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Jung - dynamisch - kinderlos? Akademische Eliten und Elternschaft

01.10.2009
Einladung zur Tagung "(Kinder-)Wunsch und Wirklichkeit in der Wissenschaft - Forschungsergebnisse und Konsequenzen" vom 5. bis 6. Oktober im Wissenschaftszentrum Bonn. Auf der Basis umfassender Datenerhebungen werden die neuesten Ergebnisse zur Lebens- und Arbeitssituation von Wissenschaftler/innen vorgestellt.

Ausgewertet wurden die Daten für das gesamte wissenschaftliche Personal der Universitäten und Fachhochschulen der Bundesrepublik. Für 2006 sind dies an den Universitäten im wissenschaftlichen Mittelbau ca. 85.000 Wissenschaftler/innen und ca. 19.000 Professor/innen sowie an den Fachhochschulen ca. 3.000 Wissenschaftler/innen im Mittelbau und ca. 13.000 Professor/innen.

Zudem wurden im Projekt 'Balancierung von Wissenschaft und Elternschaft' (BAWIE) über 8.600 Wissenschaftler/innen an 19 Universitäten zu ihrer persönlichen Lebens- und Arbeitssituation, zu ihren Zukunftsperspektiven und ihren generativen Entscheidungen befragt.

Die Ergebnisse sind ernüchternd und geben Anlass zu neuen hochschulpolitischen Überlegungen. Zwischen 1998 und 2006 haben die Universitäten bundesweit einen Personalzuwachs von 5%, und die Fachhochschulen von 11% erfahren. Im gleichen Zeitraum hat allerdings auch eine Prekarisierung der Beschäftigungsverhältnisse des wissenschaftlichen Mittelbaus stattgefunden. Die Befristung der Beschäftigungsverhältnisse des wissenschaftlichen Personals ist an den Universitäten mit 77% unvermindert hoch, an den Fachhochschulen mit 36% zwar vergleichsweise niedrig, jedoch mit steigender Tendenz. Die Teilzeitbeschäftigung hat in diesem Zeitraum zugenommen: Waren an den Universitäten in 1998 noch 63% des wissenschaftlichen Mittelbaus in Vollzeit beschäftigt, so sind es in 2006 noch 55%. An den Fachhochschulen zeigt sich die gleiche Tendenz.

Insgesamt zeichnet sich eine steigende Kinderlosigkeit des universitären wissenschaftlichen Mittelbaus ab. In 2006 waren z.B. in NRW ca. 80% und in Brandenburg 71% kinderlos. Etwas niedriger sind die Daten für Berlin (69%).

Das durchschnittliche Alter bei Geburt des ersten Kindes liegt zwischen 30-33 Jahren. Die langen Qualifizierungszeiten und unsicheren Beschäftigungsverhältnisse scheinen demnach - wenn überhaupt - erst späte Familiengründungen möglich zu machen.

Die Online-Befragung von über 8.600 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler überwiegend aus dem Mittelbau zeigte, dass sich rund 70% der kinderlosen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Kinder wünschen, diesen Wunsch jedoch zurückstellen. Neben privaten Gründen zählen die geringe Planungssicherheit der Laufbahn und finanzielle Unsicherheiten zu den wesentlichen Ursachen für den Aufschub der Kinderwünsche und den Verzicht auf Familiengründung.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Kinder haben, müssen mit teilweise erheblichen Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit beider Lebensbereiche kämpfen und erleben berufliche Nachteile. Davon sind insgesamt die Wissenschaftlerinnen stärker betroffen, doch auch männliche Wissenschaftler, die von traditionellen Rollenvorgaben abweichen, erleben berufliche Nachteile aufgrund ihrer Vaterrolle.

Die Forschungsergebnisse machen deutlich, dass die Kinderlosigkeit von Wissenschaftler/innen stark durch die Rahmenbedingungen wissenschaftlicher Laufbahnen bedingt ist. Außerdem wird deutlich, mit welchen Schwierigkeiten Eltern in der Wissenschaft konfrontiert sind. Es zeigen sich aber auch Ansatzpunkte für günstige Kontextfaktoren, die eine gelungene Vereinbarkeit von Wissenschaft und Elternschaft ermöglichen können.

Interessierten Pressevertreter/innen stehen die beiden Projektleiterinnen Prof. Dr. Metz-Göckel und Dr. Inken Lind für Informationsgespräche nach Absprache gern zur Verfügung.

Informationen zu den Projekten und Kontakte:

Projekt "Wissen- oder Elternschaft? Kinderlosigkeit und Beschäftigungsbedingungen des wissenschaftlichen Personals an Hochschulen in Deutschland"
Informationen unter: http://www.hdz.uni-dortmund.de/index.php?id=232
Leitung: Prof. Dr. Sigrid Metz-Göckel, Hochschuldidaktisches Zentrum der TU Dortmund
Projekt "Balancierung von Wissenschaft und Elternschaft" (BAWIE)
Informationen unter: http://www.bawie.de
Leitung: Dr. Inken Lind, GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, CEWS
Das Hochschuldidaktische Zentrum ist eine zentrale Einrichtung der Technischen Universität Dortmund. Das HDZ befasst sich mit Lehr- und Lern- sowie Hochschulforschung und steht Lehrenden an Hochschulen mit vielfältigen Qualifizierungs- und Weiterbildungsangeboten zur Verfügung.

Das Kompetenzzentrum Frauen in Wissenschaft und Forschung, Center of Excellence Women and Science (CEWS) ist Teil von GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften. Gegründet wurde das CEWS im Jahr 2000. Es steht als wissens- und forschungsbasierte Dienstleistungseinrichtung Wissenschaftlerinnen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Wissenschaftsorganisationen und politischen Gremien mit seinen Angeboten zur Verfügung. Das Kompetenzzentrum bietet zielgruppenadäquate Informations- und Beratungsleistungen zu Fragen der Chancengleichheit in Wissenschaft und Forschung.

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Sigrid Metz-Göckel
Hochschuldidaktisches Zentrum der TU Dortmund
Vogelpothsweg 78
44227 Dortmund
Tel: + 49 (0) 231 / 755-5530
sigrid.metz-goeckel@tu-dortmund.de
Ole Lünnemann
Referatsleiter für Öffentlichkeitsarbeit
der TU Dortmund
Telefon: + 49 (0) 231 / 755-2535
Fax: + 49 (0) 231 / 755-4664
ole.luennemann@tu-dortmund.de
Dr. Inken Lind
GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften
Kompetenzzentrum Frauen in Wissenschaft und Forschung CEWS
Dreizehnmorgenweg 42
53175 Bonn
Tel: + 49 (0) 228 / 2281 526
Fax: + 49 (0) 228 / 2281 540
inken.lind@gesis.org
Sophie Zervos
GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften
Abteilung Kommunikation
Liliencronstr. 6
50931 Köln
Tel: + 49 (0) 221 / 47694-63
Fax: + 49 (0) 221 / 47694-904
sophie.zervos@gesis.org
Ort und Anreise:
Wissenschaftszentrum Bonn
Ahrstr. 45
53175 Bonn
Tel.: +49 (0) 228 / 302-0
Hinweise zur Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln:
Vom Hauptbahnhof zum Wissenschaftszentrum
mit den U-Bahn-Linien 16 und 63 (bis Haltestelle "Hochkreuz/Deutsches Museum Bonn")
mit der Buslinie 610 (bis Haltestelle "Kennedyallee")
mit der Buslinie 631 (bis Haltestelle "Ahrstraße/Deutsches Museum Bonn")

Sophie Zervos | idw
Weitere Informationen:
http://www.gesis.org
http://www.hdz.uni-dortmund.de/index.php?id=232
http://www.cews.org

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