Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Heizt die Arktis den Klimawandel an?

06.11.2013
Internationale Experten für Methanfreisetzung tagen am GEOMAR

Riesige Mengen des Treibhausgases Methan sind in den Meeresböden des Nordpolarmeers und in arktischen Permafrostböden eingeschlossen. Wie viel davon kann in die Atmosphäre gelangen, wenn sich die globalen Temperaturen weiter erhöhen?

Um Antworten auf diese komplexe Frage zu erhalten, haben sich Wissenschaftler ganz unterschiedlicher Fachrichtungen aus Europa, den USA, Russland und Kanada im Projekt PERGAMON vernetzt. Diese Woche treffen sich über 100 von ihnen zum Abschlusssymposium am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.

Schmelzende Gletscher auf Grönland und tauendes Meereis im Nordpolarmeer – der Klimawandel wirkt sich in der Arktis schon heute messbar aus. Doch wenn sich die globalen Temperaturen weiter verändern, könnten die hohen nördlichen Breiten unseres Planeten selbst zu einem Motor der Erwärmung werden. In den Meeresböden der arktischen Schelfmeere und in den terrestrischen Permafrostböden sind gewaltige Mengen an Methan eingeschlossen.

Permafrostböden tauen bereits und setzen Methan in die Atmosphäre frei, wo es als Treibhausgas 20-mal wirkungsvoller ist als Kohlendioxid. Doch wie viel Methan wird insgesamt freigesetzt und wie schnell wird die Freisetzung in Zukunft weiter ansteigen? „Die Arktis umfasst so große Land- und Wasserflächen, dass bisherige Messungen nur Stichproben darstellen“, erklärt Prof. Dr. Jens Greinert vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und ergänzt: „Außerdem messen russische, amerikanische und europäische Forscher teilweise mit unterschiedlichen Methoden. Um ein Gesamtbild zu erhalten müssen wir also dafür sorgen, dass die Untersuchungen vergleichbar sind.“

Seit vier Jahren arbeiten deshalb Wissenschaftler aus 23 Nationen in dem von der Europäischen Union geförderten Projekt PERGAMON (PERmafrost and GAs hydrate related methane release in the Arctic and impact on climate change: European cooperation for long-term MONitoring). Dabei werden aktuelle Forschungsergebnisse verschiedenster Fachrichtungen über Methanfreisetzungen in der Arktis zusammengetragen, Techniken zur Überwachung standardisiert und internationale Monitoring-Projekte entwickelt. Am Kieler GEOMAR findet vom 5. bis 7. November 2013 das Abschluss-Symposium dieses Projekts mit etwa 100 internationalen Experten statt.

Die Forscher stellen aktuelle Ergebnisse aus Forschungen in der Atmosphäre, an Land, im Ozean und im Eis vor. Für Prof. Dr. Tina Treude, Marine Mikrobiologin am GEOMAR, stellt diese interdisziplinäre Zusammenarbeit einen großen Erfolge von PERGAMON dar: „Bisher haben sich viele Wissenschaftler mit Methan und Methanfreisetzung in der Arktis beschäftigt, aber meistens nur in ihrem jeweiligen Fachbereich. Dank der Kontakte, die wir in PERGAMON knüpfen konnten, bekommen wir ein umfassenderes Verständnis der Prozesse in der Arktis.“

Auch für Dr. Ko van Huissteden von der Freien Universität Amsterdam war vor allem die internationale Zusammenarbeit im PERGAMON-Netzwerk wichtig. „Herausheben möchte ich dabei die Kontakte zu Kollegen in Russland, die wir neu knüpfen konnten. Schließlich sind die gewaltigen Permfrost-Gebiete Sibiriens die bislang größte Quelle von Methanemissionen in der Arktis“, betont der Spezialist für Gasflüsse an Land. Sein Kollege Dr. Torsten Sachs, Spezialist für atmosphärische Methan-Messungen am Helmholtz-Zentrum Potsdam Deutsches Geoforschungszentrum (GFZ), ergänzt: „Für mich war Pergamon vor allem deshalb gut und wichtig, weil ich als vorher ausschließlich terrestrisch arbeitender Wissenschaftler so die marine Methan-community kennengelernt habe.“

Ein weiterer Ansatzpunkt des PERGAMON-Projektes war der wissenschaftliche Nachwuchs: „Austauschprogramme, internationale Workshops und Sommerschulen für Doktoranden und Post-Docs haben auch in diesem Bereich die Vernetzung gefördert. Außerdem konnten die jungen Kollegen dabei einheitliche Mess- und Analysmethoden lernen, die dabei helfen, die Forschungen in Zukunft zu vereinheitlichen“, sagt Dr. Ingeborg Bussmann vom Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung.

Das PERGAMON-Projekt endet zwar offiziell mit dem Symposium in Kiel, doch die Forschungen gehen weiter. „Dank des Netzwerkes, das wir in den vergangenen vier Jahren geschaffen haben, sind schon zahlreiche Nachfolgeprojekte entstanden, die in den kommenden Jahren wahrscheinlich spannende Ergebnisse über das arktische Methan bringen werden“, betont Professor Greinert. Die Zeit drängt, denn die Veränderungen in der Umwelt warten nicht.

Weitere Informationen:

http://www.geomar.de
Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
http://www.cost-pergamon.eu
Das Projekt PERGAMON
http://www.geomar.de/go/pergamon
Deutsche Seite zu PERGAMON und zum Symposium am GEOMAR
--------------------------------------------------------------------------------

Andreas Villwock | idw
Weitere Informationen:
http://www.geomar.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni
24.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet
24.05.2017 | Deutsche Diabetes Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten