das Finden neuer therapeutischer Zielstrukturen im Vordergrund. Neue Wirkstoffklassen, wie HDAC-Inhibitoren, anti-thrombische Komponenten oder Antikörper gegen bakterielle Infektionen werden vorgestellt.

So präsentiert Prof. Dr. Peter Lichter, Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg, den Ansatz seiner Abteilung Molekulare Genetik: „In den allermeisten Fällen geht Krebs auf Veränderungen im Erbmaterial einer Zelle zurück. Die Arbeiten unserer Abteilung konzentrieren sich auf die Zusammenhänge solcher Veränderungen mit der Tumorentstehung im gesamten Genom einer Zelle. Wir entwickeln dazu besondere Technologien, mit denen sich das Genom charakterisieren lässt.“

Dr. Klaus Bosslet, Head Discovery Oncology bei Roche, stellt aktuelle und zukünftige Therapiemodalitäten in der Onkologie am Beispiel neuartiger, Antikörper-basierter Forschungsansätze vor. Mittels der von Roche entwickelten CrossMab-Technologie lassen sich neue, bi-spezifische Antikörper entwickeln, die gleichzeitig zwei Zielstrukturen binden können. Gerade bei der Behandlung von Krebs, wo verschiedene krankheitsauslösende Zielstrukturen attackiert werden sollen, bieten diese Moleküle Vorteile gegenüber herkömmlichen Antikörpern. Sie zeichnen sich insbesondere durch geringe Immunogenität und gute pharamakologische Eigenschaften aus.

Prof. Dr. Bernd Nieswandt, Lehrstuhl für Experimentelle Biomedizin, Rudolf-Virchow-Zentrum, Universität Würzburg berichtet über die Entwicklung eines Wirkstoffes gegen den Blutgerinnungsfaktor XII. Von blutsaugenden Organismen wie Zecken und Blutegeln sind gerinnungshemmende Stoffe lange bekannt. Beim aus der Raubwanze Triatoma infestans entdeckten Protein Infestin-4 ist neu, dass es in der Gerinnungskaskade den Blutgerinnungs-faktor XII hemmt, dadurch die gefährliche Thrombusbildung bei Schlaganfall und Herzinfarkt verhindert, gleichzeitig jedoch die Blutstillung nicht beeinflusst – ein wesentlicher Vorteil gegenüber herkömmlichen Mitteln wie Heparin oder Marcumar.

Ziel des Forums ist es, über aktuelle Entwicklungen innovativer Arzneimittel zu berichten und die relevanten Partner aus den Wertschöpfungsketten zusammenzuführen. In Verbindung mit der begleitenden Fachausstellung, bei der Firmen und Institute ihre neuartigen Produkte, Technologien und Dienstleistungen aus den Bereichen Wirkstoffentwicklung und -forschung, klinische Entwicklung, Diagnostik und Analytik vorstellen, bietet das Forum eine ideale Plattform zum Erfahrungs- und Wissensaustausch und zur Erschließung neuer Kooperationen und Anwendungsfelder.

Aktuell sind über 160 Teilnehmer aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz bereits angemeldet, u. a. von den Unternehmen Avestin, Bayer Pharma, BD Biosciences, BioFocus/Galapagos, Boehringer Ingelheim, Cfm Oskar Tropitzsch, Cisbio Bioassays, EMP Genetech, Exosome Diagnostics, Martin Bauer, Max Planck Innovation, Medicon, Notox, Patrys, Promega, Roche, R. P. Scherer, Sercona, Thermo Fisher Scientific, vasopharm, Unilever und 4SC. Des Weiteren sind wissenschaftliche Einrichtungen aus Bayreuth, Erlangen, Gießen, Heidelberg, München und Würzburg vertreten.

Veranstaltungshinweis
Am Vortag, 30. November 2011, können Teilnehmer ausgewählte Forschungsbereiche des Rudolf-Virchow-Zentrums sowie der translationalen Forschung im Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg und dem Comprehensive Cancer Center Mainfranken besichtigen sowie Kontakte beim Get-together vertiefen.
Nähere Informationen:
http://bayern-innovativ.de/drugdevelopment2011/rahmenprogramm

Dr. Petra Blumenroth | idw
Weitere Informationen:
http://www.bayern-innovativ.de/drugdevelopment2011

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