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Wenn das Immunsystem die Fronten wechselt

20.09.2011
Internationale Experten diskutieren in Dresden zu Vorhersage und Vorsorge der Entwicklung von Autoimmunerkrankungen: Um den interdisziplinären Gedankenaustausch zu fördern und neue Forschungsergebnisse der Diagnostik und Therapie von Autoimmunerkrankungen vorzustellen, wird seit 1990 das nun schon Tradition gewordene internationale „Dresden Symposium on Autoantibodies„ veranstaltet. Das diesjährige 10. Symposium erwartet vom 22. bis 25. September 2011 zahlreiche internationale Experten aus dem In- und Ausland in der sächsischen Landeshauptstadt.

„Die medizinische und volkswirtschaftliche Bedeutung dieser Erkrankungen wird noch immer unterschätzt“, sagt Privat-Dozent Dr. Karsten Conrad vom Institut für Immunologie der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus und Organisationschef des Symposiums.

Das Rahmenthema “From Prediction to Prevention of Autoimmune Diseases” der diesjährigen Jubiläumsveranstaltung spannt den Bogen von der Vorhersage der Krankheitsentwicklung bis hin zu neueren Erkenntnissen hinsichtlich Vorsorge und ursachenbezogener Therapie von Autoimmunerkrankungen. Als Modellbeispiele hierfür werden die Forschungsergebnisse zum Diabetes mellitus Typ 1 sowie zur rheumatoiden Arthritis präsentiert und diskutiert. Zusätzlich werden auch seltenere Autoimmunerkrankungen wie autoimmun bedingte Entzündungen von Blutgefäßen, Skelett- und Herzmuskulatur sowie die Mechanismen der autoimmun bedingten Transplantatabstoßung vorgestellt. Ein weiterer Schwerpunkt dieser Veranstaltung widmet sich der Optimierung der Autoantikörper-Analytik als Grundlage für die Etablierung einer prädiktiven, also die Krankheitsentwicklung vorhersagenden Diagnostik.

Die Immunität des Menschen beruht auf komplexen Reaktionen, die für das betreffende Individuum spezifisch sind. Aufgabe des Immunsystems ist es, fremde und somit für den Organismus gefährliche Eindringlinge - zum Beispiel Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten - sowie Veränderungen wie etwa Tumorzellen zu erkennen und zu eliminieren. Jeder Mensch besitzt ein eigenes, für ihn angepasstes Abwehrsystem, das fremde Strukturen erkennt und außerordentlich effektiv bekämpft, andererseits gegenüber dem eigenen Körper tolerant bleibt. Unter bestimmten Umständen, die zurzeit noch nicht in allen Einzelheiten geklärt sind, kann jedoch das Immunsystem körpereigene Strukturen angreifen und eine Autoimmunerkrankung auslösen.

Autoimmunerkrankungen können zu den sogenannten Volkskrankheiten gezählt werden, da rund fünf Prozent der Bevölkerung mit steigender Tendenz davon betroffen sind, und sie somit nach den Herz-Kreislauf- und den Krebserkrankungen an dritter Stelle der häufigsten Erkrankungen stehen. Allein in Deutschland leiden mehr als vier Millionen Menschen an einer Autoimmunerkrankung. Neben dem persönlichen Leid der Betroffenen haben die Autoimmunerkrankungen eine erhebliche sozialmedizinische und volkswirtschaftliche Bedeutung, da durch die Behandlung, die Rehabilitation und Frühverrentung der Patienten beträchtliche Kosten entstehen.

Trotzdem wird die medizinische und volkswirtschaftliche Bedeutung dieser Erkrankungsgruppe noch immer unterschätzt, da viele der etwa 100 verschiedenen Autoimmunerkrankungen nur recht selten vorkommen. Autoimmunerkrankungen können praktisch alle Organe des menschlichen Körpers befallen, sodass zahlreiche medizinische Fachdisziplinen mit diesem Erkrankungskreis konfrontiert werden. Zu den häufigsten Autoimmunerkrankungen gehören die rheumatoide Arthritis (eine autoimmune Gelenkentzündung aus dem Formenkreis der rheumatischen Erkrankungen), autoimmune Schilddrüsenerkrankungen, die Multiple Sklerose oder der Diabetes mellitus Typ 1.

Eine frühe Diagnose ist ganz entscheidend für die Chance, den Krankheitsverlauf der entsprechenden Autoimmunerkrankung positiv beeinflussen zu können. So kann beispielsweise bei der rheumatoiden Arthritis durch eine frühe und sichere Diagnostik und die Einleitung einer frühzeitigen gezielten Therapie die Gelenkentzündung wirksam verlangsamt und mitunter sogar komplett gestoppt werden. Es besteht berechtigte Hoffnung, dass mit der Verbesserung der Vorhersagemöglichkeiten, neuen Erkenntnissen zu den Mechanismen der Krankheitsentwicklung sowie neuen Interventionsmöglichkeiten der Ausbruch der entsprechenden Autoimmunerkrankung ganz verhindert werden kann. Da das „10th Dresden Symposium“ Spitzen-Forscher aus aller Welt zusammenführt, wird diese Veranstaltung wieder ein wichtiger Meilenstein zur Verbesserung der Diagnostik und Therapie von Autoimmunerkrankungen sein und damit zum Wohl der Patienten mit derartigen Erkrankungen beitragen.

Das vollständige Programm des Symposiums ist unter
http://www.gfid-ev.de/formulare/10DSA_Programme.pdf einsehbar.
Kontakt
Technische Universität Dresden
Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus
Institut für Immunologie
PD Dr. med. Karsten Conrad
Tel.: 0351 458 6540
E-Mail: k_conrad@mail.zih.tu-dresden.de

Holger Ostermeyer | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-dresden.de/medifi/
http://www.gfid-ev.de/formulare/10DSA_Programme.pdf

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