Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie Menschen auf gleicher Wellenlänge kommunizieren

16.07.2012
Internationale Konferenz zur „Ausrichtung in der Kommunikation“ an der Universität Bielefeld

Wie gelingt es Menschen in Gesprächen, sich wechselseitig so auszurichten, dass die Kommunikation weitgehend ohne Missverständnisse und Störungen gelingt? Laut den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Sonderforschungsbereichs 673 „Alignment in Communication“ der Universität Bielefeld ist es eine besondere Fähigkeit von Menschen, sich im Dialog aufeinander einzustellen.

Ihre bisherigen Befunde zu diesem Thema präsentieren die Wissenschaftler auf der Konferenz „Ausrichtung in der Kommunikation: Ansätze zu einer neuen Kommunikationstheorie“ von Donnerstag bis Samstag, 19. bis 21. Juli, im Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld. Sie diskutieren dann mit Forscherinnen und Forschern aus 13 Ländern.

„Ausrichtung in der Kommunikation“ ist eine neue Richtung in der Kommunikationsforschung, die seit 2006 in dem gleichnamigen Bielefelder Sonderforschungsbereich (SFB) untersucht wird. Der SFB ist auf zwölf Jahre angelegt und wurde zuletzt 2010 für vier Jahre verlängert. Die Wissenschaftler erforschen, wie es Menschen unkompliziert und mühelos möglich ist, sich im Dialog aufeinander auszurichten und auf gleicher Wellenlänge zu kommunizieren. Diese Ausrichtung läuft in vielen Fällen „automatisch“ und unbewusst ab. Ein Beispiel für die gegenseitige Ausrichtung von Gesprächspartnern hängt mit Gesten zusammen. Wenn eine Person ihr Gegenüber am Kaffeetisch bittet, das Milchkännchen links abzustellen, dann muss mit sie einer Rückfrage rechnen: „Meinst du links von dir aus oder von mir aus?“ Erfolgt die Aufforderung mit einer Handbewegung, ist die Rückfrage unnötig. Ebenfalls deutlich wird die Ausrichtung in der Kommunikation, wenn zwei Dialogpartner sich im Lauf des Gesprächs im Sprachrhythmus angleichen und sich so müheloser verstehen.

„Zur Halbzeit unserer Forschungsagenda stellt die Tagung unsere bisherigen Erkenntnisse einem internationalen, interdisziplinären Expertenkreis zur Diskussion und Kritik“, sagt Professor Dr. Ipke Wachsmuth, Sprecher des Sonderforschungsbereichs, der dieses Amt am Ende der Tagung an seinen Kollegen Professor Dr. Jan de Ruiter übergeben wird. Die Bielefelder Wissenschaftler gehen davon aus, dass Kommunikation zwischen Menschen zu komplex, flexibel und unvorhersagbar ist, um allein als Austausch von Nachrichten erklärt werden zu können. „Es gibt derzeit keine Kommunikationstheorie, die umfassend und konkret genug ist, um die Vielzahl der beobachteten Phänomene zu erklären und auch Vorlagen für künstliche kommunikationsfähige Systeme zu liefern“, sagt Ipke Wachsmuth. Jan De Ruiter sieht die Chance, dass die Konferenz Impulse für eine neue Theorie beisteuert: „Wir hoffen, eine Diskussion zwischen den aktuell vorherrschenden Strömungen in der Kommunikationsforschung und Dialogtheorie in Gang zu setzen, um Ansätze zu einer neuen Kommunikationstheorie zu entwickeln.“

Der Sonderforschungsbereich „Alignment in Communication“ arbeitet interdisziplinär, indem er Informatiker, Linguisten, Psychologen und Neurowissenschaftler zusammenbringt. Zum Einsatz kommen Methoden der Kommunikationsanalyse und der Neurolinguistik ebenso wie die experimentelle Methodik der Psychologie. Die Forscherinnen und Forscher analysieren zum Beispiel Augenbewegungen von Sprechern und Zuhörern. Diese geben Auskunft über den aktuellen Aufmerksamkeitsfokus und erlauben so Rückschlüsse auf Wahrnehmungs- und Denkprozesse der jeweiligen Person. Auch die nichtsprachlichen Mittel Mimik und Gestik erkunden die Wissenschaftler des Sonderforschungsbereichs, um den Denkprozessen auf die Spur zu kommen, die dafür sorgen, dass ein Dialog gelingt. Gleichzeitig wenden sich die Forscher dem „Misalignment“, also den Fehlschlägen in der Ausrichtung zu. Denn auch diese Störungen lassen Rückschlüsse auf die Prozesse zu, mit denen sich Menschen wechselseitig abstimmen, wenn sie kommunizieren. Für die Modellierung und Simulation solcher Prozesse werden linguistische Ansätze mit Verfahren der Informatik, Robotik und Künstlichen Intelligenz kombiniert.

Die Tagung findet auf Englisch statt. Professor Dr. Ipke Wachsmuth und Professor Dr. Jan de Ruiter leiten die Konferenz gemeinsam.

Tagungszeiten:
19. Juli, 9.00 Uhr bis 17.45 Uhr
20. Juli, 9.00 Uhr bis 17.30 Uhr
21. Juli, 9.00 Uhr bis 12.30 Uhr
Medienvertreter sind herzlich eingeladen, über die Veranstaltung zu berichten.
Kontakt bei Fragen zur Veranstaltung:
Prof. Dr. Ipke Wachsmuth, Universität Bielefeld
Technische Fakultät / AG Wissensbasierte Systeme
Telefon: 0521 106-2924
E-Mail: ipke@techfak.uni-bielefeld.de
Fragen zur Organisation beantwortet:
Katrin Johannsen, Universität Bielefeld
Sonderforschungsbereich 673 „Alignment in Communication“
Telefon: 0521 106-5266
E-Mail: katrin.johannsen@uni-bielefeld.de

Sandra Sieraad | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bielefeld.de/ZIF/AG/2012/07-19-Wachsmuth.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017
16.08.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

nachricht Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen
15.08.2017 | Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie - Hans-Knöll-Institut (HKI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten den „anderen Hochtemperatur-Supraleiter“

Eine von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) geleitete Studie zeigt, dass Supraleitung und Ladungsdichtewellen in Verbindungen der wenig untersuchten Familie der Bismutate koexistieren können.

Diese Beobachtung eröffnet neue Perspektiven für ein vertieftes Verständnis des Phänomens der Hochtemperatur-Supraleitung, ein Thema, welches die Forschung der...

Im Focus: Tests der Quantenmechanik mit massiven Teilchen

Quantenmechanische Teilchen können sich wie Wellen verhalten und mehrere Wege gleichzeitig nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Dieses Prinzip basiert auf Borns Regel, einem Grundpfeiler der Quantenmechanik; eine mögliche Abweichung hätte weitreichende Folgen und könnte ein Indikator für neue Phänomene in der Physik sein. WissenschafterInnen der Universität Wien und Tel Aviv haben nun diese Regel explizit mit Materiewellen überprüft, indem sie massive Teilchen an einer Kombination aus Einzel-, Doppel- und Dreifachspalten interferierten. Die Analyse bestätigt den Formalismus der etablierten Quantenmechanik und wurde im Journal "Science Advances" publiziert.

Die Quantenmechanik beschreibt sehr erfolgreich das Verhalten von Partikeln auf den kleinsten Masse- und Längenskalen. Die offensichtliche Unvereinbarkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

Anbausysteme im Wandel: Europäische Ackerbaubetriebe müssen sich anpassen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen

16.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung

16.08.2017 | Informationstechnologie

Komfortable Software für die Genomanalyse

16.08.2017 | Informationstechnologie