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Mobile Payment und NFC: Wo steht Deutschland?

08.01.2009
Internationaler Vergleich und Best Practices auf der MCTA 2009

Das Bezahlen mit dem Handy ist bislang in Deutschland eine Geschichte ohne (gutes) Ende. Herrschte Anfang 2008 Aufbruchstimmung auf dem deutschen M-Payment-Markt, weil eine Reihe neuer Anbieter stark in den Markt drängten, ist ein Jahr später fast ausschließlich von der aufkommenden Near Field Communication-Technologie (NFC) die Rede.

Die Konferenz MCTA 2009 analysiert am 26. und 27. Januar den Status des deutschen M-Payment-Marktes im internationalen Vergleich.

Vor einem Jahr wurde viel vom Aufbruch auf dem deutschen M-Payment-Markt gesprochen. Der Grund war, dass mit Vodafone und O2 zwei Mobilfunkanbieter, mit der Deutschen Telekom der größte Festnetzanbieter und mit Contopronto AS ein sehr aktiver spezialisierter M-Payment Dienstleister mit ihren mobilen Bezahlverfahren auf den Markt drängten. Was ist davon nach Jahresfrist geblieben? Wie hat sich der Markt entwickelt? Und wie wird sich die Zukunftstechnologie NFC auswirken? Dies ist Thema auf der 9. Konferenz Mobile Communications - Technologien und Anwendungen (MCTA 2009), die am 26. und 27.01. erstmals in Berlin stattfindet.

Verbreitung der Bezahlverfahren fehlt nach wie vor

Sowohl dem Verfahren "mpass", der bisher auf die Abrechnung im E-Commerce beschränkten Kooperation von Vodafone und O2, als auch dem Verfahren "Call & Pay flexible" der Deutschen Telekom, mit dem an Automaten gezahlt werden kann, und ebenso dem Verfahren "Luupay" der Contopronto AS, das auch Zahlungen zwischen Endkunden ermöglicht, fehlt bisher die Verbreitung. "Ich würde mir eine konsequentere Strategie bei der Marktdurchdringung wünschen", so Dr. Key Pousttchi, Leiter der Forschungsgruppe wi-mobile der Universität Augsburg und Veranstalter der MCTA. Er bemängelt vor alllem, dass in nahezu allen westlichen Märkten das Wertschöpfungsnetz und die Entwicklung der Verfahren keinem ganzheitlichen Ansatz folgen. Dieses Problem wird noch gravierender, wenn NFC-Technologie in den Märkten verfügbar wird: "Die Komplexität des M-Payment-Problems wird von Banken wie von Mobilfunkanbietern immer noch massiv unterschätzt", so Pousttchi. "Mobile Bezahlverfahren müssen bis ins Detail durchdacht sein. Andernfalls scheitern sie beim Nutzer - egal wie fortschrittlich die Technologie ist." Auf der anderen Seite ist die Attraktivität mobiler Bezahlverfahren für Kunden und Händler nach wie vor ungebrochen - es fehlen nur die richtigen Verfahren.

NFC als Schlüsseltechnologie für das M-Payment

Inzwischen setzen viele M-Payment-Anbieter weltweit auf Near Field Communication (NFC), einen RFID-Ableger, der künftig in allen Mobiltelefonen und Kassenterminals zu finden sein soll. Die GSMA, weltweite Vereinigung der Mobilfunkanbieter, setzt mit ihrer "Pay-Buy-Mobile"-Initiative darauf, die NFC-Kundendaten auf der SIM-Karte zu speichern, alternativ wäre dies jedoch auch in einem speziellen Speicherbereich des Mobiltelefons oder in einer Anwendung möglich. Die Augsburger Forschungsgruppe wi-mobile wird auf der MCTA einen Überblick über die derzeitigen NFC-Aktivitäten in Deutschland und darüber hinaus bieten. Außerdem wird ein Intensiv-Workshop angeboten, bei dem der NFC-Experte Gerald Madlmayr, NFC Research Lab Hagenberg, in Technologie und Einsatzszenarien von NFC für Payment und Marketing einführt.

"Der japanische Markt hat vier Jahre Vorsprung."

Ein Markt, auf dem kontaktlose Zahlungen mit dem Mobiltelefon seit Jahren funktionieren, ist Japan. Hier unterstützen nicht nur 90 Prozent der Mobiltelefone bereits schnelle 3G-Datenkommunikation (und 40 Prozent der MNO-Umsätze werden mit Daten gemacht), sondern auch bereits die Hälfte der Geräte verfügt über einen FeliCa-Bezahlchip. FeliCa wurde von Sony entwickelt und ist der de facto-Standard in der japanischen NFC-Industrie. Erste Geräte wurden bereits im Juli 2004 von NTT DoCoMo, dem größten Mobilfunkbetreiber eingeführt. Inzwischen wurden nicht nur über 53 Millionen Handys mit FeliCa in Japan verkauft, sondern es gibt auch bereits 70 Firmen, die FeliCa-basierte Applikationen wie Payment, Ticketing oder Loyalty anbieten. Der Trusted Service Manager (TSM) ist FeliCa Networks, ein Joint Venture von Sony, NTT DoCoMo und Japan Railways East. "Der japanische Markt hat vier Jahre Vorsprung", so Japan-Experte Jan Michael Hess, CEO der Berliner Beratungsfirma Mobile Economy GmbH, die sich auf mobile Innovationen und mobiles Internet spezialisiert hat. "Entscheidend ist dabei das Wertschöpfungsnetz der FeliCa Economy, aus dem man viele Dinge für unsere westlichen Märkte lernen kann."

Frankreich setzt auf Kooperation

Aber auch Frankreich zeigt seit einigen Jahren eine spannende Entwicklung. Anders als der japanische, wird der französische Markt nicht von einem einzelnen Mobilfunkanbieter dominiert. Das französische Modell beruht daher vor allem auf Zusammenarbeit. Dies betrifft in erster Linie die technischen Aspekte, aber ebenso das Wertschöpfungsnetz (Ecosystem). "Die Voraussetzungen für die Einführung kontaktloser Mobilfunkdienste sind in Frankreich hervorragend.", so Susanne Molkentin-Lacuve, die bei Bouygues Telecom in Paris für NFC zuständig ist. "Neben der Kooperation ist hier insbesondere die bestehende Infrastruktur für kontaktlose Zahlungen entscheidend, die in den letzten Jahren geschaffen wurde." So sind im öffentlichen Nahverkehr kontaktlose Karten bereits weit verbreitet: über 35 Städte haben die Technik im Einsatz, 6 Millionen Karten sind im Umlauf. Und Chipkarten sind bereits ein etabliertes Zahlungsmittel, das auch für 1-Euro-Zahlungen überall genutzt werden kann. Nach einer Reihe erfolgreicher Piloten werden damit Ende 2009 marktreife kontaktlose Dienste in Frankreich verfügbar sein.

Zukunft des Mobilfunkmarktes auf der Konferenz MCTA 2009

Jan Michael Hess, Susanne Molkentin-Lacuve und weitere Experten werden am 27. Januar 2009 auf dem Conference Day der MCTA mit Pousttchi über die Zukunft des deutschen M-Payment-Marktes diskutieren. Außer Mobile Payment und Mobile Banking widmet sich die Konferenz in vier Paralleltracks einem sehr dichten Konferenzprogramm, das neben Mobile Operators Future Revenue Streams insbesondere im B2C die Bedeutung des mobilen Kanals für Handel und Banken, speziell Mobile Marketing, sowie im B2B mobile Geschäftsprozesse in den Mittelpunkt stellt, etwa Machine-to-Machine (M2M) Anwendungen und Mobile IT Business Value. Weiterhin wird es um MVNO / MVNE gehen, und erstmals wird es in diesem Jahr eine Mobile Application Demo Session für innovative Anwendungen geben. Den Auftakt der Konferenz MCTA macht am 26. Januar der Workshop Day mit den Themen NFC, Recht im M-Payment, Mobile IT Business Value und Mobile Operators Future Revenue Streams.

Informationen zur Konferenz:

Cornelia Noglinski
Tagungssekretariat MCTA 2009
Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Systems Engineering
Universität Augsburg
86135 Augsburg
Telefon +49 (821) 598 4449
cornelia.noglinski@wi-mobile.de
Pressekontakt:
Dr. Key Pousttchi
Forschungsgruppe wi-mobile
Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Systems Engineering
Universität Augsburg
86135 Augsburg
Telefon +49 (177) 6319508
presse@wi-mobile.de
Über die Forschungsgruppe wi-mobile
Die Forschungsgruppe wi-mobile (früher: Arbeitsgruppe Mobile Commerce) ist mit Anwendungen der Mobilfunk- und weiterer drahtloser Kommunikationstechnologie befasst. Gegründet 2001 am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Systems Engineering der Universität Augsburg (Prof. Turowski), integriert sie als Forschungsgruppe modernen Typs in einem Drei-Säulen-Modell Forschung auf internationalem Niveau, Beratungsprojekte für nationale und internationale Unternehmen sowie Lehrveranstaltungen für Studenten und Industrieteilnehmer. Besondere thematische Schwerpunkte bilden Mobile Payment/Mobile Banking, Mobile Marketing, mobile Geschäftsprozesse und die Weiterentwicklung von Mobilfunkmärkten und Geschäftsmodellen.

Klaus P. Prem | idw
Weitere Informationen:
http://www.mcta.de
http://www.wi-mobile.de

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