Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Human Brain Project: Auftakt in Lausanne

07.10.2013
Das gesamte Wissen über das menschliche Gehirn bündeln und es durch detailgetreue Simulation besser verstehen: Das ist das Ziel des visionären Human Brain Projects (HBP), das heute offiziell startet.

Zu der Auftaktveranstaltung in Lausanne kommen Wissenschaftler der insgesamt 135 Forschungseinrichtungen – darunter auch Forscherinnen und Forscher aus Jülich – zusammen, die an dem Projekt beteiligt sind. An der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) planen sie die Arbeit für die nächsten Jahre und präsentieren sie der Öffentlichkeit.

Das von Prof. Henry Markram, EPFL, koordinierte Großprojekt wurde Anfang des Jahres als eines von zwei „Flaggschiffen“ im Rahmen der FET-Flagship-Initiative der Europäischen Union ausgewählt und soll über eine Laufzeit von zehn Jahren gefördert werden (siehe auch Pressemitteilung vom 28. Januar 2013). Das Gesamtbudget für das Projekt wird auf über eine Milliarde Euro veranschlagt. Jülicher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler leiten zwei der insgesamt zwölf wissenschaftlichen Teilprojekte und sind darüber hinaus an verschiedenen weiteren Forschungsschwerpunkten beteiligt.

Das HBP soll Neurowissenschaftlern Untersuchungen und Experimente an einem „virtuellen Gehirn“ auf Superrechnern ermöglichen, die am lebenden Objekt aus praktischen oder ethischen Gründen nicht durchführbar wären. Die so gewonnenen Einsichten in das menschliche Gehirn sollen einen bisher unerreichten neurobiologischen Zugang schaffen: zu Krankheiten wie Demenz, Depression, Sucht und Parkinson, für die bis heute keine adäquaten Therapien existieren. Die Erkenntnisse sollen darüber hinaus neue Ansätze für „neuromorphe“ Rechnerarchitekturen eröffnen, die dem menschlichen Gehirn nachempfunden sind.

Exascale-System für die Hirnforschung
Die Anforderungen einer realistischen Simulation des menschlichen Gehirns übersteigen Arbeitsspeicher und Rechenleistung heutiger Höchstleistungsrechner um ein Vielfaches. Experten des Jülich Supercomputing Centre (JSC) arbeiten daher mit Partnern aus Industrie und Forschung an der Entwicklung geeigneter Rechnersysteme der nächsten Generation mitsamt der benötigten Systemsoftware. Bereits in der Anlaufzeit des Projekts ist die Jülicher Infrastruktur gefragt. „Erste Berechnungen werden auf Europas derzeit schnellstem Superrechner JUQUEEN durchgeführt, der ab 2017 durch ein rund zehnmal schnelleres System ersetzt werden soll“, erläutert JSC-Direktor Prof. Thomas Lippert, der den Aufbau der „High Performance Computing Platform“ im HBP leitet. Dieser Vorläufer eines späteren Exascale-Rechners wird es ermöglichen, ein Mausgehirn und vereinfachte Modelle des menschlichen Gehirns zu simulieren.
Detailgetreues 3D-Modell
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Jülicher Instituts für Neurowissenschaften und Medizin (INM) werden Erkenntnisse zu den neurobiologischen Grundlagen beitragen. Sie fließen in ein realistisches Modell des menschlichen Gehirns, einen Gehirnatlas, ein, der von der Ebene des Moleküls bis hin zum komplexen Funktionssystem reicht. "Letztlich wollen wir eine Art ‚Google Brain’ entwickeln, das es erlaubt, das Gehirn aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Damit wird sich analysieren lassen, wie einzelne Organisationsebenen miteinander verschaltet sind, die bisher nur unabhängig voneinander betrachten wurden,“ erklärt Prof. Katrin Amunts, Direktorin des Jülicher INM und Leiterin des Bereichs "Strategic Human Brain Data" im Human Brain Project.
Schrittweise Verfeinerung der Simulationen
Prof. Markus Diesmann, ebenfalls Direktor des INM, arbeitet an der Schnittstelle zwischen Neurowissenschaft und Simulationstechnologie. Gemeinsam mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entwickelt er vereinfachte mathematische Modelle, die beschreiben, wie Nervenzellen untereinander kommunizieren. „Auf den derzeit leistungsfähigsten Petascale-Systemen können wir bereits neuronale Netzwerke simulieren, deren Größe etwa einem Prozent des menschlichen Gehirns entspricht. Die Computertechnik hilft, unsere Modelle zunehmend zu verfeinern und zu erweitern, und so dem realen Netzwerk des Gehirns anzunähern.“
Weitere Informationen:
HBP Summit 2013 vom 6. bis 11. Oktober 2013: http://www.humanbrainproject.eu/hbp-summit-2013-overview

