Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Internet-Überwachungsaffäre: brandaktuelles Thema auf der ICMB 2013

10.06.2013
Nach den Berichten der Zeitung "The Guardian" ist eine breite öffentliche Debatte über die Überwachung des Internets durch US-Geheimdienste und die mögliche Zusammenarbeit großer Internetkonzerne entbrannt.

Das mit Abstand höchste Potential für eine Überwachung bieten Internetdienste in Verbindung mit Smartphones. "Das Thema wird auch auf der 12th International Conference on Mobile Business, zu der sich derzeit in Berlin Forscher aus der ganzen Welt versammeln, heiß diskutiert werden", meint PD Dr. Key Pousttchi von der Augsburger Forschergruppe wi-mobile, Gastgeber und Vorsitzender der ICMB 2013.

Wer erhebt welche Daten?

Viele Internetdienste und nahezu jede Smartphone-App erheben eine große Menge von Daten. Vieles davon ist notwendig, um den Dienst durchzuführen, vieles wäre für die eigentliche Durchführung des Dienstes nicht notwendig. Und alles wird auf Unternehmensservern gespeichert. Batterieoptimierer, die persönliche Daten lesen wollen, Nachrichtenanwendungen, die erstmal das Adressbuch des Nutzers heruntersaugen, Suchmaschinen, die sich sehr genau merken, wer was wann sucht, Smartphones, die immer erstmal die Server des Smartphoneherstellers kontaktieren, und soziale Netzwerke, die persönlichstes von ihren Nutzern wissen. Smartphones sind Geräte, die mit Kamera und Mikrofon ausgestattet sind und deren Ort verfolgt werden kann und die der Nutzer freiwillig kauft und mit sich herumträgt.
"Davon hätte Erich Mielke nicht zu träumen gewagt", sagt PD Dr. Key Pousttchi, Leiter der Forschungsgruppe wi-mobile der Universität Augsburg. Er ist als Sprecher der in der Gesellschaft für Informatik organisierten deutschen Mobile-Business-Forscher in dieser Woche Gastgeber und Vorsitzender der 12th International Conference on Mobile Business (ICMB 2013) in Berlin. An der Universität Augsburg wird bereits seit 2001 intensiv zum Thema Mobile Business und Internet geforscht.

Die Technologie zur Auswertung derartiger Datenmengen ist vorhanden

Zwei Irrtümer, meint Pousttchi, halten sich hartnäckig: Erstens "meine Daten interessieren doch niemanden" und zweitens "so große Datenmengen können gar nicht verarbeitet werden". Mag das zweite vor zehn Jahren noch gegolten haben, so ist die Technik hier inzwischen deutlich weiter und kann entsprechende Daten über Nutzer im Zweifelsfall in Echtzeit verarbeiten. Auch Prognosen werden so leicht möglich. Selbst mit so einfachen Dingen wie Payment-Daten lassen sich bereits interessante Prognosen erstellen: Kreditkartenfirmen in den USA können bereits heute genauer vorher sagen, wer sich in den nächsten fünf Jahren scheiden lassen wird, als dies die Nutzer selbst können.
Ein einfaches Beispiel für das erste ist der Versicherungskonzern, der aus den Handy-Bewegungsdaten seiner Kunden ableitet, wer die Geschwindigkeitsbegrenzung überschreitet oder mit dem Handy am Steuer telefoniert. Die nächste Generation mobiler Geräte wird zum Beispiel auch viel stärker als heute darauf ausgelegt sein, Gesundheitsdaten zu messen ("Quantified-self").

Daten sind nichts Schlechtes – aber es gibt Regulierungsbedarf

Daten können für den Nutzer eine Menge sinnvoller Informationen bereitstellen und nützliche Dienste ermöglichen. "Das Problem ist", so Pousttchi, "dass alle Daten weitgehend unkontrolliert und oft auch heimlich erhoben und sofort auf Unternehmensservern – 'in der Cloud' – statt auf dem Endgerät gespeichert werden." Damit würden dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet. Er bringt seinen Studenten das im dritten Semester mit dem Kalauer: "Die Cloud heißt Cloud, weil sie klaut" auf eine einfache Formel. Viele Dienste, sagt er, seien absichtlich so konstruiert, dass sie möglichst viele Daten über die Kunden erheben und auf Unternehmensservern speichern. Hier bestünde dringender Regulierungsbedarf, da die Marktmacht der Anbieter von marktführenden Suchmaschinen, sozialen Netzwerken, Smartphones und Anwendungen dem Verbraucher de facto nicht ermögliche, seine Daten zu schützen.

"Die Politik aber", so Pousttchi, "sieht diese Entwicklung in vielen Ländern nicht so ungern, weil sie oft weniger unter dem Aspekt Verbraucherschutz oder Freiheitsrechte, sondern unter dem Aspekt der inneren Sicherheit betrachtet wird. Ein ganzes Volk 24 Stunden am Tag zu überwachen, um einige Übeltäter zu finden, ist aber vielleicht nicht die richtige Lösung." Und vielleicht ist es dann ja auch eine fremde Regierung, die diese Daten sammelt.
Dienste auf Basis von Kundendaten werden in jedem Fall kommen, schon weil die Verbraucher es wollen – und sie werden nach Meinung der Forscher das Marketing in den nächsten 10 Jahren komplett revolutionieren. Aber die Verbraucher sollten selbst entscheiden können, wer wann wo was über sie speichert.

Konferenz ICMB

Die Konferenz ICMB 2013, veranstaltet von der Forschungsgruppe wi-mobile der Universität Augsburg, der internationalen Wirtschaftsinformatik-Organisation Association for Information Systems (AIS) und der Fachgruppe Mobilität und mobile Informationssysteme (GI-MMS) der Gesellschaft für Informatik e.V. findet vom 10.-13.06.2013 in Berlin statt. Sie war bereits in Städten wie New York, Sydney, Barcelona und Dalian zu Gast und kommt im zwölften Jahr ihres Bestehens erstmals nach Deutschland. 2014 wird der Gastgeber die London School of Economics sein.

Pressekontakt:
Yvonne Hufenbach
Forschungsgruppe wi-mobile
Universität Augsburg
86135 Augsburg
Telefon +49 (179) 6653782
presse@wi-mobile.de

Zur ICMB 2013:
http://www.mbusiness2013.org
http://idw-online.de/de/news534880

Zur Forschungsgruppe wi-mobile der Universität Augsburg:
http://www.wi-mobile.de

Klaus P. Prem | idw
Weitere Informationen:
http://www.wi-mobile.de
http://www.mbusiness2013.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW
08.12.2016 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

nachricht NRW Nano-Konferenz in Münster
07.12.2016 | Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung NRW

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie