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Die Kunst, langfristig zu denken. Wissenschaftler diskutieren über Wege zur Nachhaltigkeit

26.02.2013
Über Wege zur Nachhaltigkeit diskutieren am Donnerstag, dem 28. Februar 2013, rund 50 Wissenschaftler auf Einladung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig. Dabei werden die Ergebnisse eines sozialwissenschaftlichen Forschungsprojektes vorgestellt, die jetzt als Buch unter dem Titel „Die Kunst langfristig zu denken“ erschienen sind.

Im „Wissenschaftsjahr 2012 – Zukunftsprojekt Erde“ stand das Thema der Nachhaltigkeit besonders im Fokus der deutschen Forschung. Das Prinzip der Nachhaltigkeit ist in den letzten Jahrzehnten in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens zu einer allgemein anerkannten Maxime geworden. Gemeint ist damit ein Prinzip, nach dem die heute lebende Generation so mit den Ressourcen und der Umwelt umgehen soll, dass auch zukünftige Generationen noch ihre Bedürfnisse befriedigen können.

„Verstehen wir aber die Zeichen unserer Zeit, wenn es um das Wohl unserer Kindeskinder und um den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen geht? Das vorausschauende, langfristige Denken macht uns allen offenbar immer wieder große Schwierigkeiten“, mahnt das Autorenteam, zu dem Ökonomen, Soziologen, Politologen, Mathematiker, Physiker und Philosophen gehören.

In ihrem Buch setzen sie sich mit dem Thema „Zeit“ auseinander. Ein Thema, das vielleicht, gerade weil es so grundlegend und allgegenwärtig ist, selten ins Zentrum wissenschaftlicher Untersuchungen gerückt wird. „Das gilt selbst für die Nachhaltigkeitsforschung, in der es eigentlich selbstverständlich sein sollte, in langfristigen Zeithorizonten zu denken. Zeit wird in der Wissenschaft überhaupt eher im Hintergrund, implizit oder überhaupt nicht behandelt. Auch in der Philosophie der Gegenwart nimmt das Thema keinen prominenten Platz ein“, erklärt Dr. Bernd Klauer, Umweltökonom am UFZ. „In diesem Buch aber haben wir dieses randständige Thema ins Zentrum geholt. Als Wissenschaftler und Philosophen interessiert uns, wie man das Denken in langen Fristen schulen kann.“ Und sein Autoren-Kollege Prof. Dr. Konrad Ott, Inhaber des Lehrstuhls für Philosophie und Ethik der Umwelt an der Universität Kiel, ergänzt: „Wir möchten Orientierungswissen für praktisches, politisches Handeln in Situationen liefern, bei denen es darauf ankommt, eine langfristige Perspektive einzunehmen.“

Hintergrund ist das Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Politik. „Wissenschaftler beklagen, wie wenig die Politik ihre Forschungsergebnisse berücksichtigt, Politiker beklagen, wie wenig Wissenschaftler zur Lösung ihrer Probleme beitragen. Dies ist der Konflikt zwischen Theorie und Praxis“, erläutert Prof. Dr. em. Malte Faber vom Alfred-Weber-Institut für Wirtschaftswissenschaften in Heidelberg. In ihrem Buch haben die Autoren ein Konzept der Bestände entwickelt, mit dem sie hoffen, Wege aus diesem Dilemma aufzeigen zu können. „Als Angebot, komplexe Probleme mit weitreichendem Handlungsbedarf für Politiker überschaubar und – einen langen Atem vorausgesetzt – auch handhabbar zu machen, ist das Bestandskonzept eine bahnbrechende Neuerung“, lobt Malte Faber. „Es ist nun an der Politik, dieses Verfahren in der Gesellschaft anzuwenden und auf der Grundlage der ihr eigenen praktischen Erfahrung mit wissenschaftlichen Ergebnissen in neuer konstruktiver Weise umzugehen.“
Tilo Arnhold
http://www.ufz.de/index.php?de=31367

Publikation:
Bernd Klauer, Reiner Manstetten, Thomas Petersen, Johannes Schiller unter Mitarbeit von Beate Fischer, Frank Jöst, Mi-Yong Lee, Konrad Ott (2013):
Die Kunst langfristig zu denken - Wege zur Nachhaltigkeit.
Nomos-Verlagsgesellschaft, Baden-Baden, ISBN 978-3-8487-0070-7
DOI: 10.5771/9783845245041
http://www.nomos-shop.de/Klauer-Manstetten-Petersen-Schiller-Kunst-langfristig-denken/productview.aspx?product=20219
Die Arbeiten wurden durch das BMBF-Förderprogramm “Wirtschaftswissenschaften für Nachhaltigkeit” gefördert.

Workshop:
“Die Kunst langfristig zu denken. Wege zur Nachhaltigkeit”
Zeit:
28. Februar 2013, 10:00-17:00 Uhr
Ort:
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ, Permoserstr. 15, 04318 Leipzig
Hauptgebäude 1.0, Vortragssaal im 1. OG

Weitere Informationen:
Dr. Bernd Klauer, Dr. Johannes Schiller
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Telefon: 0341-235-1702, -1690
http://www.ufz.de/index.php?de=1653
http://www.ufz.de/index.php?de=1663
oder über
Tilo Arnhold (UFZ-Pressestelle)
Telefon: 0341-235-1635
http://www.ufz.de/index.php?de=640

Weiterführende Links:
Das Konzept der Bestände als Entscheidungshilfe für eine Politik der Nachhaltigkeit (BMBF-Initiative "Wirtschaftswissenschaften für Nachhaltigkeit")
http://www.ufz.de/index.php?de=14745

Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg 1000 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.
http://www.ufz.de/

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit über 33.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 18 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 3,4 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

http://www.helmholtz.de

Tilo Arnhold | Helmholtz-Zentrum
Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/index.php?de=31367

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