Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Interdisziplinärer Dialog von Grippeforschern - Zusammenarbeit zahlt sich aus

14.10.2013
Deutschlandweiter Forschungsverbund „FluResearchNet“ tagte in Münster

Die Virusgrippe oder Influenza stellt nach wie vor eine permanente weltweite Bedrohung für Mensch und Tier da. Immer wieder tauchen neue Influenza Erreger aus der Tierwelt beim Menschen auf und führen zu schweren Erkrankungen.

Zur effektiven Bekämpfung dieser Erreger ist ein interdisziplinärer Forschungsansatz elementar wichtig. Das FluResearchNet, das an der Universität Münster koordiniert wird, bündelt erstmals die gesamte Influenza-Expertise in Deutschland. Im Forschungsverbund bringen Virologen, Immunologen, Zellbiologen, Veterinär- und Humanmediziner sowie Experten des Robert Koch-Instituts und des Friedrich-Loeffler-Instituts die gemeinsameErforschung der Influenza-Viren voran.

Professor Stephan Ludwig vom Institut für Molekulare Virologie der Universität Münster ist Koordinator des FluResearchNets und beschreibt die Arbeit wie folgt: „Die Forschung im FluResearchNet ist die konkrete Umsetzung des One-Health-Gedanken: durch die Zusammenarbeit von Forschern mit verschiedener Expertise können wir Influenza bei Tieren, wie Vögeln und Schweinen verstehen und dadurch lernen, humane Influenza zu bekämpfen.“ Aus der Verbundarbeit sind bereits zahlreiche vielversprechende Ergebnisse hervorgegangen. So startete die Firma Activaero GmbH in diesem Jahr eine klinische Phase II Studiemit schwer erkrankten Grippepatienten. Die Daten zum Wirkmechanismus des getesteten Medikaments beruhen federführend auf den Forschungsarbeiten aus dem FluResearchNet.

„Wir hoffen, dass in der kommenden Grippesaison viele Patienten in die Studie aufgenommen werden können, sodass wir bald valide Ergebnisse haben“, wünscht sich Stephan Ludwig. Wann es zu einer Marktzulassung kommt, ist derzeit noch unklar. Mehrere im Netzwerk aufgedeckte Erkenntnisse haben zu Patenteinreichungen geführt. Einige der Ansätze werden nun in Zusammenarbeit mit Unternehmen für eine klinische Weiterentwicklung genutzt.

„Dies ist ein schönes Beispiel dafür, wie Grundlagenforschung schlussendlich dem Wohle der Bevölkerung dient“, sagt Professor Ludwig. Auch in der Überwachung der Influenza, insbesondere bei Schweinen, die als „Mischgefäß“ für neuentstehende Viren gelten, hat das FluResearchNet Entscheidendes beigetragen. Es wurde ein eigenes Sequenzierungskonsortium an der Universität Jena etabliert, sodass inzwischen ein Sechstel aller Einträge zur Schweineinfluenza aus dem FluResearchNet kommen. „Damit kennen wir genau die Aktivität der Influenza bei Schweinen und können neue für den Menschen potentiell gefährliche Viren schnell erkennen“, fasst Ludwig zusammen.

Die Erfolge des FluResearchNets wurden am 7. und 8.10.2013 in Münster ausführlich vorgestellt. Da die Bundesförderung des Forschungsverbundes in diesem Jahr endet, wurde zudem darüber beraten, wie die Zusammenarbeit in Zukunft gestaltet werden kann. Denn, so Ludwig „die Arbeit wird nun ungleich schwieriger, da die finanzielle Unterstützung durch Mittel der Projektförderung nicht mehr gegeben ist.“ Dennoch muss die gemeinsame Forschung weitergehen, da sind sich alle Experten einig. „Nur so kann man Pandemien auch in Zukunft adäquat begegnen und die Bevölkerung schützen.“

Ein Weg, um die gemeinsame Arbeit auch in Zukunft möglich zu machen, wird sein, das FluResearchNet nicht nur als Marke zu erhalten sondern auch den aktiven Austausch weiter zu fördern. Dafür eignet sich das Internationale Influenza Meeting besonders, das alle zwei Jahre in Münster stattfindet und sich bereits im wissenschaftlichen Veranstaltungskalender als feste Größe etabliert hat. Im letzten Jahr nahmen rund 300 Wissenschaftler aus 24 Nationen teil. Die nächste dieser Veranstaltungen findet vom 21. -23. September 2014 in Münster statt.

Das FluResearchNet ist einer von 11 vom Bundeministerium für Bildung und Forschung geförderten Zoonosenverbünde. Er wird unter dem Dach der Nationalen Forschungsplattform für Zoonosen von Professor Stephan Ludwig vom Institut für Molekulare Virologie der Universität Münster koordiniert und besteht aus 12 Teilprojekten, die deutschlandweit durchgeführt werden. Gegründet wurde der Forschungsverbund 2007 und erhielt in zwei Förderphasen eine Förderung von insgesamt rund 8,6 Millionen Euro.

Weitere Hinweise zum FluResearchNet finden Sie unter folgendem Link: http://campus.uni-muenster.de/fluresearchnet.html

Kontakt:

Dr. rer. nat. Friederike Jansen
Nationale Forschungsplattform für Zoonosen
c/o Institut für Molekulare Virologie
Zentrum für Molekularbiologie der Entzündung (ZMBE)
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Von-Esmarch-Str. 56
48149 Münster
Tel.: 02 51/83 53011
Fax: 02 51/83 57793
E-Mail: friederike.jansen@ukmuenster.de

Dr. Friederike Jansen | idw
Weitere Informationen:
http://www.zoonosen.net

Weitere Berichte zu: FluResearchNet Influenza Molekulare Virologie Virologie Virus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht International führende Informatiker in Paderborn
21.08.2017 | Universität Paderborn

nachricht Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik
21.08.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IPM präsentiert »Deep Learning Framework« zur automatisierten Interpretation von 3D-Daten

22.08.2017 | Informationstechnologie

Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen

22.08.2017 | Geowissenschaften

RWI/ISL-Containerumschlag-Index erreicht neuen Höchstwert

22.08.2017 | Wirtschaft Finanzen