Human Brain Project (mit Bildmaterial): http://www.humanbrainproject.eu

Medienvertreter, die an der Präsentation des Projekts am 7.10. in Lausanne teilnehmen möchten, können sich unter http://registration.epfl.ch/?form=Human_Brain_Project akkreditieren oder per E-Mail an suzanne.setz@epfl.ch

Pressemitteilung vom 28. Januar 2013 – Jülicher Forscher sind beteiligt am visionären "Human Brain Project": http://www.fz-juelich.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/UK/DE/2013/13-01-28hbp.html

Pressemitteilung vom 2. August 2013 – „10,4 Billionen Synapsen auf K Supercomputer simuliert“: http://www.fz-juelich.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/UK/DE/2013/13-08-02RekordK.html

Forschung:
Modellierung des menschlichen Gehirns in Jülich: http://www.fz-juelich.de/portal/DE/Forschung/Gesundheit/human-brain-modelling

Jülicher Supercomputer: http://www.fz-juelich.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/UK/DE/2013/13-01-28hbp.html

Jülicher Hirnforschung: http://www.fz-juelich.de/portal/DE/Forschung/Gesundheit

Ansprechpartner:
Prof. Thomas Lippert
Jülich Supercomputing Centre (JSC)
Tel. 02461 61-6402
th.lippert@fz-juelich.de
Prof. Katrin Amunts
Institut für Neurowissenschaften und Medizin, Strukturelle und funktionelle Organisation des Gehirns (INM-1)
Tel. 02461 61-4300
k.amunts@fz-juelich.de
Prof. Markus Diesmann
Institute of Neuroscience and Medicine, Computational and Systems Neuroscience (INM-6)
Tel. 02461 61-9301
m.diesmann@fz-juelich.de
Pressekontakt:
Tobias Schlößer
Unternehmenskommunikation
Tel. 02461 61-4771
t.schloesser@fz-juelich.de
Das Forschungszentrum Jülich …
… betreibt interdisziplinäre Spitzenforschung und stellt sich drängenden Fragen der Gegenwart. Mit seinen Kompetenzen in der Materialforschung und Simulation und seiner Expertise in der Physik, der Nano- und Informationstechnologie sowie den Biowissenschaften und der Hirnforschung entwickelt es die Grundlagen für zukünftige Schlüsseltechnologien. Damit leistet das Forschungszentrum Beiträge zur Lösung großer gesellschaftlicher Herausforderungen in den Bereichen Energie und Umwelt, Gesundheit sowie Informationstechnologie. Das Forschungszentrum Jülich geht neue Wege in strategischen Partnerschaften mit Hochschulen, Forschungseinrichtungen und der Industrie im In- und Ausland. Mit mehr als 5.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gehört es als Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft zu den großen interdisziplinären Forschungszentren Europas.

Annette Stettien | Forschungszentrum Jülich

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University
18.10.2017 | Jacobs University Bremen gGmbH

nachricht Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft
18.10.2017 | gbo datacomp GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik