Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kerntechnik-Experten von der Internationalen Atomenergie-Behörde IAEA treffen sich in Dresden

19.03.2012
Vom 20. bis 23. März sind rund 30 internationale Experten der IAEA vor Ort im Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf. Sie diskutieren die Auswirkungen der Reaktorunfälle von Fukushima auf die Weiter- und Neuentwicklung derzeitiger und zukünftiger Reaktoren.

Kerntechnik-Experten sind sich in ihren Urteilen einig: Im Hochtechnologie-Land Japan waren die Kernkraftwerke nicht fit genug, um große Naturkatastrophen ohne Gefahr für Umwelt und Bevölkerung zu überstehen, und in den nach Erdbeben und Tsunami im Jahr 2011 havarierten Anlagen lief die unbedingt notwendige Kühlung viel zu schleppend an.

Moderne passive Sicherheitssysteme, über die die Anlagen in Fukushima nicht verfügten, hätten den Austritt von Radioaktivität sicherlich vermindert. Im Gegensatz dazu gehören die deutschen Kernkraftwerke nach wie vor zu den sichersten der Welt und das deutsche Know-how um Reaktorsicherheit wird international geschätzt.

Die Bundesregierung hat der Kerntechnik-Forschung in der Folge des Kernenergieausstieges in ihrem Energieforschungsprogramm vom August 2011 eine klare Aufgabe definiert. Sie soll durch Mitwirkung in internationalen Gremien als kompetenter Partner gestaltenden Einfluss auf die Sicherheitsdiskussion nehmen. Deutsche Fachleute sollen deshalb in internationalen Institutionen wie der internationalen Atom-Energie-Organisation (IAEA), der Nuklear-Energie-Agentur (NEA), der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sowie der Europäischen Union (Euratom) aktiv mitarbeiten.
Ein solcher Fachmann ist Dr. Bruno Merk vom Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf. Er hat das IAEA-Treffen in Absprache mit dem zuständigen Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie nach Dresden geholt. Der genaue Titel der Veranstaltung lautet: „Auswirkungen von Fukushima auf aktuelle und künftige Designs schneller Reaktoren“. Daran nehmen Experten aus der Industrie, von Genehmigungsbehörden und weltweit anerkannte Wissenschaftler aus nahezu allen Ländern, die aktiv an der Entwicklung schneller Reaktoren arbeiten, teil.

Ein schneller Reaktor ist in Deutschland nicht am Netz, das Konzept wird derzeit aber weltweit diskutiert und weiterentwickelt. Die nächste Generation von Kernkraftwerken – also die vierte Generation, die in der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts in Betrieb gehen soll – setzt vor allem auf diese Technik. Kürzlich wurde bereits ein schneller Reaktor in China in Betrieb genommen und zwei große schnelle Reaktoren werden in etwa zwei Jahren in Russland und Indien ans Netz gehen. Auch in Europa – in Frankreich und Belgien – gibt es zwei klar definierte Projekte mit einem geplanten Betriebsbeginn in den Jahren 2022 bis 2025.
Bruno Merk erläutert den Vorteil von schnellen Reaktoren so: „Schnelle Reaktoren haben grundsätzlich zwei Vorteile gegenüber heutigen Reaktoren: Der Brennstoff wird erheblich besser genutzt und es lässt sich ein geschlossener Brennstoff-Kreislauf bewerkstelligen. Beides führt zu geringeren Müllmengen und es besteht zusätzlich die Möglichkeit, den Endlagerzeitraum deutlich zu verringern. Die Sicherheitsphilosophie für schnelle Reaktoren entwickelt sich im Übrigen sehr rasant, sodass auch das Ziel einer weiter verbesserten Sicherheit gegenüber derzeit in Bau befindlichen Kernreaktoren erreichbar scheint.“

Vom IAEA-Treffen in Dresden verspricht sich Bruno Merk: „Wir wollen herausarbeiten, welche Erkenntnisse man aus den Unfällen in derzeit betriebenen Reaktoren auf die doch deutlich anders aufgebauten schnellen Reaktoren gewinnen kann, um deren Sicherheit zu verbessern. Ein Ziel ist sicherlich auch die Übertragung der deutschen Sicherheitsphilosophie auf neue Reaktorkonzepte weltweit. Ich wünsche mir zudem, dass die Methodiken zur Sicherheitsbewertung, die nach Fukushima in Deutschland entwickelt wurden, international Beachtung bei der Auslegung und beim Betrieb von neuen Reaktoren finden.“

Weitere Informationen
Dr. Bruno Merk | Dr. Sören Kliem
Abteilung Störfallanalyse
Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf
Tel.: 0351 260-2537 | -2318
b.merk@hzdr.de | s.kliem@hzdr.de

Pressekontakt
Dr. Christine Bohnet
Pressesprecherin
Tel. 0351 260-2450 oder 0160 969 288 56
c.bohnet@hzdr.de
www.hzdr.de

Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf
Bautzner Landstr. 400
01328 Dresden

Das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) hat das Ziel, langfristig ausgerichtete Spitzenforschung auf gesellschaftlich relevanten Gebieten zu leisten. Folgende Fragestellungen stehen hierbei im Fokus:
• Wie verhält sich Materie unter dem Einfluss hoher Felder und in kleinsten Dimensionen?
• Wie können Tumorerkrankungen frühzeitig erkannt und wirksam behandelt werden?
• Wie nutzt man Ressourcen und Energie effizient und sicher?

Zur Beantwortung dieser wissenschaftlichen Fragen werden fünf Großgeräte mit teils einmaligen Experimentiermöglichkeiten eingesetzt, die auch externen Nutzern zur Verfügung stehen.

Das HZDR ist seit 1.1.2011 Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Es hat vier Standorte in Dresden, Leipzig, Freiberg und Grenoble und beschäftigt mehr als 800 Mitarbeiter – davon ca. 400 Wissenschaftler inklusive 130 Doktoranden.

Dr. Christine Bohnet | idw
Weitere Informationen:
http://www.hzdr.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017
28.04.2017 | Deutsche Gesellschaft für Immunologie

nachricht Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru
28.04.2017 | InfectoGnostics - Forschungscampus Jena e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie