Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Internationale Expertentagung zu neuesten Methoden der Ozeanbeobachtung am GEOMAR

17.06.2014

Autonome, steuerbare Messsonden, sogenannte Gleiter, sind in den vergangenen Jahren zu unverzichtbaren Helfern der Meeresforschung geworden.

Doch der Einsatz der Geräte im offenen Ozean ist immer noch eine technische Herausforderung. Diese Woche treffen sich 60 Experten aus 16 Ländern am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel zur größten Fachkonferenz dieser Art, um Erfahrungen auszutauschen und neue Entwicklungen vorzustellen.


Ein Glider des GEOMAR wird im tropischen Atlantik ausgesetzt.

Foto: M. Müller, GEOMAR

Sauerstoffproduzent, Wetterküche, Klimamotor – der Ozean nimmt viele auch für Landbewohner entscheidende Funktionen auf unserem Planeten wahr. Doch trotz ihrer Bedeutung für uns Menschen ist es schwer, all diese Prozesse zu überwachen. Denn die Fläche der Weltmeere ist gewaltig, die Zahl der Forschungsschiffe ist – auch international – begrenzt.

Deshalb nutzen Meeresforscher immer stärker autonome Messplattformen, die unabhängig von Schiffen teils monatelang im Ozean arbeiten können und währenddessen Daten per Satellit an die Heimatinstitute schicken. Neben fest verankerten und frei treibenden Sonden sind dies vor allem sogenannte Gleiter (englisch: Glider).

Durch kleine Änderungen ihres Auf- und Abtriebs im Wasser können sie sich gezielt fortbewegen. Diese äußerst energieeffiziente Technik erlaubt es den Gleitern über mehrere Monate Messdaten gezielt auch in entlegensten Regionen der Ozeane sammeln.

Obwohl sich mittlerweile verschiedene Glider-Technologien in der Meeresforschung etabliert haben, ist der Einsatz dieser Geräte immer noch eine technische Herausforderung. Diese Woche treffen sich 60 Forscher und Techniker aus 16 Ländern am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel zur 6. EGO (Everyone's Gliding Observatories)-Konferenz. „Ziel ist es, Erfahrungen auszutauschen und neueste Entwicklungen vorzustellen“, erklärt der Ozeanograph Dr. Johannes Karstensen vom GEOMAR, der als Gastgeber der Konferenz fungiert.

Das Treffen in Kiel ist gleichzeitig der Abschluss des von der EU-finanzierten Projekts „COST Action ES0904“. Es diente dazu, die Betreiber von ozeanographischen Gleitern in Europa besser zu vernetzen und wissenschaftlichen Nachwuchs in diesem Bereich besser zu schulen. „Insgesamt 16 Länder in Europa sowie internationale Partner aus Südafrika, Mexiko und Australien haben sich hier zusammengetan, um die Nutzung der Glidertechnologie im Dienste der Meeresforschung zu verbessern “, sagt Dr. Karstensen.

Zu den Themen, die während der Konferenz in Kiel besprochen werden, gehören zum Beispiel neue Entwicklungen bei der Steuerung und Navigation der Glider, Datenverarbeitung und Qualitätskontrolle, sowie die Möglichkeiten der Nutzung von Gliderdaten im Verbund mit anderen Messplattformen wie Schiffen und Satelliten zur umfassenden Vermessung des Ozean.

„Die Kieler Meeresforschung gehört schon seit der Jahrtausendwende zu den Pionieren beim Einsatz von Gleitern. Heute betreibt das GEOMAR eine der größten Gleiterflotten Europas“, erklärt Dr. Karstensen. Die vom GEOMAR eingesetzten Geräte pendeln zwischen der Wasseroberfläche und 1000 Meter Tiefe hin und her. Dabei bewegen sie sich mit etwa halber Fußgängergeschwindigkeit vorwärts. „Das genügt, um sie steuern zu können“, erklärt Dr. Karstensen. Auf ihrem Zick-Zack-Unterwasserflug messen sie die Temperatur, den Salzgehalt, die Sauerstoffkonzentration, die Chlorophyllkonzentration und andere wichtige Grunddaten, die Auskunft über physikalische, chemische und biologische Prozesse im Ozean geben. Die Kieler Forscher nutzen diese Fähigkeiten zum Beispiel, um Ozeanströmungen, Wirbel verschiedener Größen oder auch Sauerstoffminimumzonen zu vermessen.

„Früher mussten Forscher wochenlang auf Daten warten, bis Schiffe von Messkampagnen zurückkehrten. Heute erhalten wir viele Daten aus den Meeren in Echtzeit über Satellit. Trotzdem gibt es immer noch riesige Ozeangebiete, die kaum beobachtet werden. Fortschritte in der Gleitertechnologie können helfen, diese Wissenslücken zu schließen“, betont Dr. Karstensen.

Weitere Informationen:

http://www.geomar.de Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
http://gliderweb.geomar.de Übersicht über die Gleitereinsätze des GEOMAR
http://www.geomar.de/forschen/fb1/fb1-po/beobachtungssysteme/gleiter/ Seite des GEOMAR über Gleiter-Systeme

Andreas Villwock | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Das Immunsystem in Extremsituationen
19.10.2017 | Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

nachricht Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm
19.10.2017 | Universität Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise