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Krebsbehandlung heute: Innovative medizinische Konzepte - demografische Herausforderungen

21.10.2013
Das komplexe Geschehen von Krebserkrankungen begreifen und darauf aufbauend innovative therapeutische Interventionen entwickeln – das sind zentrale Themen der Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie. Hierzu diskutieren mehr als 5.000 Expertinnen und Experten vom 18. bis 22. Oktober 2013 in Wien.

Die Pressekonferenz, an der die Vorsitzenden der Fachgesellschaften Prof. Mathias Freund (DGHO), Prof. Hellmut Samonigg (OeGHO), Dr. Jürg Nadig (SGMO) sowie der diesjährige Kongresspräsident Prof. Richard Greil teilnahmen, machte deutlich, dass sich das Fachgebiet neben originär medizinischen Fragestellungen wie zur „Krebsheterogenität“ auch ganz neuen Herausforderungen stellen muss, die sich beispielsweise aus den Folgen des demografischen Wandels beim Themenkomplex „Krebs und Armut“ ganz konkret zeigen. Grundsätzlich, so die Beteiligten, „lebe der Fortschritt“ bei der Behandlung von Krebserkrankungen immer von innovativen Ansätzen in der Forschung.

Innovative Forschung – Chance für Patienten
Als eines der Best Abstracts wurde die Arbeit „Sorafenib bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasierendem Radioiod-refraktärem differenziertem Schilddrüsen-Karzinom“ ausgezeichnet. Für Patienten mit fortgeschrittenem Schilddrüsenkrebs gibt es fast keine wirksamen Medikamente. Die große internationale, von Prof. Ralf Paschke aus Leipzig vorgestellte Studie zeigt erstmals, dass das gezielte Medikament Sorafenib bei diesen Patienten zu einem Rückgang der Erkrankung und zu einer längeren krankheitsfreien Zeit führt.

Ein ungelöstes Rätsel in der Krebsforschung sind ruhende Tumorzellen, sogenannte Schläfer. Wie können Zellen, zum Beispiel bei Brustkrebs, oft über Jahre mit wenig Stoffwechselaktivität existieren? Ein Forschungsteam um PD Dr. Dr. Sonja Loges aus Hamburg identifizierte das Growth Arrest – Specific Antigen 6 (Gas6) als möglicherweise kritischen Regulator. Auch diese Arbeit wurde als einer der besten Beiträge des Kongresses ausgezeichnet.

Den renommierten, mit 7.500 Euro dotierten Artur-Pappenheim-Preis für herausragende Forschungsarbeiten im Bereich der Hämatologie verleiht die DGHO in diesem Jahr an Georg Lenz, Professor für Molekulare Pathogenese an der Berliner Charité, für seine Arbeit „PTEN loss defines a PI3K/AKT pathway-dependent germinal center subtype of diffuse large B-cell lymphoma“. Das Team von Prof. Lenz beschäftigt sich mit aggressiven Lymphomen. Es konnte jetzt gezeigt werden, dass mehr als 50 Prozent des Subtyps GCB (germinal center B-cell-like) durch einen Verlust des Tumorsuppressors PTEN charakterisiert sind. Dieser Verlust führt zu einer konstitutiven Aktivierung des onkogenen PI3K/AKT Signalweges und zur Hochregulation des onkogenen Transkriptionsfaktors MYC. Weitere Analysen zeigten, dass die Hemmung des PI3K Signalweges einen vielversprechenden Ansatz bei PTEN-negativen GCB DLBCL Patienten darstellen könnte. Damit eröffnet sich auch für diese aggressiven Formen des Lymphknotenkrebs eine Perspektive für gezielte Therapie.

Die Komplexität von Krebs – Tumorheterogenität
Dass Zellen ein und desselben Tumors unterschiedliche genetische Merkmale aufweisen können, hob Prof. Richard Greil, Kongresspräsident der Jahrestagung, hervor. Eine mögliche Konsequenz sei die Resistenz von Zellen in Teilen eines Tumors, obwohl ein Großteil des Tumors im Rahmen von medikamentösen Therapien behandelbar wäre. Diese Eigenschaft von bestimmten Tumorarten genetisch heterogen zu sein, sodass unterschiedliche Anteile des Tumors unterschiedlich auf therapeutische Interventionen ansprechen, mache laut Greil die Implementierung neuer therapeutischer Strategien notwendig. „Wir müssen uns der Frage stellen, welche neuen therapeutischen Strategien wir gemeinsam entwickeln müssen, und mit welchen Formen von Studiendesigns wir den Herausforderungen, die die Tumorheterogenität an uns stellt, begegnen können.“ Ein wichtiger Weg, so der Kongresspräsident, sei beispielsweise die Identifizierung von Gemeinsamkeiten aller Zellen eines entsprechenden Tumors, die therapeutisch angesprochen werden könnten.
„Krebs und Armut“
Darüber hinaus erläuterte Greil mögliche Zusammenhänge von sozioökonomischem Status und der Entstehung sowie dem Verlauf von Krebserkrankungen. „Krebs fördert Armut und Armut fördert Krebs“, konstatierte Greil. So haben Krebspatientinnen und -patienten eine schlechtere berufliche Prognose und sind damit wirtschaftlich weniger gut gestellt. Mit diesem Wissen und vor dem Hintergrund der Herausforderungen des demografischen Wandels betonte Prof. Mathias Freund, Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO: „Unser aller Aufgabe wird es sein, dafür zu kämpfen, dass ältere Patientinnen und Patienten nicht aufgrund ihres Alters bei therapeutischen Entscheidungen bewusst oder unbewusst benachteiligt werden.“
Medizin braucht Innovation – Innovation braucht Menschen
Freund sprach sich entschieden für eine verstärkte Nachwuchsförderung im Bereich der Onkologie aus. Die Förderung von ärztlichem Nachwuchs sowohl in Forschung als auch in der Praxis sei für die Onkologie von eminenter Bedeutung. „Wir werden die neuen Herausforderungen in der Hämatologie und Onkologie nur meistern, wenn wir den wissenschaftlichen und ärztlichen Nachwuchs für das Fachgebiet begeistern.“ In diesem Zusammenhang verwies Freund außerdem auf die im Rahmen der Jahrestagung verliehenen Preise für junge Ärztinnen und Ärzte. „Medizin braucht Innovation, und Innovation braucht junge Menschen“, so Freund. Vor dem Hintergrund eines gemeinsam mit der José Carreras Leukämie-Stiftung ins Leben gerufenen Promotionsstipendiums machte er die Motivation der Fachgesellschaft deutlich. „Wir möchten Studierende der Humanmedizin und anderer benachbarter Fachgebiete motivieren, sich im Rahmen ihrer Promotionsarbeit über ein Jahr Vollzeit mit der Leukämieforschung zu beschäftigen. Diese Forschung hilft den Betroffenen, liefert aber auch entscheidende Impulse für die Diagnose und Therapie anderer bösartiger Erkrankungen. Und wir hoffen darauf, die jungen Menschen auch langfristig für die Wissenschaft zu motivieren.“
Über die DGHO
Die DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V. besteht seit mehr als 75 Jahren und hat heute über 2.800 Mitglieder, die in der Erforschung und Behandlung hämatologischer und onkologischer Erkrankungen tätig sind. Mit ihrem Engagement in der Aus-, Fort- und Weiterbildung, mit der Erstellung der Onkopedia-Leitlinien, mit der Wissensdatenbank, mit der Durchführung von Fachtagungen und Fortbildungsseminaren sowie mit ihrem gesundheitspolitischen Engagement fördert die Fachgesellschaft die hochwertige Versorgung von Patientinnen und Patienten im Fachgebiet.
Über die OeGHO
Die Österreichische Gesellschaft für Hämatologie & Onkologie (OeGHO) hat sich zum Ziel gesetzt, die Betreuung von Patientinnen und Patienten österreichweit an den höchsten Standard heranzuführen. Die OeGHO zählt als Fachgesellschaft aktuell ca. 500 Mitglieder, von denen ein Großteil Fachärzte oder Fachärztinnen für Innere Medizin mit Additivfach Hämatologie und Internistischer Onkologie sind. Neben der Aus-,Fort- und Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten sowie Pflegekräften, der Festlegung von Standards für die Facharztausbildung und Ausbildungsstätten und der Erarbeitung von Leitlinien, will die OeGHO die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen allen an der Krebstherapie Beteiligten und die Forschung auf dem Gebiet der Hämatologie und Onkologie aktiv fördern.
Über die SGMO
Die Schweizerische Gesellschaft für Medizinische Onkologie ist die Vereinigung von Ärzten, die auf die Erforschung, Diagnose und Behandlung bösartiger solider Tumoren und Blutkrankheiten spezialisiert sind. Mit der Aufwertung der internistischen Subspezialitäten zu eigenen Fachgesellschaften wurde der Subspezialitätentitel Hämatologie / Onkologie in den Facharzttitel „Medizinische Onkologie“ umgewandelt. Seit ihrer Gründung im Jahre 1999 hat ihre Mitgliederzahl stetig zugenommen und erreicht heute über 200 ordentliche und außerordentliche Mitglieder. Neben den Fachärzten für Onkologie sind als außerordentliche Mitglieder Hämatologen und Forscher vertreten.
Über die SGH+SSH
Die Schweizerische Gesellschaft für Hämatologie ist eine Partnergesellschaft der Schweizerischen Gesellschaft für Innere Medizin. Sie hat folgende Zielsetzung: Die Förderung der Hämatologie in der Schweiz sowie die Förderung, Sicherstellung und Überwachung der Aus-, Weiter- und Fortbildung in Hämatologie, die Wahrung der beruflichen Interessen der Hämatologen in der Schweiz und die Förderung der Kollegialität unter den Mitgliedern.

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Die Pressemitteilung sowie weitere Informationen zur Jahrestagung 2013 können Sie auf der Internetseite der Fachgesellschaft www.dgho.de bzw. unter www.oegho.at abrufen. Bei Abdruck Belegexemplar erbeten.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und
Medizinische Onkologie e.V / DGHO Hauptstadtbüro
V.i.S.d.P. Michael Oldenburg
Fon: 0049 (0)30 / 27 87 60 89 – 0
Fax: 0049 (0)30 / 27 87 60 89 – 18
E-Mail: oldenburg@dgho.de
Internet: www.dgho.de
Österreichische Gesellschaft für Hämatologie & Medizinische Onkologie
V.i.S.d.P. Walter Voitl, MBA
Fon: 0043 (0)1 4789404
Fax: 0043 (0)512 504 26299
E-Mail: office@oegho.at

Michael Oldenburg | idw
Weitere Informationen:
http://www.oegho.at
http://www.dgho.de
http://haematologie-onkologie-2013.at

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