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Hirndoping: BMBF-Klausurwoche für junge Wissenschaftler

16.02.2011
Öffentliche Vorträge am 21. Februar und 1. März zu ethischen und
gesellschaftspolitischen Fragen des kognitiven Enhancements

In Deutschland haben einer Studie der Universität Mainz zufolge drei bis fünf Prozent der volljährigen Schüler und Studierenden schon einmal Psychostimulanzien eingenommen, um ihre geistige Leistungsfähigkeit zu steigern.

Hirndoping, in Fachkreisen als kognitives Enhancement bezeichnet, scheint sich hierzulande und in anderen westlichen Ländern auszubreiten, und dies obwohl bislang nicht klar ist, ob überhaupt und wie die Substanzen genau wirken. Zu einem wissenschaftlichen Austausch über das brisante Thema hat das Philosophische Seminar gemeinsam mit der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Nachwuchswissenschaftler aus der ganzen Welt nach Mainz eingeladen, die hier ihre Arbeiten vorstellen und mit ausgewiesenen Experten diskutieren können.

19 junge Forscher aus Europa, Australien und Kanada werden an dieser vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanzierten internationalen Konferenz teilnehmen und vom 21. Februar bis 1. März ihre Forschungsergebnisse zu medizinischen, philosophischen, ethischen, gesellschaftlichen und juristischen Fragen des kognitiven Enhancements präsentieren. Im Rahmen der Klausurwoche finden zwei öffentliche Vorträge statt, zu denen alle Interessenten herzlich eingeladen sind.

An der Universität Mainz befasst sich seit 2008 ein BMBF-gefördertes Forschungsprojekt und seit Sommer 2010 ein Doktorandenkolleg mit den ethischen, soziokulturellen und neuropsychiatrischen Aspekten von kognitivem Enhancement. „Die Einnahme von Pillen zur geistigen Leistungssteigerung scheint sich in Kreisen, die unter Leistungsdruck stehen, auszubreiten“, erklärt die Organisatorin der Klausurwoche, PD Dr. Elisabeth Hildt vom Philosophischen Seminar. „Dabei ist nicht genau klar, wie die Mittel, meist Medikamente aus der ADHS-Therapie und Amphetamine, bei gesunden Menschen wirken. Zu erwarten ist aber, dass es in Zukunft noch wirksamere Substanzen geben wird – darauf muss sich die Gesellschaft vorbereiten.“

Bei der Klausurwoche wird das Thema aus ganz verschiedenen Blickwinkeln thematisiert. Die Substanzen und die Häufigkeit von Hirndoping, Ursachen, Messmethoden, Gehirnfunktion und Gedächtnis, Fairness von Hirndoping und Selbstbestimmung sind nur einige Schlagwörter, die auf dieser Veranstaltung diskutiert werden. Die beteiligten Nachwuchswissenschaftler kommen von international führenden Forschungseinrichtungen auf diesem Gebiet, um an den interdisziplinären Debatten teilzunehmen.

Zu zwei Veranstaltungen in englischer Sprache ist auch die Öffentlichkeit eingeladen: Am Montag, 21. Februar wird um 16:30 Uhr Prof. Dr. Eric Racine, Institut de Recherches Cliniques de Montréal, in seinem Eröffnungsvortrag über „Expecting Cognitive Enhancers: Questions for Clinical and Public Ethics” sprechen. Racine wird zunächst einige Hintergrundinformationen über die nicht-medizinische Verwendung von verschreibungspflichtigen Medikamenten zur geistigen Leistungssteigerung präsentieren. Dann geht er auf die Hoffnungen und Befürchtungen ein, die hinsichtlich der Wirksamkeit und der Sicherheit dieser Mittel sowie der Auswirkungen auf soziale Werte bestehen und die die Diskussionen über Enhancement prägen, und wird grundlegende Fragen hierzu zur Diskussion stellen.

Am Dienstag, 1. März wird um 9:00 Uhr Prof. Dr. Peter Reiner von der University of British Columbia, Vancouver, in der Abschlussveranstaltung zum Thema „The Biopolitics of Cognitive Enhancement: A Gordian Knot” referieren. Die Einstellungen zu kognitivem Enhancement reichen von überschäumender Begeisterung über leichte Bedenken bis zu äußerster Empörung. Reiner wird die kulturellen, pragmatischen, philosophischen und religiösen Gründe aufdecken, die hinter diesen unterschiedlichen Einstellungen und Einschätzungen liegen und so das Bild einer „biopolitischen“ Perspektiven entwerfen, das sich gerade erst abzuzeichnen beginnt.

Beide Vorträge finden im Senatssaal, Naturwissenschaftliches Gebäude, Johann-Joachim-Becher-Weg 21, Campus der Universität Mainz statt.

Weitere Informationen:
PD Dr. Elisabeth Hildt
Philosophisches Seminar
Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU)
D 55099 Mainz
Tel. +49 6131 39-24016
Fax +49 6131 39-24017
E-Mail: hildt@uni-mainz.de
Weitere Informationen:
http://www.philosophie.uni-mainz.de/1887_DEU_HTML.php (Klausurprogramm)
http://www.ifzn.uni-mainz.de/472.php (BMBF-Projekt Cognitive Enhancement)
http://www.promotionsstudien.uni-mainz.de/spezielle/PRO/cognitive (Doktorandengruppe)

Petra Giegerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-mainz.de/

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