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Internationale Konferenz „GEO BON“ will Wissenslücken zur globalen Artenvielfalt schließen

28.06.2016

Mehrere hundert internationale Experten für die Beobachtung der biologischen Vielfalt werden Anfang Juli in Leipzig beraten, wie die enormen Wissenslücken über die globale Biodiversität geschlossen werden können. Hintergrund: Die Unterzeichner der UN-Biodiversitäts-Konvention (CBD), darunter auch Deutschland, haben sich verpflichtet, den Verlust an Biodiversität bis 2020 zu stoppen und den Trend umzukehren. Ohne Daten lässt sich dieses international verbindliche Ziel nicht effizient umsetzen und erst recht nicht überprüfen.

Initiiert wurde die erste Konferenz dieser Art durch GEO BON, einer internationalen Organisation, die sich um Monitoring und Zusammenführung von Daten der globalen Biodiversität kümmert. Das Sekretariat von GEO BON sitzt am Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig.


GEO BON (“Group on Earth Observations - Biodiversity Observation Network”) ist für die Daten zur biologischen Vielfalt innerhalb der globalen Erdbeobachtung GEOSS zuständig.

Bild: GEO BON

Dass der Mensch die Erde verändert und diese Veränderungen zum Aussterben von Arten führen, ist unbestritten. Unklar ist jedoch das Ausmaß dieses Wandels. Gibt es tatsächlich ein globales „Sechstes Massensterben“? Im Vergleich zum Klimawandel ist beim Biodiversitätswandel die Datengrundlage erstaunlich dünn. Während zum Beispiel Vögel oder Wölfe in Deutschland akribisch erfasst werden, gibt es für andere Gruppen an Tierarten wie Amphibien kaum Daten.

Wie gering das Wissen ist zeigt, dass jedes Jahr allein 18.000 neue Arten beschrieben werden. Während in Deutschland trotz föderaler Struktur mit unterschiedlichen Erhebungen zu Flora und Fauna relativ viele Daten erfasst werden, ist über den Zustand in anderen Erdregionen wie z.B. Ostafrika oder Südostasien nur wenig bekannt. „Wir wissen mehr über die Oberfläche des Mars als über die biologische Vielfalt an vielen Orten der Erde“, sagt Prof. Henrique M. Pereira, Professor von iDiv und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sowie Vorsitzender von GEO BON.

Die Daten zum Zustand und der Entwicklung der Artenvielfalt sind aber wichtig, um Fehlentwicklungen korrigieren zu können: Welchen Einfluss haben Eingriffe in die Landschaft auf die Biodiversität? Erhöht zum Beispiel eine Flussrenaturierung die Artenvielfalt? Wie effizient sind Naturschutzmaßnahmen? Zum Beispiel: In der Vergangenheit zeigten teure Wiederansiedlungsprojekte häufig wenig Erfolg während sich einfache Jagdverbote als höchst wirksam erwiesen. Politiker und andere Entscheidungsträger sind daher auf zuverlässige Daten angewiesen.

Auch Deutschland hat sich in UN-Biodiversitäts-Konvention (CBD) verpflichtet, den Verlust an Biodiversität bis 2020 aufzuhalten. Ob dieses international verbindliche Ziel tatsächlich umgesetzt wird, lässt sich nur mit einem wirksamen Monitoring überprüfen. In den letzten Monaten wurde daher – auch unter Mitwirkung der iDiv-Experten – ein Indikatorsystem entwickelt, das auf der Konferenz diskutiert und weiterentwickelt werden soll. Diese sogenannten EVBs (Essential Biodiversity Variables) sind Indikatoren für den Zustand der gesamten Biodiversität und ein zentrales Element auf dem Weg zum Erreichen der Aichi-Biodiversitätsziele bis 2020.

Treibende Kraft dabei ist GEO BON (“Group on Earth Observations - Biodiversity Observation Network”). Diese Organisation ist für die Daten zur biologischen Vielfalt innerhalb der globalen Erdbeobachtung GEOSS („Global Earth Observation System of Systems“) zuständig. Verwaltet wird die Organisation seit 2013 durch ein iDiv-Sekretariat, das von der Bundesrepublik finanziert wird. Zuvor war das Sekretariat in Pretoria angesiedelt und von Südafrika finanziert. Unterstützt wird GEO BON u. a. auch von seinen beiden Trägerorganisationen: dem internationalen Biodiversitätsprogramm Diversitas und der US-Weltraumagentur NASA.

Um die Wissenslücken zu schließen, verfolgt GEO BON mehrere Strategien: Erstens sollen mehr Daten erhoben werden, vor allem in den Erdregionen, über deren Biodiversität wenig bekannt ist. Zweitens sollen solche Daten global zugänglich gemacht werden, die von lokalen und nationalen Behörden erhoben aber nicht veröffentlicht werden. Drittens sollen Daten und die Art ihrer Erhebung vereinheitlicht werden, um sie vergleichbar zu machen und zusammenzuführen. Ein Beispiel für die Zusammenführung von Daten aus unterschiedlichen Quellen wie Wissenschaftlern, Behörden und Ehrenamtlichen ist der „Lebendige Atlas - Natur Deutschland“.

Die GEO BON-Tagung findet im Konferenzzentrum KUBUS des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung - UFZ (Permoser Str. 15, 04318 Leipzig) statt. Bitte melden sich kurz via presse@idiv.de an, damit wir Ihnen eine Akkreditierung ausstellen können. Wir bieten Ihnen ebenfalls an, ein Interview mit Prof. Henrique M. Pereira zu führen über Wissenslücken zur globalen Biodiversität. Vielen Dank.

Volker Hahn / Tilo Arnhold

Link zur Pressemitteilung und zu Bildmaterial:
https://www.idiv.de/de/news/news_single_view/news_article/internationa-1.html

Konferenz:
GEO BON Open Science Conference & GEO BON All Hands Meeting
July 4-8, 2016 | Leipzig, Germany
http://conf2016.geobon.org/
Hinweise für Journalisten:
Die Tagung findet im Konferenzzentrum KUBUS des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (Permoser Str. 15, 04318 Leipzig) statt. Bitte melden sich kurz via presse@idiv.de an, damit wir Ihnen eine Akkreditierung ausstellen können. Vielen Dank.

Weitere Informationen:

Prof. Henrique Miguel Pereira (spricht nur Englisch)
Vorsitzender GEO BON und
Leiter der Forschungsgruppe Biodiversität und Naturschutz am Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig und Professor für Biodiversität und Naturschutz an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Tel. +49 341 9733137
https://www.idiv.de/de/das_zentrum/mitarbeiterinnen/mitarbeiterdetails/eshow/per...
und
Dr. Miguel Alejandro Fernández (spricht nur Englisch)
Mitarbeiter der Forschungsgruppe Biodiversität und Naturschutz am Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig
Tel.: +49 341 9733229
https://www.idiv.de/de/das_zentrum/mitarbeiterinnen/mitarbeiterdetails/eshow/fer...

sowie
Dr. Volker Hahn / Tilo Arnhold
Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit iDiv
Tel.: +49 341 9733 154, -197
http://www.idiv.de/de/presse/mitarbeiterinnen.html

Links:

Group on Earth Observations Biodiversity Observation Network (GEO BON)
http://geobon.org/
https://www.idiv.de/research/international_office_geo_bon.html
https://www.youtube.com/watch?v=kOEUdIkaXGI

Global Earth Observation System of Systems (GEOSS)
http://www.earthobservations.org/geoss.php

Aichy Ziele 2020
https://www.bfn.de/0304_2010ziel.html
https://www.cbd.int/sp/targets/

iDiv ist eine zentrale Einrichtung der Universität Leipzig im Sinne des § 92 Abs. 1 SächsHSFG und wird zusammen mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Friedrich-Schiller-Universität Jena betrieben sowie in Kooperation mit dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH – UFZ.
Beteiligte Kooperationspartner sind die folgenden außeruniversitären Forschungs-einrichtungen: das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH – UFZ, das Max-Planck-Institut für Biogeochemie (MPI BGC), das Max-Planck-Institut für chemische Ökologie (MPI CE), das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie (MPI EVA), das Leibniz-Institut Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ), das Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie (IPB), das Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) und das Leibniz-Institut Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz (SMNG).

Weitere Informationen:

http://conf2016.geobon.org/

Tilo Arnhold | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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