Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kiel Food Science Symposium 2012 - Funktionelle Lebensmittel und Lebensmittelsicherheit

29.05.2012
Auf dem Kieler Food Science Symposium, das zum zweiten Mal am Standort Kiel des Max Rubner-Instituts (MRI) durchgeführt wurde, präsentierten am 22. und 23. Mai Wissenschaftler Ergebnisse aus der Forschung zu funktionellen Inhaltsstoffen von Lebensmitteln und zu aktuellen Aspekten der Lebensmittelsicherheit. Rund 100 Wissenschaftler aus 18 Ländern folgten den Vorträgen mit großem Interesse.

Schwerpunkt des ersten Teils des Symposiums war ein Thema, das die technologische Lebensmittelforschung zunehmend beschäftigt: die Entwicklung und Prüfung von Prozessen zur Gewinnung und Anreicherung bioaktiver, funktioneller Inhaltsstoffe. Im Einführungsvortrag führte Prof. Richard J. FitzGerald von der University of Limerick in Irland aus, welches Potenzial den bioaktiven Stoffen aus Lebensmittel-Proteinen derzeit zugeschrieben wird.

Die hochwirksamen Substanzen sollen insbesondere gegen hohen Blutdruck, möglicherweise auch gegen andere Herz-Kreislauferkrankungen und selbst Nervenkrankheiten wirksam sein. Mit rund 248 Peptiden, die in der Milch analysiert wurden, hat dieses Lebensmittel hier eine besondere Bedeutung, wie Florian Baum von der Universität Erlangen-Nürnberg ausführte.

Sein Institut befasst sich vor allem damit aufzuklären, welche Peptide wie wirksam werden. In diesem wie auch im Folgevortrag wurden Technologien, wie etwa Membrantrenn- und Ionenaustauschverfahren, auch in kombinierten Prozessen, präsentiert, die zur Fraktionierung tropho- und technofunktionell interessanter Proteolysate, Oligosaccharide und bioaktiver Fettinhaltsstoffe genutzt werden.

Zur Charakterisierung der Zusammensetzung und der in vitro-Bioaktivität funktioneller Lebensmittelinhaltsstoffe werden mit modernsten analytischen Methoden umfangreiche Untersuchungen durchgeführt, stellte Prof. Peter-Christian Lorenzen, Koordinator des Food Science Symposiums, fest. Wohingegen Studien zum Nachweis der Bioaktivität im komplexen Lebensmittelsystem und insbesondere Humanstudien zum Nachweis der in vivo-Bioaktivität bis heute eher die Ausnahme darstellen, so der Wissenschaftler.

Zur Gewinnung funktioneller Lebensmittel und -inhaltsstoffe aus Milch ist bereits ein gesichertes Basiswissen vorhanden. Dagegen bieten Rohstoffe mariner Herkunft ein großes zukünftiges Potential, das bis heute als wenig untersucht und kaum genutzt gelten kann. Dabei könnte die Gewinnung und Aufbereitung von funktionellen Inhaltsstoffen aus aquatischen Rohstoffen, wie Fischproteine und -peptide, Enzyme und sekundäre Metabolite sowie Algen und viele weitere Produkte ein überaus interessantes Forschungsgebiet für die Zukunft sein, wie Prof. Hordur G. Kristinsson vom Icelandic Food Resarch-Institute aus Island eindrucksvoll ausführte.

Lebensmittelsicherheit bei Milch und Fisch

Im Einführungsvortrag zur ersten Sitzung zum Thema Lebensmittelsicherheit stellte Privatdozent Lothar Beutin, Leiter des nationalen Referenzzentrums für Escherichia coli am Bundesinstitut für Risikobewertung, den derzeitigen Wissensstand zu enterohämorrhagischen E. coli (EHEC/STEC) in Lebensmitteln vor. Die Bewertung, welche STEC als Lebensmittelkontaminanten für den Menschen relevant sind, so Beutin, sei innerhalb der EU-Länder umstritten: Während einige Länder die Suche nach STEC in Lebensmitteln auf wenige, besonders gefährliche STEC-Serotypen beschränken wollen, betrachten andere Länder, darunter Deutschland, grundsätzlich jeden STEC im Lebensmittel als Grund für eine Beanstandung. Beutin zeigte allerdings auch, dass die Untersuchung und Isolierung dieser zahlreichen STEC zeitraubend und teuer ist, was wiederum die Menge der untersuchten Proben möglicherweise einschränkt. In der Forschung ginge es derzeit darum, Kriterien zu entwickeln, um ein anpassungsfähiges System der „molekularen Risikobewertung“ weiter zu entwickeln, das die schon bekannten Eigenschaften humanpathogener STEC berücksichtigt und jederzeit „ausbaufähig“ ist, sodass neuauftretende, hochvirulente Stämme erkannt werden können. Silvia Peng, von der Universität Zürich zeigte in einem weiteren Vortrag zu dieser Thematik auf, wie sich verschiedene E. coli-Stämme bei der Herstellung von Schnittkäse verhalten. Es folgten mehrere Beiträge zur Verbesserung der Prozesssicherheit bei der Milchbearbeitung, wie Hitzeinaktivierung von Bazillen, Filtration von Molke und Einfluss hitzeresistenter Bacteriophagen auf Starterkulturen.

Im Einführungsvortrag zum Gesundheitsrisiko von Parasiten in Fisch stellte Prof. Andreas Lopata von der James Cook University in Australien die Bedeutung von Fisch-Parasiten für die Auslösung von Allergien vor. Diese Allergie wird, aufgrund fehlender Daten, häufig als Fisch- bzw. Meeresfrüchte-Allergie fehldiagnostiziert. Zwei weitere Vorträge hatten diese Parasiten zum Gegenstand: Dr. Horst Karl vom MRI berichtete über das regelmäßige Vorkommen des Nematoden Anisakis im Fleisch des Knurrhahns. Relativiert wurde diese als bedenklich erscheinende Aussage dadurch, dass mehr als 90 Prozent der nachgewiesenen Parasiten in den nicht zum Verzehr gelangenden Bauchlappen des Fischs nachgewiesen wurden. Dr. Arne Levsen vom National Institute of Nutrition and Seafood Research (NIFES) in Norwegen berichtete über die Möglichkeit des Vorkommens von Anisakis in Zuchtlachsbeständen. Bisher wurde Anisakis lediglich in sich schlecht entwickelnden Exemplare, den sogenannten „Loosers“ nachgewiesen. Eine neue PCR-Methode soll nun dazu beitragen, Sicherheit über das eventuelle Vorkommend des Nematoden in normal entwickelten Lachsen zu erlangen.

Abgeschlossen wurde die Sitzung von Herbert J. Buckenhüskes von der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft, der sich zu ethischen Aspekten der Anwendung von Nanotechnologie in Lebensmitteln äußerte und dabei die fehlenden Möglichkeiten einer fundierten Risikobewertung ansprach. Ausschlaggebend sind hierfür fehlende Vergleichsmöglichkeiten hinsichtlich der möglichen Gesundheitsschäden: damit entfällt die Basis für eine adäquate Beschreibung von Risiken.

Direkt im Anschluss an die Sitzung fand die Verleihung der Posterpreise statt. Ausgezeichnet wurden die Poster mit der höchsten wissenschaftlichen Qualität bei gleichzeitiger überzeugender und übersichtlicher Darstellung. Den ersten Preis erhielt das Poster „Milk proteins as nanotransporters“ von Julia Keppler und Prof. Karin Schwarz von der CAU Kiel.

Nach zwei Tagen mit insgesamt 21 Vorträgen und 28 Postern aus verschiedenen Gebieten endete das zweite Kieler Food Science Symposium.

Dr. Iris Lehmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.mri.bund.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Von Batterieforschung bis Optoelektronik
23.06.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

nachricht 10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge
22.06.2017 | Haus der Technik e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften