Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Internationale Robotik-Tagung mit geistes- und ingenieurwissenschaftlichen Beiträgen

05.11.2010
Haben Pflegeroboter eine Seele?

Am 11. und 12. November veranstaltet die Professur für Technikphilosophie der TU Dresden in Kooperation mit der Universität Tokio die internationale Tagung „Future of Robotics in Germany and Japan: Intercultural Perspectives and technical Opportunities“. Geladen sind Referenten aus Japan, den Niederlanden und verschiedenen deutschen Universitäten.

„Die Idee zu einer Robotik-Tagung mit geistes- wie ingenieurwissenschaftlichen Beiträgen entstand aus einer grundlegenden Beobachtung“, erinnert sich Michael Funk, der als Forschungsassistent an der Professur für Technikphilosophie der TU Dresden lehrt. „Der bisherigen Debatte um die Nutzung von Robotern fehlten weitestgehend die interkulturellen Aspekte. Deutschland und Japan gehören ja zu den führenden Nationen auf dem Gebiet der Entwicklung autonomer Robotertechnik, unterscheiden sich jedoch sehr in ihren kulturellen Rahmenbedingungen. Gerade in den Gesellschaften Mitteleuropas und Ostasiens werden religiöse, soziale und ethische Fragestellungen aber völlig unterschiedlich bewertet. Diese verschiedenen Sichtweisen wollen wir nun zusammenbringen.“

So werden die Forscher zum Beispiel diskutieren, auf welche Weise der Mensch Pflegerobotern „Vertrauen“ entgegenbringen kann und muss. „Die Tagung soll nicht nur thematisieren, wie uns Technik helfen kann, wenn immer weniger junge Menschen immer mehr alte Menschen versorgen müssen,“ führt Michael Funk aus. „Zu besprechen sind vor allem auch Fragen nach einem guten und erfüllten Leben, und ob Roboter dafür einen Beitrag leisten können. Können wir es moralisch vertreten, von einer Maschine gepflegt zu werden? Oder wird unsere Gesellschaft solche Maschinen als unmoralisch empfinden und folglich diese Technik nicht akzeptieren?“

Diese Frage trifft in Deutschland und Japan nicht nur auf unterschiedliche ökonomische, sondern vor allem auch auf unterschiedliche kulturelle Voraussetzungen. Auch wenn es im französischen Materialismus der europäischen Aufklärung Versuche gegeben hat, den Menschen als eine Maschine zu beschreiben, so verbietet doch ein christlich geprägter Person-Begriff die Übertragung menschlich-seelischer Eigenschaften auf einen autonomen Roboter. Pflegeroboter sind Werkzeuge mit ausgesprochener technischer Intelligenz und keine Personen oder moralische Akteure - oder etwa doch?

„Trotz enormer Modernisierungsschübe seit Mitte des 19. Jahrhunderts haben sich in Japan vorreligiöse Auffassungen und Weltbilder, wie etwa im Shintoismus, erhalten“, erklärt Lehrstuhlinhaber Prof. Bernhard Irrgang dazu. „Die Grenze zwischen dem Belebten und dem Unbelebten ist nicht klar gesteckt, weshalb Dingen, Naturphänomenen, Maschinen und eben auch Pflegerobotern eine eigene Seele zugeschrieben wird. Die Folgen für die öffentliche Diskussion um Akzeptanz von autonomer Robotertechnik sind enorm und zeigen exemplarisch, wie stark sich die gesellschaftliche Legitimation von technischer Forschung und das soziale Vertrauen in Technik in ihrer jeweiligen kulturellen Einbettung zwischen Deutschland und Japan unterscheidet.“

Informationen für Journalisten:
Prof. Dr. Bernhard Irrgang, Tel. 0351 463-36001, E-Mail: Bernhard.Irrgang@tu-dresden.de
Michael Funk, Tel. 0176 32132195, E-Mail: michael.funk.dresden@googlemail.com
„Future of Robotics in Germany and Japan: Intercultural Perspectives and technical Opportunities“

Kim-Astrid Magister | Technische Universität Dresden
Weitere Informationen:
http://tinyurl.com/tud-robotik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität
23.05.2017 | Deutsche Diabetes Gesellschaft

nachricht Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen
23.05.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie