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Internationale Fachtagung "Inklusives Wohnen" an der OTH Regensburg

29.09.2014

Vom Leben in einer Mehrgenerationenwohnanlage, über das Wohnen in einer WG mit Assistenzzentrale bis hin zu speziellen Wohnprojekten wie dem „social farming“: Geht es nach den Vorstellungen behinderter Menschen, sind sie beim Wohnen zu vielem bereit. Nur eins möchten die Wenigsten: Überwiegend auf institutionalisierte Behinderten-Einrichtungen angewiesen zu sein und wenig Wahl- und Entscheidungsmöglichkeiten auf eine selbstbestimmte Wohnform zu haben.

Genau das ist jedoch immer noch die in Deutschland vorherrschende Wohnform von Erwachsenen mit Behinderung. Mit dieser Realität sowie mit modernen Lösungsansätzen und Beispielen aus der Praxis beschäftigten sich rund 410 Teilnehmer auf der Internationalen Fachtagung „Inklusives Wohnen“, die die Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften der OTH Regensburg und die Barmherzige Brüder gemeinnützige Behindertenhilfe GmbH am 23. und 24. September 2014 gemeinsam an der OTH Regensburg veranstaltet haben.

In Deutschland wohnt etwa die Hälfte aller Erwachsenen mit Handicap nicht zuhause bei Familienangehörigen, sondern anderswo. Und von dieser Hälfte sind es über 80 Prozent, die in Institutionen leben. „Damit ist Deutschland Schlusslicht im Vergleich westlicher Industrienationen“, sagte Prof. Dr. Georg Theunissen von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

In seinem Vortrag „Wohnen behinderter Menschen im Lichte von Empowerment und Inklusion“ bot er seinen Zuhörern einen Abriss der geschichtlichen Entwicklung des Wohnens behinderter Menschen.

Demnach war hierzulande bis weit in die Nachkriegszeit hinein ein Verbesserungsbedarf für ein individuelleres Wohnen und die Begleitung durch pädagogisches Personal notwendig. Eine „Enthospitalisierung“ fand erst statt, als sich betroffene Eltern und behinderte Menschen selbst vehement für ihre Rechte einsetzten. Ihre Forderungen nach Inklusion und Teilhabe haben erst vor fünf Jahren mit dem Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention eine verbindliche Grundlage erhalten. „Allerdings ist die deutsche Auslegung der Konvention von Missverständnissen geprägt“, erläuterte Prof. Dr. Theunissen.

Statt um Teilhabe gehe es hier allzu oft lediglich um Teilnahme und der Inklusionsprozess werde als Top-down-Prozess begriffen. Das heißt: Nicht allein die Kostenträger wie Kranken- und Pflegekassen sowie die Träger der Behindertenhilfe sollen über die zukünftige Angebotsstruktur bestimmen.

Entscheidend ist die Sicht der Betroffenen. Es braucht deshalb einen großen Veränderungs- und Handlungsbedarf im Hinblick auf Wohnformen, die mit den UN-Konventionen in Einklang gebracht werden. Als eines der wesentlichen Folgeprobleme gebe es kaum Alternativen zum Leben im Heim, so Prof. Dr. Theunissen.

Lösungsvorschläge und Best-Practice-Beispiele gab es vor allem aus skandinavischen Ländern und den USA. Prof. Dr. Jan Tøssebro von der Norwegian University of Science and Technology sprach von den norwegischen Erfahrungen – weg von der Versorgung in Institutionen hin zur Begleitung in der Gemeinde. Prof. Lennart Jönsson und Linn Wänerstam aus Schweden berichteten über das Inklusionsprojekt „Misa AB“, Patti Scott aus den USA über das US-Projekt „Neighbors.Inc“.

An den Infoständen während der zweitägigen Tagung konnten sich die Teilnehmer über die Studienangebote der Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften der OTH Regensburg sowie über die Angebote des Veranstaltungspartners Barmherzige Brüder gemeinnützige Behindertenhilfe GmbH informieren.

Außerdem waren das Netzwerk Autismus Niederbayern/Oberpfalz GmbH, das Projekt „Regensburg inklusiv“ sowie der Regionalverband autismus Regensburg e. V. präsent. Abgerundet wurde die Fachtagung durch Hospitationen in Einrichtungen der Barmherzigen Brüder in Walderbach und Bernhardswald.

Diana Feuerer | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.oth-regensburg.de/

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