Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Jahrestagung der Verfahrenstechniker und Biotechnologen in Aachen eröffnet

22.09.2010
In Zeiten knapper werdender Ressourcen und steigendem Energiebedarfs sind nachhaltige und innovative Alternativen gefragt. „Nachhaltige Produktion: Rohstoffsicherung und Energieeffizienz“ lautet daher das gemeinsame Thema der diesjährigen ProcessNet-Jahrestagung und der 28. DECHEMA-Jahrestagung der Biotechnologen, welche gestern in Aachen eröffnet wurde.

„Wir haben eigentlich gar kein Energieproblem, wir haben ein Energieverteilungsproblem.“ erläuterte Prof. Dr. Hans Müller-Steinhagen vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der TU Dresden im Festvortrag der Eröffnungssitzung, „Überall dort, wo man gut und viel Strom aus erneuerbaren Energien erzeugen kann, brauchen wir ihn nicht.“

Sowohl dem Problem der Energieverteilung als auch der Herausforderung, sicheren und kostengünstigen Strom nachhaltig zu produzieren, will sich die von Prof. Müller-Steinhagen vorgestellte DESERTEC Industrial Initiative (Dii) stellen.

Ziel dieser Initiative aus 41 Mitgliedsfirmen ist es, bis 2050 15% des in Europa benötigten Stroms aus erneuerbaren Energiequellen in Nordafrika zu beziehen. Die größte Rolle spielt dabei die Stromerzeugung aus Sonnenenergie durch solarthermische Kraftwerke. Der Strom soll dann mittels Hochspannungsgleichstromtechnik (HGÜ) verlustarm nach Europa transportiert werden. Was noch wie eine ferne Zukunftsvision anmutet, ist jedoch sowohl technisch als auch ökonomisch bereits realisierbar: „Wir reden hier nicht über Technologien, die noch einen Nobelpreis bekommen müssen, sondern über Technologien, die tatsächlich vorhanden sind“, stellte Prof. Müller-Steinhagen klar. In Kalifornien und Spanien sind bereits vergleichbare solarthermische Kraftwerke in Betrieb. Obwohl Sonnenenergie das größte Potential für die Stromerzeugung bietet, betonte der Vorsitzende des Beirats der Dii, dass die Stromversorgung der Zukunft aus einem Mix aus verschiedenen erneuerbaren Energien und fossilen Energieträgern bestehen wird.

Ein anderes weitreichendes Thema ist die Versorgung mit mineralischen Rohstoffen, wie Dr. Henrike Sievers von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) darstellte. Da Deutschland nur über wenig Bodenschätze verfügt, ist es auf internationale Kooperationen mit rohstoffreichen Ländern angewiesen. China ist beispielsweise Produzent von 97% des Weltbedarfs von Seltenen Erden, die für die Produktion vielfältiger elektronischer Produkte wie z.B. Bildschirmen und Mobiltelefonen benötigt werden. Auch bei anderen metallischen Rohstoffen wie Kobalt, das hauptsächlich aus dem Kongo stammt, ist Deutschland auf den Import angewiesen. Gerade für den Einsatz in Zukunftstechnologien wie Energie-, Umwelt- oder Medizintechnik wird ein steigender Bedarf an metallischen Rohstoffen erwartet. Sowohl Frau Dr. Sievers als auch Dr. Hans-Jürgen Wernicke, Vorsitzender der DECHEMA e.V., der im Rahmen der Pressekonferenz mit anwesenden Journalisten diskutierte, waren sich jedoch einig, dass aus wirtschaftlichen Abhängigkeiten innovative Technologien erwachsen, um diese Rohstoffe entweder zu recyceln, zu ersetzen oder ihre Materialeffizienz zu erhöhen. Hintergrundinformationen über die Rohstoffversorgung liefert auch die Studie „Rohstoffbasis im Wandel“ der DECHEMA e.V. und anderen wissenschaftlich-technischen Organisationen zu diesem Thema, die auch zum Download in deutscher und englischer Sprache zur Verfügung steht.

Mit Japan, einem wie Deutschland rohstoffarmen, aber innovationsstarken Land war eine weitere asiatische Nation Gegenstand der Debatte: Dr. Ulrich Behrendt, Vorstandsvorsitzender der Vereinigung deutscher Biotechnologie-Unternehmen (VBU) nutzte das Podium, um den 1520 Tagungsteilnehmern die neue Studie „Biotechnologie in Japan“ vorzustellen. Viele gemeinsame Themen, darunter auch ähnliche Probleme wie eine zunehmende Überalterung beider Gesellschaften, schaffen eine starke Basis für Kooperationen beider Länder. Die Studie ist bei der DECHEMA e.V. erhältlich und will deutsche Biotech-Firmen über wichtige Aspekte für den Markteinstieg in Japan informieren.

Auch in den kommenden Tagen ist für viel Diskussionstoff gesorgt: die ProcessNet-Jahrestagung und die 28. DECHEMA-Jahrestagung der Biotechnologen bietet noch bis zum 23. September 2010 ein facettenreiches Programm, unter anderem zu Themen wie nachwachsenden Rohstoffen, Bioraffinerien, Wärme- und Wasserstoffspeicherung. Am heutigen Mittwoch sorgt der von den kreativen jungen Verfahrensingenieuren (kjVI) organisierte ChemCar-Wettbewerb für rasante Unterhaltung. Neun studentische Teams gehen mit selbst konzipierten Fahrzeugen mit intelligenten chemischen Antriebsweisen an den Start, um den ChemCar-Pokal und das Preisgeld in Höhe von 2000 Euro zu erringen.

ProcessNet ist die deutsche Plattform für Verfahrenstechnik Chemieingenieurwesen und Technische Chemie. Hier treffen sich über 5.000 Mitglieder aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung, um Erfahrungen auszutauschen, aktuelle Fragestellungen zu diskutieren und neue wissenschaftliche Trends zu identifizieren. ProcessNet ist eine gemeinsame Initiative von DECHEMA und VDI-GVC.

Dr. Christine Dillmann | idw
Weitere Informationen:
http://events.dechema.de/jt2010

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Von Batterieforschung bis Optoelektronik
23.06.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

nachricht 10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge
22.06.2017 | Haus der Technik e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften